Dekan Waap ruft zu Liebe und Verantwortung für andere auf

Foto: privat

Fulda (pm/gü) – In seiner diesjährigen Weihnachtspredigt in der Christuskirche an Heiligabend stellte Dekan Dr. Thorsten Waap die gängigen Lebensentwürfe unserer Zeit infrage. Weihnachten lade dazu ein, den Sinn des Lebens nicht in Macht, Erfolg oder Egoismus, sondern in Liebe und Verantwortung füreinander zu suchen.

Anhand der Erfahrungen junger Eltern machte Waap deutlich, wie sehr ein Kind den Blick auf das Wesentliche verändere. Wer ein Baby im Arm halte, denke nicht mehr in Kategorien von Leistung, Selbstoptimierung oder Erfolg. „So ein Kind macht klar, worum es im Leben wirklich geht“, so Waap. Andere Dinge verlören in diesem Moment ihre Bedeutung. Das Leben müsse seinen Sinn nicht erst beweisen oder verdienen – es sei bereits wertvoll. Diese Erfahrung verband Waap mit der Weihnachtsbotschaft. Mit dem Kind in der Krippe rücke das Kleine, Schwache und Unscheinbare in den Mittelpunkt. Jesus habe Menschen zur Liebe und zur Verantwortung füreinander aufgerufen – eine Haltung, die nichts mit Schwäche zu tun habe, sondern Mut erfordere.

In seiner Predigt erzählte der Dekan eine bewegende Geschichte aus Kanada, die verdeutlicht, worum es an Weihnachten geht: um die Macht der Liebe, die von einem Kind ausgeht und Menschenherzen verändert. Im Mittelpunkt stand der siebenjährige Evan Leversage aus Ontario, der seit frühester Kindheit an Krebs erkrankt war und nur noch wenige Wochen zu leben hatte. Da klar war, dass Evan das Weihnachtsfest nicht mehr erleben würde, entschied seine Heimatgemeinde, das Weihnachtsfest vorzuziehen – und feierte es bereits am 24. Oktober. Mehr als 7000 Menschen, unterstützt von Polizei, Feuerwehr und zahlreichen Helfern, organisierten einen festlichen Weihnachtsumzug ausschließlich für Evan. „Evan saß auf dem Schlittenwagen bei Santa Claus, begleitet vom Jubel und der Anteilnahme einer ganzen Gemeinde“, berichtete Waap. Diese Geste habe, so die Predigt, weit über den Ort hinausgewirkt.

Weihnachten sei daher eine Einladung, den eigenen Blick neu auszurichten: weg von Ohnmacht, Dauerempörung und bloßer Beobachtung, hin zu konkreter Nächstenliebe im eigenen Umfeld. „Rege dich nicht so über die Welt auf, ob im Fernsehen oder auf Social Media, sondern suche danach, was du hier in deinem direkten Einflussbereich tun kannst, wem Du helfen kannst“, so Waap. Gott habe den Menschen mit bedingungsloser Liebe angesprochen – und rufe sie dazu auf, diese Liebe mit Worten und Taten weiterzugeben. Die biblische Weihnachtsbotschaft könne dadurch auch heute ein Maßstab für ein gelingendes Leben sein.

Der Dekan, der auch Liedermacher ist, griff zur Gitarre und trug das von ihm komponierte Lied „Gloria – menschlicher Gott“ vor. Das Lied beschreibt, wie der Schöpfer seine Allmacht ablegt, in Armut geboren wird und unsere Herzen sucht. Es betont, dass die Macht dieses Kindes keine Angst erzeugt, sondern Liebe entfaltet, Vertrauen schafft und Menschen in ihrer inneren Haltung verwandelt. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst außerdem vom Saxophonquartett „Sax & more“. Für die Liturgie sorgte Vikar Johannes Trepte.

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