Auf Fotos und Plakaten stehen die jungen Menschen und ihre Geschichten im Mittelpunkt. Sie hatten Hobbys, Träume und Pläne – und wollten ihr Studium erfolgreich abschließen. Die 2023 von ukrainischen Studierenden ins Leben gerufene Initiative macht sichtbar, was hinter den Nachrichten über Krieg und Zerstörung steht: persönliche Schicksale und verlorene Zukunftsperspektiven. Die Ausstellung war bereits in zahlreichen Ländern zu sehen, darunter Australien, Frankreich und Japan.
Für Prof. Dr. Karim Khakzar, Präsident der Hochschule Fulda, ist die Schau auch aufgrund der persönlichen Verbindungen zu ukrainischen Hochschulen von besonderer Bedeutung. Über die europäische Hochschulallianz E³UDRES² steht die Hochschule mit Partnern in der Ukraine in Kontakt. Immer wieder erreichten ihn Bilder von den Folgen russischer Angriffe – zuletzt erneut von der Sumy State University. „Das sind Bilder, die einen unfassbar machen“, sagte Khakzar bei der Eröffnung.
Der Hochschulpräsident warnte davor, sich an die Bilder von Zerstörung und Leid zu gewöhnen. „Damit das, was dort passiert, nicht irgendwo zur Gewohnheit wird und damit letztendlich auch in Vergessenheit gerät, ist es wichtig, dass wir immer mal wieder dran erinnern, in welchen Situationen sich unsere Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Studierenden, dort befinden.“ Gerade die Schicksale einzelner Menschen machten deutlich, was der Krieg für die Betroffenen bedeutet.
„Wenn man dann sieht, wie tragisch so etwas enden kann, anhand der Beispiele in der Ausstellung, dann ist es schon sehr schockierend“, sagte Khakzar. Viele der jungen Menschen hätten ihr Studium mit Enthusiasmus und Optimismus begonnen. Doch irgendwann sei der Punkt gekommen, „wo das mit einem Schnitt alles Vergangenheit ist und wo dann ein solches Leben einfach endet, ohne dass jemals ein Studium erfolgreich zu Ende gebracht wurde“.
„Es ist keine Selbstverständlichkeit, studieren zu können“
Auch Julia-Sophie Rothmann, Leiterin des International Office der Hochschule Fulda, betonte die Bedeutung der persönlichen Begegnungen mit ukrainischen Studierenden und Hochschulangehörigen. Seit Beginn des Krieges habe das International Office unmittelbar und mittelbar miterlebt, welche Auswirkungen der Angriff auf die Menschen habe. „Das hat noch mal eine ganz andere Dimension, wenn man persönlich betroffen ist“, sagte sie mit Blick auf die Kontakte und Gespräche.
Die Hochschule Fulda hat inzwischen bilaterale Kooperationen mit ukrainischen Partnerhochschulen aufgebaut. Über Erasmus-Stipendien konnten Studierende unterstützt werden, die aus der Ukraine nach Deutschland gekommen waren oder ihr Studium hier fortsetzen wollten. Rothmann sprach von vier bis fünf Vollstipendien pro Semester sowie weiteren Fördermöglichkeiten, etwa für Kurzzeitprogramme und Summer Schools.
„Und das zu ermöglichen, dass man in Ruhe studieren kann, das ist schon sehr, sehr viel wert“, sagte Rothmann. „Und das wird einem erst bewusst, wenn man es nicht kann.“ Die ukrainischen Studierenden und Mitarbeitenden bereicherten zugleich die Hochschule Fulda. Besonders beeindrucke sie, wie viel die Partner trotz schwieriger Bedingungen leisteten. „Stichwort Resilienz, Stichwort wie komme ich in diesen Zeiten weiter, was kann ich machen, wie kreativ man werden kann, wenn man wenig Mittel hat.“
Wie sehr der Krieg auch das Leben von Studierenden in Deutschland prägt, machte eine ukrainische Studentin deutlich. Dariia Sudzylovska studiert Internationale Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Fulda. Ihre Eltern leben weiterhin in der ukrainischen Stadt Dnipro. Die Sorge um sie sei deshalb ein ständiger Begleiter. „Ich schaue oft auf mein Handy, in den Nachrichten und rufe meine Eltern an, um zu erfahren, was passiert ist und ob es meiner Familie gut geht“, berichtete sie.
Besonders zu Beginn sei es schwierig gewesen, die Familie zu vermissen und sich gleichzeitig an ein neues Leben in Deutschland zu gewöhnen. Ihre Botschaft: „Meiner Meinung nach sollte jede Frage und jede Herausforderung auf diplomatischem Weg gelöst werden und Krieg als Mittel zur Konfliktlösung sollte in Zukunft auf jeden Fall ausgeschlossen sein.“ Zum Schluss bedankte sie sich für die Unterstützung.
Ausstellung bis zum 17. Oktober zu sehen
Khakzar dankte den Organisatoren und der Bibliothek dafür, die Ausstellung in Fulda möglich gemacht zu haben. Die Hochschule habe ihre ukrainischen Partner unter anderem mit IT-Technik und einer Spendenaktion unterstützt. Auch wenn dies nur symbolische Beiträge seien, kämen sie bei den Menschen an. „Wir stehen an eurer Seite, wir haben euch nicht vergessen“, sagte der Hochschulpräsident.
Die Ausstellung „Unissued Diplomas – Unterbrochene Bildungswege in der Ukraine“ ist noch bis zum 17. Oktober in der Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek Fulda am Standort Campus, Leipziger Straße 123, zu sehen. Organisiert wird sie vom lokalen E³UDRES²-Team der Hochschule Fulda
