Der Saal war ausverkauft und gut gefüllt, die Stimmung von Beginn an angenehm und aufmerksam. Zahlreiche Besucher waren gekommen, um Bentow zuzuhören und mehr über die Geschichte hinter seinem neuen Thriller zu erfahren. Begrüßt wurde der Autor von Petersbergs Bürgermeisterin Claudia Brandes. „Herzlich willkommen in der schönsten Kommune Deutschlands“, sagte sie mit einem Augenzwinkern. Sie selbst gestand allerdings: „Ich muss gestehen, ich habe noch kein Buch gelesen.“ Umso mehr wünsche sie den Gästen einen unterhaltsamen Abend.
Anschließend stellte Sebastian Kircher, der in Petersberg für den Kulturbereich verantwortlich ist, den Berliner Schriftsteller vor und sprach mit ihm über seine Bücher und seine Arbeit. Dabei wurde schnell deutlich: Bentow schreibt nicht einfach jedes Jahr einen neuen Thriller herunter. 16 Bücher hat er in 15 Jahren veröffentlicht. Sein Arbeitstag ist dabei ziemlich genau strukturiert. „8 bis 15 Uhr sitze ich am Schreibtisch“, erzählte der Autor. Ein halbes Jahr widme er der Entwicklung des Plots, ein weiteres halbes Jahr dem eigentlichen Schreiben.
Dabei entstehen die ersten Ideen ganz klassisch mit Stift und Papier. „Die Hand weiß mehr als der Kopf“, erklärte Bentow seine Vorliebe für handschriftliche Notizen. Erst wenn aus den vielen Gedanken ein konkreter Plan geworden ist, geht es am Computer weiter.
In „Puppenherz“ wird Kommissar Nils Trojan gemeinsam mit seiner Kollegin Carlotta Weiss zu einem ungewöhnlichen Tatort gerufen. Eine Frau wurde brutal getötet, zurück bleibt eine makabre Spur: eine kleine Puppe, gefertigt aus einem menschlichen Knochen.
Von dort aus entwickelt sich eine Geschichte, in der ein zehn Jahre alter, ungeklärter Fall plötzlich wieder eine Rolle spielt. Weitere Morde folgen – und für Trojan und Weiss beginnt die Suche nach einem Zusammenhang.
Die Inspiration für die Geschichte fand Bentow dabei ausgerechnet in einer Kindheitserinnerung. Als Kind habe er gerne mit dem Puppenhaus seiner Schwester gespielt und sich dabei eigene kleine Geschichten ausgedacht. Gleichzeitig faszinierte ihn schon damals das Unheimliche, das Puppen ausstrahlen können. „Puppen sind ja eigentlich etwas Niedliches, aber sie haben auch etwas Totes“, erklärte der Autor im Gespräch.
Auch für seine früheren Thriller stammen die Ideen aus ganz unterschiedlichen Quellen. Beim ersten Trojan-Roman „Der Federmann“ habe ihn beispielsweise ein Gemälde des surrealistischen Künstlers Max Ernst inspiriert. Eine andere Geschichte entstand nach einer Erzählung über eine Ratte, die sich in einem Atelier versteckt hatte.
Bentow nahm die Besucher mit in die Geschichte und las Passagen aus seinem neuen Buch. Schon die ersten Zeilen führten in eine düstere Szenerie: ein verängstigter Junge, unheimliche Geräusche, eine dunkle Nacht – und schließlich ein Zimmer voller Blut. Im Propsteihaus wurde es während der Lesung immer wieder ruhig, während Bentow seine Geschichte vortrug. Die schaurigen Passagen sorgten dabei für eine gespannte Atmosphäre und gaben den Besuchern einen direkten Einblick in die düstere Welt von „Puppenherz“.
Dabei wurde auch deutlich, dass Bentow nicht allein auf brutale Morde setzt. Vielmehr interessiert ihn, was die Erlebnisse mit seinen Figuren machen und welche Spuren die Fälle bei ihnen hinterlassen. Das gilt vor allem für seinen Ermittler Nils Trojan. Der Kommissar leidet seit mehreren Bänden unter Panikattacken und den Folgen seiner Ermittlungen.
Bentow erklärte, dass Trojan für ihn eine Art Filter sei, durch den er die Geschehnisse betrachte. „Das soll jetzt nicht einfach nur Brutalität um der Brutalität willen sein“, sagte der Autor. Vielmehr wolle er zeigen, was solche Erlebnisse mit einem Menschen machen.
Für seine Recherchen steht Bentow zudem im Austausch mit zwei Polizisten der Berliner Kriminalpolizei. Von ihnen erfahre er immer wieder, wie der tatsächliche Alltag der Ermittler aussieht. Der sei allerdings deutlich weniger spektakulär als in seinen Büchern: viel Warten, Observieren, Schreibtischarbeit und die Hoffnung auf den entscheidenden Durchbruch.
Auch die Zukunft seines Kommissars war an diesem Abend ein Thema. Zwischenzeitlich habe Bentow darüber nachgedacht, Nils Trojan in den Ruhestand zu schicken. Daraus wurde allerdings nichts. Mit Carlotta Weiss habe er eine neue Figur eingeführt, die als Kriminalpsychologin eine andere Herangehensweise mitbringt. „Jetzt starte ich die neue Reihe mit den beiden“, erklärte Bentow. Trojan darf also weiter ermitteln.
Im Anschluss hatten die Gäste die Möglichkeit, mit dem Autor ins Gespräch zu kommen und sich Bücher signieren zu lassen. So konnten die Besucher den Abend nicht nur mit einem Einblick in „Puppenherz“, sondern auch mit einem persönlichen Austausch mit dem Bestseller-Autor aus Berlin ausklingen lassen.
