„Die Vorweihnachtszeit ist traditionell die wichtigste Saison für den Handel“, erklärt das Citymarketing Fulda. Entsprechend groß seien die Erwartungen an die Besucherfrequenz durch den Weihnachtsmarkt. Doch viele Besucher in der Innenstadt bedeuteten nicht automatisch mehr Geld in der Ladenkasse. Bereits in den vergangenen Jahren hätten die Mitglieder rückläufige Umsätze im Advent verzeichnet.
Auch die gesamtdeutsche Konsumstimmung gibt Anlass zur Vorsicht. Das Konsumbarometer des Handelsverbandes Deutschland (HDE) zeigte im Oktober eine deutliche Verschlechterung der Verbraucherstimmung. Der Geschäftsklimaindex für den Handel in der Region Fulda entwickelte sich dagegen etwas positiver: Laut IHK Fulda stieg er gegenüber Mai von 72 auf 95,5 Punkte.
Dass die Menschen weiterhin gerne in die Innenstadt kommen, beobachtet auch das Citymarketing. Nach dem Hessentag sei die Besucherfrequenz hoch geblieben, zudem habe der ausverkaufte Musicalsommer zahlreiche Gäste nach Fulda gebracht. Gleichzeitig drückten die gestiegenen Energie- und Spritpreise auf die Konsumstimmung. Umso wichtiger sei der Weihnachtsmarkt: Er bringe Menschen in die Stadt und schaffe eine Atmosphäre, die der Onlinehandel nicht bieten könne. Für manche Branchen ist das Weihnachtsgeschäft besonders entscheidend. Im Spielwaren- und Buchhandel, bei Schmuck oder Unterhaltungselektronik erzielten Händler in der Adventszeit laut Citymarketing bis zu 30 Prozent ihres Jahresumsatzes.
Hans-Jürgen Müller, Inhaber von EURONICS XXL EFM Fulda, schaut zunächst auf die Black Week. Wie diese verlaufe, habe Einfluss auf das anschließende Weihnachtsgeschäft. „Läuft die Black Week gut, läuft Weihnachten etwas weniger. Wenn sie mittelmäßig läuft, wird das Weihnachtsgeschäft wichtiger“, beschreibt er die Erfahrungen aus dem Vorjahr.
Bei den Kunden beobachtet Müller eine stärkere Orientierung an Qualität. Statt besonders günstiger Produkte würden zunehmend höherwertige Artikel gekauft. „Kauft er günstig, kauft er meistens zweimal“, sagt er. Die wirtschaftliche Lage bereite ihm dennoch Bauchschmerzen. Viele Menschen achteten das ganze Jahr über stärker auf ihr Portemonnaie. Auch die Konkurrenz durch Plattformen wie Temu und die unterschiedlichen Anforderungen an den stationären Handel seien eine Herausforderung. Deshalb müsse man mit guten Preisen, attraktiven Angeboten, Qualität und Leistung überzeugen. Für Weihnachten erwartet Müller unter anderem Interesse an höherwertigen Reinigungsgeräten.
Auch Carmen Kramm, Geschäftsleiterin des Modehauses Erna Schneider, hofft auf ein besseres Weihnachtsgeschäft als im vergangenen Jahr. Damals sei die Bilanz eher mittelmäßig ausgefallen. Die Kaufkraft habe nachgelassen, viele Kunden kauften inzwischen gezielter und achteten darauf, was sie wirklich benötigten und was ihr Budget zulasse. Dennoch hofft Kramm auf eine etwas großzügigere Kauflaune: „Wir hoffen, dass sich das noch etwas dreht und sich der eine oder andere etwas gönnt.“ Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dürfe schließlich auch die Lebensfreude nicht zu kurz kommen.
Bei den Geschenkideen sieht sie unter anderem Jacken, Kaschmir und Accessoires im Fokus. Das Modehaus ist nach eigenen Angaben für die Weihnachtssaison gerüstet. Zudem soll es erneut einen Wunschsternebaum zugunsten von antonius geben. Kunden können damit nicht nur ein Geschenk kaufen, sondern auch anderen Menschen eine Freude bereiten.
Mit einer veränderten Ausrichtung geht das Sporthaus im Kohlhäuser Feld in die Saison. Swen Wiesner aus dem Team blickt deshalb positiv auf die kommenden Wochen. „Wir gehen da mit einem positiven Mindset ran“, sagt er. Die wirtschaftliche Lage sei zwar angespannt, das Geschäft habe sich aber angepasst. Besonders eine gute Beratung und Spezialisierung könnten Kunden weiterhin in den stationären Handel bringen. Wenn das Angebot stimme, seien die Menschen durchaus bereit, vor Ort einzukaufen.
Passend zur Vorweihnachtszeit hat das Sporthaus gemeinsam mit JAKO eine Aktion für junge Fußballer gestartet. Unter dem Motto „Weihnachten ist Teamzeit“ werden Geschenkpakete zum Vorteilspreis angeboten. Dazu gehören unter anderem Sportbekleidung, Socken, Handschuhe und Caps. Auch Rucksäcke mit Vereinslogo und Initialen sowie weitere Ausstattungsartikel sind Teil der Aktion. Die individuellen Bundles sollen Weihnachtsgeschenke für den Fußballnachwuchs bieten. Darüber hinaus sind weitere Weihnachtsangebote geplant, darunter eine Aktion im Laufschuhbereich. Welche Produkte sich letztlich als Renner erweisen, lasse sich derzeit noch nicht sagen. „Wir sind höchst gespannt, was passiert“, sagt Wiesner.
Auch in der Gastronomie ist die Adventszeit laut Citymarketing ein Höhepunkt des Jahres. Weihnachtsmarktbesucher und Touristen könnten zusätzliche Kaufkraft in die Stadt bringen. Gleichzeitig wirkten sich die wirtschaftliche Lage und die Inflation auch dort aus. Konkrete Zahlen oder eine Prognose zur Auslastung im Vergleich zum Vorjahr liegen dem Citymarketing nach eigenen Angaben bislang nicht vor.
Noch ist etwas Zeit, bis die heiße Phase beginnt. Die Händler haben ihre Geschäfte vorbereitet, Angebote geplant und hoffen nun auf eine gute Kauflaune. Der Weihnachtsmarkt wird in wenigen Wochen zusätzliche Besucher in die Innenstadt bringen. Ob daraus auch ein umsatzstarkes Weihnachtsgeschäft wird, bleibt abzuwarten. Die Zuversicht ist da – die Vorsicht allerdings auch.
