Boxen/Kickboxen 27.09.2026

„So kann ich nicht abtreten“: Eckerlin will noch einmal Kämpfen

Frankfurt - Von Silas Messing - Fast 60.000 Menschen, das Frankfurter Fußballstadion als riesige Kampfarena, die Lichter der Show und mittendrin Christian Eckerlin. Der „König von Deutschland“ wollte an diesem Abend nicht einfach nur kämpfen. Es sollte sein großer Abschied werden. Ein letzter Kampf, eine letzte Vorbereitung, noch einmal alles hineinwerfen – und dann Schluss. Doch es kam anders. David Kozma beendete den Kampf nach 4:58 Minuten der ersten Runde per Submission. Für Eckerlin war damit nicht nur der Abend vorbei, sondern auch ein geplanter Abschied geplatzt.

Fotos: Oktagon Deutschland.

Foto: Silas Messing.

Dabei hatte der Frankfurter zunächst genau das umsetzen können, was sein Trainerteam ihm mitgegeben hatte. Tief stehen, mit dem Jab arbeiten, zum Körper gehen. „Ich bin gut in den Kampf reingekommen, habe eigentlich so das umgesetzt, was das Trainerteam mir mitgegeben hat“, sagt Eckerlin. Dann kam der entscheidende Moment. Ein linker Haken, ein Fehler – und Kozma nutzte ihn. „Das ist auf diesem Level hart. Da wirst du halt bestraft“, sagt Eckerlin. Noch wenige Sekunden waren auf der Uhr, als er sich eigentlich vorgenommen hatte, die Runde zu Ende zu bringen und anschließend neu zu starten. Doch dazu kam es nicht.

Was danach folgte, war ein Abend voller widersprüchlicher Gefühle. Während im Stadion zehntausende Fans eine riesige MMA-Show erlebten, musste Eckerlin seine bislang größte Enttäuschung in Frankfurt verarbeiten. Schon vor dem Kampf hatte er sich auf einen Abschied mit Triumph eingestellt. „Ich wollte eigentlich einen Abschied haben, der mit viel Triumph verbunden war“, sagt er. Dann folgt der Satz, der zeigt, warum es für ihn damit noch nicht vorbei sein kann: „Ich kann so nicht abtreten, das ist unmöglich.“

Eckerlin bezeichnet sich selbst als Kämpfer – und genau deshalb fällt ihm dieser Abschied so schwer. „Ich bin mein Leben lang Kämpfer gewesen, oder ich bin Kämpfer mein Leben lang. Und das ist für mich ein Unding, so abzutreten.“ Dabei will er seinen Gegner keineswegs kleinreden. Kozma sei ein „super Kämpfer“ und der längste Champion im Weltergewicht gewesen, sagt Eckerlin. Dennoch glaubt er, den Kampf grundsätzlich hätte kontrollieren können. „Wir haben gedacht, vom Körperlichen, von der Physis her, dass er viel stärker ist. Für mich war das machbar, ich konnte das händeln.“

Am Ende bleibt für ihn vor allem ein Gedanke: Der Fehler lag bei ihm. „Das ist alleine meine Schuld heute, was da passiert ist mit der Niederlage“, sagt Eckerlin. „Einmal nicht aufgepasst und bestraft.“ Und trotzdem war Frankfurt für ihn weit mehr als diese eine Niederlage. Der Deutsche Bank Park, der für einen Abend zum MMA-Stadion wurde, die riesige Kulisse und die Show machten den Abend zu einem besonderen Erlebnis. Bereits 2024 hatte OKTAGON dort mit rund 60.000 Zuschauern einen Weltrekord für ein MMA-Event aufgestellt. Diesmal kehrte die Organisation erneut in das Stadion zurück.

Auch Eckerlin selbst hatte eine besondere Verbindung zu diesem Ort. Der Frankfurter wollte immer einmal im Stadion von Eintracht Frankfurt spielen. Nun stand er stattdessen als Kämpfer im Käfig vor zehntausenden Menschen. „Das ist geisteskrank. Ich wollte immer für die Eintracht spielen. Unvergesslicher Abend“, sagt er rückblickend. Dazu gab es auch abseits des Käfigs große Showmomente. Bei der Halbzeit-Show sorgte DJ und Produzent Robin Schulz für musikalische Unterhaltung vor der gewaltigen Kulisse.

Doch so unvergesslich der Abend auch war: Für Eckerlin blieb ein Makel. Er hatte sich seinen Abschied anders vorgestellt. „Ich schäme mich für mich selber“, sagte er unmittelbar nach dem Kampf. Und wenig später machte er deutlich, dass seine Geschichte im Käfig noch nicht zu Ende erzählt ist. „100 Prozent seht ihr mich wieder. Aber ich brauche eine Pause.“

Ein letzter Kampf soll es nun werden. Nicht noch einmal mehrere Jahre, nicht ein neuer Anlauf ohne Ende. Sondern genau das, was ursprünglich für Frankfurt geplant war: eine letzte große Vorbereitung, ein letzter großer Kampf – und danach soll endgültig Schluss sein. „Ein letzter Kampf. Dann ist Ende. 100 Prozent.“ Damit wird aus dem geplanten Abschied in Frankfurt ein Aufschub. Eckerlin wollte seine Karriere nach diesem Abend beenden. Die Niederlage hat ihm diesen Abschied genommen. Jetzt will er ihn sich zurückholen – mit noch einem letzten Kampf.