Sie sind bis heute die größte Macht und die am längsten bestehende moderne Demokratie der Welt: die Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Die in der Wissenschaft als herausragend geltenden US-Präsidenten wie George Washington, Abraham Lincoln oder Franklin D. Roosevelt stehen beispielhaft für diese einzigartige Entwicklungsgeschichte. Wichtigster Gedanke, den die Teilnehmer mit nach Hause nehmen konnten: Trotz des schwieriger gewordenen deutsch-amerikanischen Verhältnisses, herrschte Einigkeit darüber, dass die Freundschaft und enge Verbundenheit zu Amerika erhalten bleiben sollen. Das wurde sowohl in den Beiträgen Jägers als auch Halls deutlich. Hall, der früher Offizier des in Fulda stationierten „Blackhorse“-Regiments war und in Deutschland lebt, legte seinen Zuhörern besonders ans Herz, die „Verbindungen in die USA“ zu halten. Unabhängig von der gesellschaftspolitischen Lage „ist Amerika ein sehr interessantes Land.“ Selbst wenn manches inzwischen nicht mehr so sei wie noch vor wenigen Jahren, sei der Aufenthalt „von Touristen, Schulkindern, Studierenden, Reisenden generell sehr wichtig, damit der Austausch weitergeht.“ Ohnehin ist der gebürtige Texaner zuversichtlich, dass sich die transatlantischen Beziehungen wieder stabilisieren werden. Mag die amerikanische Gesellschaft heute gespalten erscheinen, sagte Winfried Jäger zur Haltung ehemaliger Regimentsangehöriger: „Für diejenigen, die in einer Einheit des Fuldaer Blackhorse-Regiments gedient haben“ zählten zuallererst Kameradschaft und Freundschaft. Nicht die Politik – was auch Hall bestätigte.
Von Utopie zur Wirklichkeit
Vor 250 Jahren hatten es die 13 Gründerstaaten der heutigen USA der alten Welt vorgemacht, wie aus einer Utopie Wirklichkeit werden kann. Unter dem Oberbefehl von George Washington erkämpfte die am 14. Juni 1775 gegründete so genannte Kontinentalarmee, in der die oft schlecht koordinierten Bürgerwehren (Milizen) der Kolonien zu einer schlagkräftigen, professionellen Armee zusammengefasst worden waren, die Unabhängigkeit ihrer Heimat. Das in der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 als unabänderlich verankerte Recht auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück erwies sich als bahnbrechend. Ebenso wie das von den so genannten „Patriots“ (Kämpfer für die Unabhängigkeit von der englischen Krone) geforderte Recht auf Selbstverwaltung. Danach sollte jedes Volk das Recht erhalten, sich selbst zu regieren, eigene Gesetze zu erlassen und die Wirtschaft sich frei entfalten zu lassen. Letztlich führte der amerikanische Freiheitskampf gegen das englische Mutterland nicht nur zur Unabhängigkeit, sondern auch zum Aufkeimen vergleichbarer Strömungen auf dem europäischen Kontinent, die in der französischen Revolution von 1789 und dem Sturz der Monarchie ihren Ausdruck fanden. Allerdings sollte es noch bis zum 15. Dezember 1791 dauern, bis die in den „Bill of Rights“ garantierten Bürgerrechte wie Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit sowie der Schutz vor willkürlicher Verhaftung in Kraft traten. Die vollständige soziale Gleichstellung aller Menschen, etwa die Abschaffung der Sklaverei oder Rechte für Frauen, war zu diesem Zeitpunkt freilich noch kein Ziel der Revolution.
Fulda Gap
Für die Domstadt Fulda begann die deutsch-amerikanische Phase Ende März/Anfang April 1945, als die amerikanischen Truppen kamen. Damit endete der Zweite Weltkrieg in der Region. Als der so genannte „Kalte Krieg“ vorbei war, zogen nach Jägers Schilderung die US-Soldaten Ende 1993 ab. Der Abzug markierte den Abschluss der Ära als strategisch wichtiger Vorposten des Westens (Fulda Gap) gegenüber den Staaten des Warschauer Pakts und führte zum Abzug von circa 3000 Soldaten und ihren Angehörigen.
Geschichte erzählt
Das vom Kontakt Fulda (DAFKS) betriebene und von Winfried Jäger geleitete „Blackhorse Museum“ bewahrt die Geschichte und Freundschaft zu den Amerikanern, die während des „Kalten Krieges“ in der Region Fulda, Bad Hersfeld und Bad Kissingen stationiert waren. Beginnend, wie Museumsleiter Jäger erläuterte, mit der Constabulary (Militärpolizei) 1945 bis 1951, dem 14. Armored Cavalry Regiment (Panzeraufklärungsregiment) 1951 bis 1972 und dem 11. ACR Blackhorse 1972 bis 1993/94. Dokumentiert werde in den Museumsräumen nicht nur die militärische Mission „frontier of freedom“, sondern auch das alltägliche Leben der US-Truppen und Familien. Die Ausstellung präsentiert laut Jäger auf rund 200 Quadratmetern mit 2000 Exponaten eine „einzigartige Sammlung an Exponaten zur Geschichte der US-Armee.“ Gemeinsame Aktionen, militärische Übungen und die daraus entstandenen Freundschaften des Deutsch-Amerikanischen Freundschaftsvereins Kontakt Fulda (DAFKS) und den Reservisten der Bundeswehr werden ebenfalls in Bild- und Textbeiträgen gezeigt. Besonderes Highlight für Besucher: ein äußerst rares Video, dass das Selbstverständnis und die hoch professionelle militärische Einsatzbereitschaft der US-Soldaten mit fetzigem Rock präsentiert. Das Museum befindet sich am historischen Ort im Stadtteil Fulda Galerie, dem ehemaligen Sickels Army-Airfield.
Neues Angebot
Sektionsleiter Michael Schwab freute sich aus mehreren Gründen über die gut besuchte Veranstaltung. „Wir als GSP wollten an die nach 1945 und im ‚Kalten Krieg‘ für uns so überlebenswichtige US-Präsenz in Fulda erinnern und einen Beitrag zum guten Miteinander mit den Amerikanern leisten.“ Mit dem „neuen Format des Gesprächs mit Experten in Einrichtungen vor Ort “ könne die GSP nun ein „gutes ergänzendes Angebot“ zu den klassischen Vortragsrunden sowie den beliebten Jahres- und Tagesfahrten machen. Der Auftakt im „Blackhorse Museum“ sei gelungen und mache Mut, in „Abständen weiterhin auf sicherheitspolitische Rundtour durch die Region zu gehen – um Neues zu entdecken, aber auch Bekanntes wiederzuentdecken.“ Jäger und Hall dankte Schwab für einen „wertvollen Abend voller Eindrücke.“
