Immer im Einsatz: Weihnachten bei der Polizei Fulda

Polizei Fulda am Heiligabend. Fotos: Silas Messing.

Fulda – Von Silas Messing – Weihnachten steht wieder vor der Tür. Für viele Menschen bedeutet das Zeit mit der Familie, Ruhe und Besinnlichkeit. Für Polizeibeamte in Osthessen hingegen ist der Heilige Abend oft ein ganz normaler Arbeitstag. Der Polizeiberuf kennt keine Feiertagspause – gearbeitet wird rund um die Uhr, auch an Heiligabend sowie am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag.

„Tatsächlich hat keiner, durch den Schichtdienst bedingt, die kompletten Weihnachtsfeiertage frei“, sagt Erster Polizeihauptkommissar Stephan Messner. In der Regel bleibe nur einer der Feiertage für die Familie. Das sei eine Einschränkung, gehöre aber zur bewussten Berufswahl. Gleichzeitig hätten die wechselnden Dienstpläne auch Vorteile. „Das bietet auch Möglichkeiten, an Werktagen frei zu haben und Dinge mit der Familie zu unternehmen, wenn andere arbeiten.“ Zudem rotieren die Dienstgruppen jährlich, und Schichttausch unter Kollegen sei möglich.

Der Polizeiberuf sei äußerst vielseitig, betont Messner. Tag- und Nachtdienste, Streifen- und Schichtarbeit sowie zahlreiche Fachbereiche wie Kriminalpolizei, Reiterstaffel oder Hundeführer gehörten dazu. Innerhalb der Polizei gebe es viele Entwicklungsmöglichkeiten, um die Arbeit an die jeweilige Lebenssituation anzupassen. „Polizei ist kein Beruf, sondern eine Berufung“, sagt Messner. Gerade die Abwechslung und das Gefühl, wirklich helfen zu können, machen den Beruf für viele erfüllend.

Doch Weihnachten bringe auch besondere Herausforderungen mit sich. „Überbringung von Todesnachrichten – auch an Weihnachten. Das Leben läuft halt immer. 24/7, auch am Heiligabend“, sagt Messner. Solche Einsätze zählten zu den belastendsten Erfahrungen im Berufsalltag. Manche blieben ein Leben lang im Gedächtnis, etwa ein Anschlag an Heiligabend in den 1990er-Jahren während eines Gottesdienstes in Frankfurt. „Die Kirche sah aus wie nach einem Bombenangriff“, erinnert sich Messner – ein Erlebnis, das sich tief eingebrannt habe.

Neben tragischen Einsätzen gebe es aber auch kuriose Momente im Polizeialltag. So sei die Polizei bereits gerufen worden, um sich um den Hamster eines Patienten zu kümmern. „Die Polizei ist oft die letzte Anlaufstelle“, sagt Messner – auch für einsame Menschen, die an den Feiertagen einfach jemanden zum Reden brauchen. Gerade über Weihnachten nehme die Vereinsamung spürbar zu. Oft reiche es schon, kurz zuzuhören.

Hinzu komme, dass familiäre Konflikte an den Feiertagen häufiger eskalierten. „Am ersten Weihnachtsfeiertag und dann auch am zweiten Feiertag kommt es subjektiv mehr zu Streitfällen – alte Konflikte brechen auf“, berichtet Messner. Alkohol und die Enge familiärer Zusammenkünfte spielten dabei häufig eine Rolle. Die Polizei werde dann gerufen, um zu schlichten – teils auch bei Körperverletzungen innerhalb der Familie.

Über die Jahre habe sich der Polizeiberuf stark gewandelt, sagt Stephan Messner. Ausbildung und Auswahlverfahren seien anspruchsvoller geworden, jüngere Kolleginnen und Kollegen rückten nach. Dadurch werde die Altersstruktur zunehmend durchmischter. Trotz dieser Veränderung entstehe oft eine Art zweite Familie in den Dienstgruppen „Man trifft sich auch außerhalb des Dienstes, organisiert Weihnachtsfeiern oder wichtelt gemeinsam“, berichtet Messner. Der Zusammenhalt gehe damit weit über den Arbeitsalltag hinaus. Teamarbeit sei nicht nur für den Einsatz, sondern auch für die eigene Sicherheit essenziell.

Trotz aller Herausforderungen würde Messner den Beruf jederzeit wieder wählen. „Ich kann es jedem empfehlen.“ Die Vielseitigkeit, der Zusammenhalt im Team und die Möglichkeit, Menschen in schwierigen Situationen zu helfen, seien entscheidende Gründe. Gerade an Weihnachten werde deutlich, wie wichtig diese Arbeit ist – auch wenn sie oft im Hintergrund bleibt.

Während andere den Tannenbaum schmücken, sorgt die Polizei dafür, dass die Feiertage möglichst friedlich verlaufen – still, wachsam und jederzeit einsatzbereit.

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