Auf der Bühne stand zunächst die Historie des Bundeslandes im Fokus. „Zu seinem 80. Geburtstag blickt Hessen auf zahlreiche Leistungen und Errungenschaften. Es ist wichtig, sich die Besonderheiten und Stärken unseres Landes immer wieder bewusst zu machen, um deren Wert neu zu erkennen und zu schätzen“, betonte die Parlamentspräsidentin.
Sie verwies dabei insbesondere auf die parlamentarische Demokratie, welche seit acht Jahrzehnten die Grundlage für ein Leben in Freiheit, Frieden und Wohlstand bilde und keineswegs eine Selbstverständlichkeit sei. Der Blick zurück erfülle dabei keinen Selbstzweck, sondern biete eine wesentliche Orientierung für die zukünftige Entwicklung des Landes. Das Landesjubiläum verbinde Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Meilensteine der hessischen Demokratiegeschichte
In der Historie des Bundeslandes gab es gleich mehrere historisch bedeutsame Impulse. So ist etwa der Gleichstellungsartikel im Grundgesetz dem Engagement der großen hessischen Politikerin Elisabeth Selbert zu verdanken. Sie gehörte 1949 als eine von vier „Müttern des Grundgesetzes“ zu den Mitgestalterinnen der bundesdeutschen Verfassung. Auch das überparteiliche Büro für Staatsbürgerliche Frauenarbeit (BüroF) leistet in Hessen bereits seit den 1950er-Jahren erfolgreiche Frauenförderung.
Zudem sorgten wechselnde Mehrheitsverhältnisse im Land immer wieder bundesweit für Aufmerksamkeit, indem sie neue Regierungskonstellationen wie Rot-Grün oder Schwarz-Grün hervorbrachten. Eine zentrale und wegweisende Rolle spielte dabei Georg-August Zinn, der das junge Bundesland von 1950 bis 1969 als Ministerpräsident lenkte. Seine „Hessenpläne“ brachten wichtige Reformprojekte auf den Weg, die Hessen wirtschaftlich an die bundesdeutsche Spitze verhalfen. Zinns damaliger Leitsatz „Hesse ist, wer Hesse sein möchte“ prägte die weltoffene Haltung und das Miteinander nach dem Zweiten Weltkrieg nachhaltig.
Wallmann unterstrich die Bedeutung dieses Ausspruchs für die Gegenwart: „Das Hessen des Jahres 2026 ist ein offenes und internationales Land im Herzen Europas. Der Hessentag zeigt die Vielfalt unseres Landes und wirkt auch heute noch integrierend.“ Feste dieser Art stärkten das Gemeinschaftsgefühl. In einer Zeit, in der sich immer mehr ins Digitale verlagere und reale Orte der Begegnung seltener würden, sei dies umso wichtiger für das gesellschaftliche Miteinander.
Wünsche für die Zukunft und Appell an die Bürger
Zum Abschluss richtete hr-Moderator Diel die Frage an die Landtagspräsidentin, welche Wünsche sie für die Zukunft der Landespolitik und der Gesellschaft hege. Bezüglich der politischen Kultur mahnte Wallmann an, dass sich in den letzten Jahren einige Maßstäbe verschoben hätten: „Lassen Sie uns alle gerne in der Sache streiten, aber dabei den Anstand, das Benehmen und die Werte miteinander teilen.“
An die Bevölkerung richtete die Parlamentspräsidentin den herzlichen Appell, die angebotenen Dialogmöglichkeiten aktiv zu nutzen: „Ich würde mir sehr wünschen, dass die Bürgerinnen und Bürger hier auf dem Hessentag, aber auch darüber hinaus das Gesprächsangebot und die Kontaktmöglichkeiten mit dem Hessischen Landtag und den Fraktionen wahrnehmen.“ Dies sei von zentraler Bedeutung, da das Sprechen übereinander anstelle des Gesprächs miteinander in der jüngeren Vergangenheit leider überhandgenommen habe.
