„Es vergeht eigentlich kein Tag mehr ohne Hessentag“, sagt Vera Dudyka und lacht kurz, fast überrascht darüber, wie selbstverständlich dieser Ausnahmezustand geworden ist. Auf der Arbeit, beim Einkaufen, im Freundeskreis – überall taucht das Thema auf. „Das ist wie kurz vor Weihnachten. Überall läuft Werbung, überall ist es präsent.“
Auch Max Dudyka spürt längst, wie sichtbar die Rolle geworden ist. Menschen bleiben stehen, grüßen oder sprechen die beiden spontan an. „Man wird schon sehr oft erkannt – das ist schön, aber natürlich ständig präsent“, sagt er. Dabei liegt der Ursprung dieser Geschichte weit zurück. Vor rund sechs Jahren wurden die beiden als Hessentagspaar ausgewählt – damals mit Blick auf den Hessentag 2021, der aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste. „Das war schon ein harter Moment damals“, sagt Vera Dudyka rückblickend. Danach folgte eine lange Zeit des Wartens. Der Hessentag blieb immer Thema, wirkte gleichzeitig aber weit entfernt. „Das Erschreckende ist, dass das alles sechs Jahre her ist und so schnell vergangen ist – eine halbe Dekade.“
Erst die vielen kleineren Termine des vergangenen Jahres ließen die Rolle wieder greifbarer werden. Ein besonderer Moment war für beide der Besuch im Wiesbadener Landtag. „Da wurde es zum ersten Mal richtig greifbar“, sagt Vera Dudyka. „Da hat man gemerkt: Jetzt ist es wirklich so weit“, ergänzt ihr Ehemann. Im Nachhinein ein Termin, der nachwirkte, weil er aus der Idee Realität machte.
Seitdem verändere sich nicht nur ihr Alltag, sondern auch die Stadt selbst. Max Dudyka beschreibt Fulda wie einen Organismus, der langsam erwacht. „Ich war joggen und habe richtig gesehen, wie Fulda aufwacht“, erzählt er. Überall werde gebaut, vorbereitet, organisiert. „Das macht Vorfreude – und ist sehr geil.“ Gleichzeitig wachse die Anspannung. „Wenn ich dran denke, dass wir am ersten Tag 14 Termine haben, bekomme ich schon schwitzige Hände“, sagt Max Dudyka und lacht: „Ich habe richtig Hummeln im Hintern.“
Auch zuhause läuft inzwischen vieles nach Hessentagsrhythmus. In der Wohnung stehen zwei eigene Kleiderschränke nur für Hessentags-Outfits – inklusive kleinem Notfallset mit Blasenpflastern und Ersatzteilen. „Die Idee mit den extra Kleiderschränken hatte Max“, sagt Vera Dudyka. „Das ist Gold wert. Da ist alles drin, auch ein kleines Survival-Kit, damit man alles schnell findet.“ Die Organisation sei inzwischen fast ein eigener Lebensbereich geworden. Beide arbeiten weiter – sie in Teilzeit, er in Vollzeit – dazu kommt Tochter Flora, die inzwischen ganz selbstverständlich mit dem Hessentag aufwächst. „Viele vergessen, dass ein Kind auch ein Vollzeitjob ist“, sagt Max Dudyka offen. Ohne Familie, Freunde und verständnisvolle Arbeitgeber wäre vieles nicht möglich. „Die nehmen uns echt viel Arbeit ab“, sagt er: „Ohne dieses Team würde das nicht gehen.“ Für Tochter Flora gehört der Hessentag inzwischen längst zum Alltag. Sie erkennt Plakate, spricht vom Hessentag und erlebt die Vorbereitungen mit. „Für sie ist das alles völlig normal“, sagt Vera Dudyka. „Ich glaube, nach dem Hessentag wird sie fragen, warum es vorbei ist.“
Trotz aller Planung bleibt die Zeit intensiv. „Man wird wirklich zur Logistikwaffe“, sagt Vera Dudyka und lacht. Termine, Auftritte, Arbeit und Familie müssten ständig neu koordiniert werden. Gleichzeitig wachse mit jedem Tag die Vorfreude. „Wenn ich daran denke, dass es bald schon rum ist, denke ich auch: Wie schnell geht die Zeit eigentlich?“, sagt Max Dudyka. Besonders in Erinnerung bleiben für beide die Begegnungen mit Menschen. „Das sind oft die kleinen Begegnungen“, sagt Vera Dudyka. Menschen, die sich ehrlich mit ihnen freuen oder einfach Danke sagen. „Egal wem wir die Hände geschüttelt haben – es war immer richtig gut“, ergänzt Max Dudyka. Auch einzelne Momente stechen heraus. Für Max Dudyka gehört der Auftritt im Landtag dazu. „Das war für mich persönlich super aufregend“, sagt er: „Das sind Begegnungen, die ich nicht vergessen werde.“
Und auch bestimmte Orte in Fulda bekommen in diesen Wochen eine neue Bedeutung. Die Fulda-Auen, der Dom oder die Innenstadt seien vertraut – und wirkten plötzlich doch anders. „Die Auen sind Balsam“, sagt Vera Dudyka. „Und der Dom gehört einfach dazu“, ergänzt ihr Mann. Je näher der Start rückt, desto emotionaler wird die Vorstellung vom eigentlichen Beginn des Landesfestes. Vera Dudyka wird kurz still, wenn sie an die Eröffnung denkt. „Ich glaube, das wird emotionaler, als man es vorher greifen kann“, sagt sie: „Das wird man wahrscheinlich erst danach richtig verstehen.“
Während sich Fulda auf das große Fest vorbereitet, wird für beide immer klarer: Die jahrelange Wartezeit endet jetzt. Aus Planung wird Realität. Oder wie Max Dudyka es zusammenfasst: „Einmal Hessentagspaar, immer Hessentagspaar.“
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