Für Dominik Höhl beginnt nach dem Ende des Landesfestes nun die Zeit des Verarbeitens. „In der Organisation sind wir gerade dabei, die vielen Eindrücke ein bisschen zu sortieren. Ich schaue mir rückblickend noch zahlreiche Pressemitteilungen an und merke dabei, wie vieles ich selbst gar nicht mitbekommen habe“, blickt Höhl mit etwas Wehmut zurück. Bei der Fülle des Programms überrascht das kaum. Mehr als 1.200 Veranstaltungen fanden während der zehn Festtage statt. Große Konzerte auf dem Domplatz, kulturelle Angebote, Ausstellungen, Vereinspräsentationen und unzählige Begegnungen sorgten dafür, dass die Stadt praktisch rund um die Uhr in Bewegung war.
Was Höhl rückblickend am meisten bewegt, sind jedoch nicht die Besucherzahlen oder die organisatorischen Herausforderungen. Es sind die Reaktionen der Menschen. „Das schönste Gefühl ist, dass wir die Menschen vom Hessentag und von Fulda begeistern konnten“, erzählt der Hessentagsbeauftragte: „Wir haben unglaublich viel Dankbarkeit erfahren und nur sehr wenige Beschwerden erhalten. Das zeigt uns, dass wir etwas Gutes gemacht haben.“ Gleichzeitig macht der Höhl deutlich, dass ein solches Großereignis niemals das Werk einzelner Personen sein könne. „Das hat nur funktioniert, weil so viele Partner, Institutionen, Vereine, Einsatzkräfte und Ehrenamtliche mitgezogen haben.“ Zwei Jahre lang liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Während der Festtage selbst war der Arbeitsalltag eng getaktet. Der Tag begann für Höhl meist gegen 8.30 Uhr mit den täglichen Lagebesprechungen. Danach folgten Abstimmungen, kurzfristige organisatorische Entscheidungen, Pressetermine und Veranstaltungsbesuche. Feierabend gab es selten vor Mitternacht. „Meist war ich gegen zwölf oder halb eins zuhause. Das war positiver Stress, aber natürlich auch sehr intensiv“, blickt er zurück.
Trotz des vollen Terminkalenders nahm sich Höhl bewusst Zeit, den Hessentag auch aus Sicht der Besucher zu erleben. Jeden Tag reservierte er sich ein kleines Zeitfenster, legte seinen Ausweis ab und mischte sich unter die Gäste. „Ich wollte durch die Besucherbrille schauen“, erzählt der Hessentagsbeauftragte. „Ich bin mit dem Shuttlebus gefahren, habe mir verschiedene Veranstaltungen angesehen und mit den Ausstellern gesprochen. Dabei ging es auch darum zu erfahren, wie die Lage vor Ort ist und ob noch irgendwo Unterstützung benötigt wird.“
Natürlich besuchte er auch die großen Konzerte auf dem Domplatz. Roland Kaiser und Peter Maffay standen ebenso auf seinem Programm wie Sarah Connor. Gerade deren Auftritt wird ihm besonders in Erinnerung bleiben. „Bei Sarah Connor war ich mit meiner Familie unterwegs. Das war ein sehr schöner Moment.“ Doch nicht nur die großen Namen hinterließen Eindruck. Auch viele kleinere Veranstaltungen und Bühnenprogramme begeisterten den Hessentagsbeauftragten. Ein einzelnes Highlight herauszugreifen, fällt ihm deshalb schwer. „Das wäre den vielen Beteiligten gegenüber auch nicht fair“, sagt er. Besonders angetan war er vom Treffpunkt Hessen, den Angeboten in den Fuldaauen und von der Straße der Wirtschaft. „Das war sensationell. Überall hat man gesehen, wie viel Mühe sich die Menschen gegeben haben. Es steckte unglaublich viel Liebe zum Detail in den einzelnen Projekten.“
Was den Hessentag letztlich ausgemacht habe, sei das Zusammenspiel aller Beteiligten gewesen. Die vielen Bausteine hätten sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammengefügt. „Die Stimmung in der Stadt hat mich am meisten beeindruckt und auch stolz gemacht“, sagt Höhl. Ein Moment wird ihm dabei besonders in Erinnerung bleiben. Als Hessens Ministerpräsident Boris Rhein während Festzugs am letzten Veranstaltungstag sagte: „Deutschland braucht mehr Fulda“, sei ihm das sehr nahe gegangen. „Da hatte ich fast Tränen in den Augen“, erzählt Höhl offen.
Natürlich verlief auch ein Hessentag dieser Größenordnung nicht völlig ohne Probleme. Zu Beginn gab es Schwierigkeiten mit der Internetseite, die zeitweise nicht erreichbar war. Auch das Shuttlebus-System benötigte etwas Anlaufzeit. „Das waren Dinge, die wir besprochen und angepasst haben“, erklärt Höhl. „Nichts Dramatisches, eher kleinere Stellschrauben.“ Insgesamt hätten die Konzepte und Systeme jedoch sehr gut funktioniert – ein wichtiger Faktor angesichts der enormen Besucherzahlen.
Von Erholung kann für die Organisatoren allerdings noch keine Rede sein. Zwar ist der Hessentag beendet, die Nachbereitung läuft jedoch weiter. Abbauarbeiten, Abrechnungen und zahlreiche Auswertungen beschäftigen das Team noch über Wochen. „Der Hessentag wird uns sicher noch ein Vierteljahr begleiten“, blickt Dominik Höhl voraus, nicht ohne etwas Wehmut: Nach zehn Tagen voller Begegnungen, Emotionen und besonderer Momente falle es nicht leicht, wieder in den Alltag zurückzukehren. „Man ist positiv geschlaucht“, beschreibt er die Stimmung: „Irgendwann merkt man, dass man müde wird. Das geht dem gesamten Team so. Nach zwei Jahren intensiver Vorbereitung brauchen jetzt alle auch einmal Zeit zum Durchschnaufen.“ Für ihn persönlich steht deshalb bald eine Auszeit mit der Familie an. Ende Juli möchte er sich im Urlaub erholen und neue Kraft tanken.
Still wird es in Fulda aber auch nach dem Hessentag nicht. Das Veranstaltungsjahr geht nahtlos weiter. Ende Juli steht bereits das 13. Fuldaer Genussfestival auf dem Programm. Mitte August folgt die Veranstaltungsreihe „Kultur.findet.Stadt“ im Museumshof, ehe Ende August und Anfang September das beliebte Weinfest Besucher in die Innenstadt lockt. Der 63. Hessentag in der Barockstadt ist Geschichte. Doch die Erinnerungen an zehn außergewöhnliche Tage bleiben. Tage, in denen Fulda Gastgeber für ganz Hessen war – und dabei viele Herzen erobert hat.
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