Lokales FD 04.09.2026

Startschuss für Schulprojekt von antonius und Fuldaer Akteuren

Fulda (pm/st) – Für manche war es eine ganz neue Erfahrung: Bei antonius lernten sich am Mittwoch, 2. September 2026, rund 90 Jugendliche mit und ohne Behinderung kennen. Sie gaben den Startschuss für ein gemeinsames Medienprojekt, das die Bürgerstiftung zum 125. Jubiläum im kommenden Jahr auf die Beine stellt – zusammen mit Theaterpädagoge Shaggy Schwarz, Inklusionsexpertin Michelle Kedmenec und Fotograf Johannes Ruppel.

Foto: Roman Herget

„In meiner Familie gibt es Kinder mit Autismus oder starkem ADHS. Aber die meisten meiner Mitschüler haben sich noch nie mit Behinderung beschäftigt“, berichtet eine Zehntklässlerin, die am Projekt teilnimmt. Das sollte sich an diesem Tag ändern: 

Die Bürgerstiftung „antonius: gemeinsam Mensch“ hatte Jugendliche von sechs Schulen aus dem Landkreis Fulda zum Pilottag für ein gemeinsames Projekt eingeladen – darunter Förder- und Regelschulen, also Schülerinnen und Schüler mit und ohne Förderbedarf. Es gab Theaterübungen mit Shaggy Schwarz, eine Fragerunde mit Michelle Kedmenec und eine Entdeckungstour durch das antonius Quartier.

Auf den Kennenlerntag folgen gemeinsame Projektwochen, bei denen die Jugendlichen unterstützt durch die Medienprofis eigene Filme erstellen. Diese werden 2027 – im Jubiläumsjahr zum 125. Bestehen von antonius – öffentlich gezeigt und prämiert. 

Auftakt für mehr Miteinander

Im Mittelpunkt des Pilottages stand die erste Begegnung zwischen den Schülerinnen und Schülern aus den Klassen 8 bis 10. Improvisationstrainer Shaggy Schwarz leitete den Prozess mit einem Warm-Up und einer Hinführung zum Thema ein: „Ich mache schon lange Projekte mit antonius, weil mir die Themen Inklusion und Vielfalt am Herzen liegen. Die Projektwochen werden sicher intensiv, und für einige Jugendliche wird sich eine völlig neue Welt eröffnen. Ich hoffe, sie erkennen, dass jeder Mensch einzigartig ist – unabhängig von Behinderungen oder Beeinträchtigungen.“ Das genaue Thema und der Entstehungsprozess der Filme richte sich nach den Interessen der Jugendlichen und habe etwas „Improvisiertes wie beim Improtheater“, erklärt Shaggy Schwarz.

Projektverantwortliche Annette Licht von antonius erläutert den Hintergrund des Projektes: „Die Jugendlichen von heute sind die Gesellschaft von morgen. Doch wie wollen sie zusammenleben? Was verbindet sie mit ihren Mitmenschen, was zeichnet jede einzelne Person aus? Das ist das Oberthema unseres Schulprojektes. Wir wollen die Schülerinnen und Schüler einladen, über solche Fragen gemeinsam nachzudenken, ins Gespräch zu kommen und daraus etwas Kreatives zu entwickeln.“

Projekt richtet Blick auf Verbindendes

Das Konzept kommt bei den Lehrkräften gut an. Helena Grün, Lehrerin an der Lichtbergschule Eiterfeld und dort Koordinatorin für „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, sagt: „Wir kamen zufällig zum Projekt und sind ganz begeistert: Unsere Schülerinnen und Schüler kommen hier bei antonius mit den vielfältigsten Menschen zusammen – daraus wächst Verständnis füreinander und mögliche Berührungsängste werden abgebaut. Diese Normalisierung ist eine wertvolle, bereichernde Erfahrung für ihr ganzes Leben. Toll finde ich auch: Das Projekt richtet den Blick auf das, was die Menschen verbindet, und nicht auf das, was sie trennt. Deshalb hoffe ich, dass wir eine feste Zusammenarbeit mit antonius etablieren und noch mehr solcher Projekte zusammen machen können.“

Begegnung mit einer echten Mutmacherin

Ein besonders eindrucksvolles Element des Pilottages war die Begegnung der Schülerinnen und Schüler mit Michelle Kedmenec. Die Fuldaerin wurde durch eine Erkrankung mit 27 Jahren inkomplett querschnittgelähmt und lud die Jugendlichen ein, ihr Fragen zu ihrer Lebenssituation zu stellen. Ihr Resümee: „Das Leben ist nicht vorbei, wenn man eine Behinderung hat. Das hat viele Jugendliche überrascht. Ich würde sogar sagen: Ich bin heute glücklicher als früher, weil mich die Erkrankung so viel gelehrt hat. Zugleich erlebe ich Anfeindungen und errege immer Aufmerksamkeit – das ist manchmal schwieriger als die Behinderung selbst.“ Michelle Kedmenec arbeitet für die „Potenzial Pioniere“, ein Unternehmen aus Wiesbaden, das durch inklusive und emotionale Erlebnisse neue Perspektiven für Gesellschaft und Wirtschaft sichtbar macht. Dabei sollen vor allem die Barrieren in den Köpfen der Menschen fallen. 

Projektteilnehmerin Laty Schmidt, Zehntklässlerin an der Geschwister-Scholl-Schule aus Fulda, hat die Fragerunde mit Michelle Kedmenec persönlich berührt: „Michelle wirkt sehr selbstbewusst. Sie scheint nicht verzweifelt über ihre Erkrankung, sondern steht für sich ein und ist durch die Erfahrung stärker geworden. Das hat mich beeindruckt. Es war toll, dass sie so offen über ihre Behinderung gesprochen hat und wir sie alles fragen konnten.“

Beteiligt am Projekt sind die Geschwister-Scholl-Schule, Pestalozzischule, Rabanus-Maurus-Schule (Domgymnasium), Lichtbergschule Eiterfeld sowie die Arbeitsschule Startbahn und die Antonius von Padua Schule.