„Ich arbeite an Heiligabend und auch am ersten Weihnachtsfeiertag“, sagt Alexandra Böhm, Mitarbeiterin im Rettungsdienst. Weihnachten gehört hier zum Dienstplan – für einige ist das selbstverständlich, für andere eine bewusste Entscheidung. „Ich arbeite immer gerne und ich übernehme auch gerne eine Schicht an Weihnachten für Kollegen, die gerne frei hätten, weil die Kinder haben und mit der Familie verbringen wollen“, erklärt Böhm.
Der Arbeitsalltag unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von gewöhnlichen Tagen. Doch die Feiertage bringen ihre eigenen Herausforderungen mit sich. Viele Patienten zögern, den Rettungsdienst zu rufen oder ins Krankenhaus zu gehen. „Und dann kollabieren die doch relativ heftig, wenn es dann dazu kommt, dass wir dazu gerufen werden“, berichtet sie. Die Hemmschwelle, an Weihnachten Hilfe zu holen, sei höher – mitunter mit ernsten Folgen. „Wärst du vorher schon mal zum Arzt gegangen oder hättest du mal vorher angerufen, wäre es jetzt vielleicht nicht ganz so schlimm“, berichtet Böhm von ihren persönlichen Erfahrungen.
Trotzdem versuchen die Teams, sich ein Stück Festlichkeit zu bewahren. Jede Wache bekommt einen eigenen Weihnachtsbaum. „Den bekommen wir jedes Jahr vom Betrieb geliefert zum selber schmücken“, erzählt Böhm: „Jede Wache hat so auch ihren eigenen Schmuck.“ Dazu kommt ein Adventskalender für das ganze Team mit kleinen Aufmerksamkeiten – Gesten, die zeigen: Auch an Weihnachten und den Tagen davor wird an die gedacht, die arbeiten.
Eine besondere Ausnahme vom Alltag ist das gemeinsame Essen, vor allem in der Nachtschicht. Wenn es die Einsätze zulassen, wird zusammen gekocht und gegessen. „Am ersten Weihnachtstag soll es Gulasch mit Rotkraut und Klößen geben“, sagt Böhm. Für einen Moment entsteht dann ein Gefühl von Zuhause – mitten auf der Wache, zwischen Funkgeräten und Einsatzfahrzeugen.
Die Stimmung im Team ist kollegial, getragen von gegenseitiger Rücksichtnahme. Dienste werden getauscht, Schichten übernommen, damit Kollegen mit der Familie feiern können. Nicht jeder empfindet die Feiertagsarbeit als Belastung, manche arbeiten sogar lieber. Andere wären dagegen gerne zuhause. Doch alle stellen sich darauf ein – gemeinsam.
Und so ist Weihnachten im Rettungsdienst kein lautes Fest, sondern ein stilles. Eines, das von Zusammenhalt geprägt ist und von der Bereitschaft, da zu sein, wenn andere Hilfe brauchen.
