Lokales FD 04.09.2026

Weinfenster in Fulda: Matz holt ein Stück „Dolce Vita“ in die Karlstraße

Fulda – Von Silas Messing – Ein Glas Wein, ein Aperitif und zehn Minuten Zeit – mehr braucht es laut David Matz manchmal nicht, um sich eine kleine Auszeit vom Alltag zu gönnen. Genau das möchte der Gastronom mit seinem neuen Weinfenster in der Karlstraße ermöglichen. Noch vor der offiziellen Eröffnung seines Lokals „Davino“ können Gäste dort künftig Getränke direkt durch eine kleine Luke bestellen.

David Matz. Foto: Silas Messing

Die Idee kommt aus Italien. Matz, der selbst halb Sizilianer ist, kennt das Konzept aus seiner Heimat. Besonders in Florenz gibt es die sogenannten Weinfenster, die ursprünglich aus einer ganz anderen Zeit stammen. Während der Pest wurden sie genutzt, um Lebensmittel und Getränke zu verkaufen, ohne direkten Kontakt zwischen Verkäufer und Kunde zu haben.

Auch in süditalienischen Klöstern gab es ähnliche Fenster. Dort verkauften Nonnen und Mönche unter anderem Süßigkeiten nach draußen. Während der Corona-Pandemie erlebte das Konzept schließlich eine neue Renaissance. Weinhandlungen und andere Geschäfte nutzten die kleinen Fenster für den Verkauf nach draußen.

Für Matz ist das Weinfenster aber mehr als nur eine praktische Verkaufsmöglichkeit. Er möchte damit ein Stück italienische Lebensart nach Fulda bringen. „La Dolce Vita“, das süße Leben, oder „La Dolce Far Niente“, das süße Nichtstun – genau darum gehe es ihm. „Jeder hat ja wirklich mal so zehn, 15 Minuten Zeit nach dem Arbeiten, vor dem Arbeiten, zwischendurch, wenn man einkaufen geht oder nach einem Arztbesuch“, sagt Matz. Diese Zeit solle man sich wieder bewusst nehmen.

Seiner Meinung nach sei genau das nach der Corona-Zeit ein Stück weit verloren gegangen. Die Menschen seien zielgerichteter geworden und würden sich seltener einfach irgendwo hinsetzen, etwas trinken und das Leben genießen. „Man ist jetzt nicht mehr so, dass man sagt, ach komm, wir setzen uns einfach mal hin, trinken mal was“, sagt Matz.

Das Weinfenster soll deshalb eine unkomplizierte Möglichkeit bieten, genau das wieder zu tun. Vor dem Besuch des Weinfests könne man beispielsweise am Weinfenster einen Wein oder Aperitif holen und damit durch Fulda schlendern. Wer bleiben möchte, kann sich auch für einige Minuten vor dem Fenster aufhalten und das Treiben in der Karlstraße beobachten.

„Man kann es ja auch hier machen, man muss es nur machen“, sagt Matz. Dabei müsse es nicht einmal Alkohol sein. Auch alkoholfreie Getränke gehören zum Angebot. Es gehe vielmehr darum, kurz stehenzubleiben, einen Smalltalk zu führen, Menschen zu beobachten oder einfach die Häuser und die Umgebung auf sich wirken zu lassen.

In Italien sei diese Form des Zusammenseins nach wie vor fest verankert. „In Italien ist das Kommunikative Numero eins“, sagt Matz. Wer dort jemanden treffe, werde schnell auf einen Kaffee, ein Glas Wein oder einen Aperol eingeladen. „Das Leben, das Genießen, den Aperitivo – das ist nach wie vor in Italien da.“

In Fulda soll das Weinfenster zunächst ein Experiment sein. Geöffnet ist es am Freitag ab 16 Uhr, am Samstag ab 12 Uhr. Ob es künftig regelmäßig genutzt wird, soll sich zeigen. Angedacht sind zunächst Freitagabende oder Samstage. „Das werden wir jetzt sehen, wie es ankommt“, sagt Matz.

Und was passiert, wenn die Idee nicht angenommen wird? Matz nimmt es mit Humor. Dann könne das Fenster irgendwann einfach zu einer Tür umfunktioniert werden. Oder, sollte Corona doch noch einmal zurückkehren, könne es zumindest zum Lüften genutzt werden.

Für Matz steht jedoch zunächst eine andere Idee im Mittelpunkt: „Man findet immer einen Grund, um sich mal etwas Zeit für sich zu nehmen.“ Und manchmal reicht dafür eben auch ein kleines Fenster, ein Glas Wein und eine Viertelstunde Zeit.

Weinfenster in der Karlstraße. Fotos: Silas Messing.