Rhein zeichnet Ehrenamtliche des Sozialverbandes VdK aus

Foto: © Peter Jülich / Hessische Staatskanzlei

Fulda (pm/pf) – Ministerpräsident Boris Rhein hat beim Landestreffen des Sozialverbandes VdK Hessen-Thüringen den Sozialstaat als große Errungenschaft bezeichnet: „Wer wissen will, wie stark ein Land wirklich ist, der sollte dorthin schauen, wo Menschen füreinander einstehen. Denn die Würde hängt nicht von Einkommen, Gesundheit, Alter, Herkunft oder Leistungsfähigkeit ab. Würde hat man, weil man Mensch ist. Das ist der Kern unseres Sozialstaats“, sagte er und fügte hinzu: „Die soziale Verantwortung gehört ins Zentrum unseres Zusammenlebens. Ein starkes Hessen braucht eine starke soziale Stimme.“

Gleichzeitig brauche es Reformen, damit der Sozialstaat auch in Zukunft funktioniere. Rhein sagte: „Wir brauchen faire Lösungen, die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen – alle müssen ihre Verantwortung tragen. Weitere Leistungseinschnitte für Leistungsträger, für die Arbeitnehmer und den Mittelstand in unserem Land, lehne ich ab.“

Der Regierungschef lobte das Engagement des Verbands und dankte den Mitgliedern des VdK. „Hessen und der VdK sind aus derselben historischen Erfahrung entstanden, aus Krieg, Verlust und Unsicherheit und aus dem gemeinsamen Willen, Menschen Halt und eine Perspektive zu geben“, sagte Rhein und fügte hinzu: „Das demokratische Hessen wurde zur lebenswerten Heimat für Millionen Menschen. Und der VdK wurde zur starken Stimme derjenigen, die Unterstützung brauchten.“

Für ihr ehrenamtliches Engagement zeichnete Ministerpräsident Boris Rhein zehn Mitglieder des VdK mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen aus. „Seit Jahren und Jahrzehnten bringen die Geehrten Zeit, Kraft und Herzblut ein. Sie zeigen, was den VdK seit 80 Jahren auszeichnet. Ich möchte diesen Menschen meine große Anerkennung zum Ausdruck bringen für ihr unermüdliches, vielfältiges und spürbares Engagement.“

Ausgezeichnet wurden:

Gerlinde Albath, seit gut zwanzig Jahren für den Verband engagiert, aktuell unter anderem Vorsitzende des VdK-Ortsverbandes Reddighausen, Bezirksbeauftragte für Barrierefreiheit sowie Wohn- und Fachberaterin im VdK-Bezirksverband Marburg,

Ilona Born, seit fast 30 Jahren für den VdK engagiert, aktuell Kassenführerin des VdK-Kreisverbandes Groß-Gerau sowie des Ortsverbandes Mörfelden,

Waltraud Ertl, seit mehr als zwanzig Jahren für den VdK aktiv, aktuell unter anderem als Frauenvertreterin im VdK-Kreisverband Lauterbach,

Ernst Feuersenger, seit zwanzig Jahren für den VdK aktiv, aktuell unter anderem als Vorsitzender des VdK-Ortsverbands Gudensberg/Niedenstein und des VdK-Ortsverbands Oberschütz sowie Kassenführer im VdK-Kreisverband Fritzlar-Homberg,

Klaus-Dieter Günther, seit fast 30 Jahren in unterschiedlichen Positionen für den VdK aktiv, aktuell als Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Mühlheim, Kreisjuniorenvertreter beim VdK-Kreisverband Offenbach-Land und Seminarleiter beim Bezirksverband Darmstadt,

Bernd Laun, seit gut zwanzig Jahren für den Verband aktiv, aktuell als Beisitzer im VdK-Kreisverband Groß-Gerau sowie VdK-Fachberater für Barrierefreiheit und Wohnraum für den VdK-Bundesverband Darmstadt,

Brigitte Mitropoulos, seit mehr als zwanzig Jahren für den VdK aktiv, aktuell als Vorsitzende des VdK-Ortsvereins Wabern und unter anderem ehrenamtliche Sozialberaterin sowie im Schlichtungsausschuss des VdK-Kreisverbandes Fritzlar-Homberg,

Patrick Philipp Nau, seit mehr als fünfzehn Jahren in zahlreichen Positionen für den Verband tätig, aktuell als Vorsitzender und Sozialberater des VdK-Kreisverbandes Groß-Gerau, stellvertretender Landesvorsitzender des VdK Hessen-Thüringen und kommissarischer Bezirksvorsitzender des VdK-Bezirksverbandes Darmstadt sowie ehrenamtlicher Richter beim Sozialgericht Darmstadt,

Reinhard Raschdorf, engagiert sich schon seit fast sechzig Jahren ehrenamtlich, unter anderem bei der Freiwilligen Feuerwehr, dem THW und dem Kulturverein. Für den VdK engagiert er sich seit fast zwanzig Jahren, aktuell als Beisitzer und Juniorenbetreuer im VdK-Ortsverband Dipperz sowie in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des VdK-Kreisvorstandes Fulda,

Klaus Weitzel, seit gut vierzig Jahren ehrenamtlich unter anderem in Politik, Kultur und Schützenverein aktiv, seit fast zwanzig Jahren für den VdK engagiert, aktuell als Beisitzer und Kassierer im VdK-Ortsverband Schwarz sowie Kassierer im Kreisverband Alsfeld.

 

 

Landesvorsitzender Weimann fordert: „Barrierefreiheit muss Standard im hessischen Baurecht werden!“

Mehr als 1000 VdK-Mitglieder aus vielen hessischen Landesteilen waren der Einladung zum traditionellen VdK-Landestreffen auf dem Hessentag in Fulda gefolgt. In seiner Ansprache hob der Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK Hessen-Thüringen, Paul Weimann, die Bedeutung der Kommunen für die Schaffung und Aufrechterhaltung der sozialen Infrastruktur hervor: „Wer über den Sozialstaat nachdenkt, sollte vor allem die Kommunen in den Blick nehmen. Hier leben die Menschen, hier werden Gesetze und Reformen konkret umgesetzt“, sagte Weimann. Vor allem Pflege müsse zur Pflichtaufgabe in der kommunalen Daseinsvorsorge werden.

86 Prozent der rund 423.000 Pflegebedürftigen in Hessen werden in den eigenen vier Wänden gepflegt: „Wenn wir nicht schnellstens mehr barrierefreien Wohnraum schaffen und eine bessere Unterstützung der pflegenden Angehörigen gewährleisten, wird das System kollabieren“, warnte Weimann. Aus diesem Grund appellierte er an den anwesenden Ministerpräsidenten Boris Rhein, bei der anstehenden Novellierung der hessischen Bauordnung Barrierefreiheit als Standard im Landesbaurecht zu verankern und alles dafür zu tun, dass durch die geplante Pflegereform auf Bundesebene die Rechte von Betroffenen und ihren Angehörigen gestärkt und nicht geschwächt werden.

Auch VdK-Präsidentin Verena Bentele hob in ihrer Rede die Bedeutung der Kommunen hervor: Unter ihrem Dach sollten in Zukunft Beratung, Versorgung und Entlastung von Pflegebedürftigen und deren Familien zusammengeführt werden. Voraussetzung sei allerdings, dass die Finanzierung der kommunalen Pflegeausgaben durch Bund und Länder dauerhaft sichergestellt werde. Um die Pflegeversicherung langfristig stabil zu halten, schlägt der VdK unter anderem die Verschmelzung von privater und sozialer Pflegeversicherung zu einer Bürgerversicherung vor. „Da die Leistungen beider Versicherungen gleich sind, wäre das ohne allzu großen Aufwand machbar“, erklärte Bentele.

Generell müsse der Zugang zu Leistungen des Sozialstaats vereinfacht werden, forderte sie: „Reformen sind notwendig, aber sie sollten die Situation der Menschen verbessern und nicht verschlechtern.“ Weniger Bürokratie bedeute weniger Verwaltungsaufwand und -kosten. Stattdessen werde jetzt vorrangig über Kürzungen nachgedacht: „Pflegebedürftigkeit verschwindet nicht dadurch, dass die Betroffenen weniger Leistungen erhalten, sondern dadurch, dass man ihr frühzeitig mit Unterstützung begegnet“, stellte die VdK-Präsidentin klar.

 

 

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