Mit einem Durchschnittsalter von 16,6 Jahren auf Platz sechs
Bereits die Qualifikation für das Bundesfinale war für die Startgemeinschaft ein besonderer Erfolg. Mit 12.166 Punkten hatte sich das Team für den nationalen Endkampf qualifiziert. Dass es dort sogar noch einmal zulegen konnte, war angesichts der Altersstruktur des Kaders alles andere als selbstverständlich.
Denn die Mannschaft war ausgesprochen jung besetzt. Lediglich zwei Athletinnen gehörten tatsächlich der Altersklasse U20 an. Der überwiegende Teil des Kaders bestand aus Sportlerinnen der U18, die für den Teamwettbewerb eine Altersklasse höher an den Start gingen. Das Durchschnittsalter der Mannschaft lag bei gerade einmal 16,6 Jahren.
Im direkten Duell mit der deutschen Konkurrenz bewiesen die Athletinnen Nervenstärke und Teamgeist. Mit jeder Disziplin sammelte die Mannschaft wichtige Punkte und konnte sich im Laufe des fast acht Stunden dauernden Wettkampfs schließlich auf Rang sechs verbessern. Zwei Mannschaften ließ die Startgemeinschaft hinter sich – und durfte sich damit über eine Platzierung freuen, mit der vor dem Finale wohl kaum jemand gerechnet hatte.
Das gesamte Spektrum der Leichtathletik gefragt
Der Teamwettbewerb verlangt den Athletinnen einiges ab. Insgesamt müssen zwölf verschiedene Disziplinen besetzt werden, die nahezu das gesamte Spektrum der Leichtathletik abdecken. Neben den 100 Metern und den 100 Meter Hürden gehören dazu die 400, 800 und 3000 Meter sowie die 4x100-Meter-Staffel. Auch im Weitsprung, Hochsprung und Stabhochsprung werden Punkte gesammelt. Komplettiert wird das Programm durch Kugelstoßen, Diskus- und Speerwurf.
Gefragt sind deshalb nicht nur Spezialistinnen, sondern möglichst vielseitig einsetzbare Sportlerinnen. Gerade für eine junge Mannschaft ist es eine große Herausforderung, die unterschiedlichen Disziplinen optimal zu besetzen und dabei gleichzeitig die individuellen Stärken der Athletinnen zu berücksichtigen.
Hinzu kommt die komplizierte Einsatzplanung. In der U20 dürfen pro Einzeldisziplin maximal drei Teilnehmerinnen gemeldet werden, von denen die beiden besten Ergebnisse in die Mannschaftswertung eingehen. Zusätzlich können zwei Staffeln gemeldet werden, wobei eine Staffel gewertet wird. Jede Athletin darf maximal in drei Einzeldisziplinen sowie einer Staffel eingesetzt werden.
Für die Verantwortlichen bedeutet das ein logistisches Puzzlespiel: Insgesamt müssen 40 Startplätze besetzt werden. Eine Besonderheit gibt es beim Stabhochsprung, bei dem maximal zwei Athletinnen pro Team antreten dürfen, von denen eine in die Wertung kommt. Überschneidungen im Wettkampfplan und mögliche kurzfristige Ausfälle machen die ohnehin anspruchsvolle Planung zusätzlich schwierig.
19 Athletinnen aus Hünfeld und Baunatal im Einsatz
Für den Hünfelder SV gingen insgesamt 17 Athletinnen an den Start. Amelie Witzel trat über 100 Meter Hürden an und startete außerdem im Hochsprung, Kugelstoßen und in der 4x100-Meter-Staffel. Edda Bischof übernahm die Wurfdisziplinen Kugel und Diskus, Ella Kayser trat über 3000 Meter sowie im Speerwurf an. Greta Lucia Ritz absolvierte die 400 und 3000 Meter.
Im Sprint und in der Staffel waren Hanna Knieper und Nika Marie Henkel im Einsatz. Hannah Sattler übernahm die 3000 Meter, Lea-Sophie Schulz startete über 100 Meter Hürden, im Hochsprung und in der 4x100-Meter-Staffel. Im Weitsprung sowie in der Staffel kamen Lilianna Zirpel und Lilli Roth zum Einsatz, wobei Roth zusätzlich im Speerwurf antrat.
Linda Schmitt bestritt die 400 und 800 Meter, Lotte Schwarz ging über 100 und 800 Meter sowie im Hochsprung und in der Staffel an den Start. Marie Weber war in allen drei Wurfdisziplinen Kugel, Diskus und Speer gefragt, Marielle Beckmann im Diskuswurf. Maya Habl übernahm die 400 Meter, Svea Witzel den Weitsprung und Thea Marquart die 800 Meter.
Vom GSV Baunatal ergänzten Ida-Marieke Fuhrmeister im Stabhochsprung und Lea Linnenkohl über 100 Meter Hürden sowie in der 4x100-Meter-Staffel das Team.
Betreut wurde die Mannschaft des Hünfelder SV von Hans-Otto Göbel, Rainer Hahn und Stefan Beckmann. Für den GSV Baunatal war Michael Birkelbach als Trainer dabei.
Erfolg einer regionalen Zusammenarbeit
Der sechste Platz auf nationaler Ebene ist für die Verantwortlichen nicht nur wegen der Platzierung ein Meilenstein. Die Leistung zeigt zugleich, welches Potenzial in einer vereinsübergreifenden und regionalen Zusammenarbeit steckt.
Ein Teil der Hünfelder Athletinnen war für dieses gemeinsame Ziel von den Stammvereinen TSV Hilders, TV Angersbach, TV Dipperz, TV Flieden, TV Jahn Neuhof und TV Petersberg zum Hünfelder SV gewechselt. Erst durch diese Bündelung der Kräfte konnte die Startgemeinschaft in dieser Form zusammengestellt werden.
Dass sich die junge Mannschaft dabei gegen die Konkurrenz etablierter deutscher Leichtathletikvereine behaupten konnte, macht den Erfolg umso bemerkenswerter. Die Startgemeinschaft musste sich gegen Vereine und Strukturen behaupten, die teilweise über deutlich bessere Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten verfügen.
„Die Athletinnen haben geliefert – jetzt muss die Infrastruktur folgen“
Gerade die Bedingungen vor Ort machen die Leistung aus Sicht der Verantwortlichen besonders bemerkenswert. So steht dem Team im heimischen Stadion nach eigenen Angaben nicht einmal ein eigener Diskusring zur Verfügung. Auch eine Infrastruktur, die ein leichtathletikspezifisches Training während der Wintermonate ermöglicht, fehle bislang.
Umso höher sei die nationale Spitzenleistung einzustufen. Gleichzeitig hoffen die Verantwortlichen auf Verbesserungen bei den Sportstätten. Die Athletinnen hätten mit ihrem sechsten Platz eindrucksvoll gezeigt, was trotz der derzeitigen Rahmenbedingungen möglich sei. Nun müsse auch die Infrastruktur nachziehen.
Der Erfolg sei schließlich nicht das Ergebnis einzelner Leistungen, sondern das Resultat eines gesamten Teams. Ein besonderer Dank gelte deshalb dem Trainerteam und den Physiotherapeuten, die mit großem Einsatz, Fachkompetenz und viel Herzblut zur Vorbereitung und Betreuung der Athletinnen beigetragen hätten. Ebenso wichtig sei die Unterstützung der Eltern gewesen, die den jungen Sportlerinnen den Weg zu diesem außergewöhnlichen Erfolg überhaupt erst ermöglicht habe.
Für die Startgemeinschaft Hünfeld-Baunatal-Friedrichstein steht damit nach der Premiere in Troisdorf nicht nur ein sechster Platz in der deutschen U20-Spitze zu Buche. Der Auftritt in Nordrhein-Westfalen hat zugleich gezeigt, dass in der Region eine Mannschaft mit viel Potenzial für die Zukunft heranwächst.
