Pferdesport 22.09.2026

Romeis und Baier holen Bronze – PSG-Juniorenteam überzeugt - Fotos

Lamspringe/Molzbach (pm/jah) – Es waren gerade einmal zwei Tausendstel, die am Ende zwischen Silber und Bronze lagen. Doch als die erste Enttäuschung über den denkbar knappen Ausgang verflogen war, überwog bei der PSG Molzbach e.V. vor allem eines: die Freude über eine Medaille bei den Deutschen Jugendmeisterschaften. Ida Romeis und Aurelia Baier erturnten sich im Junior-Doppelvoltigieren in Lamspringe auf Caljano, vorgestellt von Tatjana Baier an der Longe, den dritten Platz und damit einen der größten Erfolge ihrer bisherigen Laufbahn.

Fotos: Verein

Dabei hatte es nach dem ersten Umlauf sogar nach Silber ausgesehen. Romeis und Baier lagen zunächst auf Rang zwei, ehe ihnen in der zweiten Kür zwei kleinere Fehler unterliefen. Weil dieser Durchgang stärker in die Gesamtwertung einfloss, zog das bayerische Duo Sarah Stühlein und Linette Mandelkow noch vorbei. Mit 7,567 Punkten gewannen die Bayerinnen Silber, Molzbach folgte mit 7,565 Punkten, ein Abstand von 0,002 Zählern. Gold ging mit 7,948 Punkten an die Vize-Europameisterinnen Pia Niemand und Ella Louise Eggert aus Hamburg.

Dass Romeis und Baier trotz des hauchdünn verpassten zweiten Platzes schnell wieder lachen konnten, hatte gute Gründe. Mit ihrer Gesamtwertung stellten sie eine persönliche Bestmarke auf und bestätigten ihre Position unter den besten deutschen Nachwuchsdoppeln. Schon beim Preis der Besten im Mai hatten die beiden den dritten Rang belegt. Das Ziel für Lamspringe war deshalb mit einer Medaille klar formuliert gewesen. Der Plan ging auf. Im Molzbacher Lager brachte man das Gefühl anschließend treffend auf den Punkt: „Wir haben nicht Silber verloren, sondern Bronze gewonnen.“

Für Romeis und Baier war die DJM zugleich ein kleiner Abschied. Zum letzten Mal präsentierten sie ihre bisherige Kür zu den „grauen Herren“ aus Michael Endes „Momo“. Im Voltigieren verbindet die Kür turnerische Schwierigkeit mit Gestaltung, Ausdruck und Musik und gerade in diesem Zusammenspiel haben sich die beiden in den vergangenen Monaten kontinuierlich weiterentwickelt. Dass ihre letzte Vorstellung mit diesem Programm mit einer DJM-Medaille endete, verlieh dem Auftritt eine besondere Note.

Besonders war das Wochenende auch für die Molzbacher Mannschaft. Erstmals in der Vereinsgeschichte hatte sich ein Juniorteam der PSG für die Deutschen Jugendmeisterschaften qualifiziert. Madita Wessling, Emma Franke, Clara Göb, Aurelia Baier, Nica Romeis und Ida Romeis gingen mit Caljano und Tatjana Baier an der Longe an den Start, als Ersatzvoltigierer gehörten Niklas Baier und Mira Hess zum Aufgebot. In den Juniorenklassen dürfen die Aktiven im laufenden Kalenderjahr höchstens 18 Jahre alt werden. Das gilt für Gruppen ebenso wie für Junior-Einzel und Junior-Doppel.

Entsprechend groß war vor der Premiere die Anspannung. In der Pflicht am Freitag, bei der alle Mannschaften fest vorgeschriebene Übungen zeigen und damit vor allem Technik, Körperspannung und saubere Ausführung gefragt sind, rangierte Molzbach zunächst auf Platz elf und damit im guten Mittelfeld. In der Kür dagegen können die Teams ihre Übungen selbst zusammenstellen, passend zur Musik choreografieren und genau dort liegt eine besondere Stärke der Mannschaft.

Zu einer Version von „Dreams“ von The Cranberries zeigte das Team im ersten Kürdurchgang eine ausdrucksstarke Vorstellung und arbeitete sich im Zwischenklassement in die Top Ten vor. Lediglich Caljano ließ in der Pferdenote einige wertvolle Punkte liegen, sodass eine noch bessere Position außer Reichweite blieb. Für den Einzug ins Finale aber reichte die Leistung sicher. Die besten 15 Mannschaften durften noch einmal antreten. In der abschließenden zweiten Kür behauptete sich die PSG schließlich auf Rang elf.

Für das Trainerteam war die Platzierung deshalb weit mehr als nur eine Zahl in einer Ergebnisliste. „Wir sind stolz, dass wir überhaupt den Sprung ins Finale geschafft haben. Die Entwicklung im vergangenen Jahr war enorm“, hieß es aus dem Molzbacher Lager. „Die Jungs und Mädels investieren unglaublich viel Fleiß und Herzblut. Das macht sich immer stärker bemerkbar und jetzt können sie die Lorbeeren für diese Arbeit ernten.“

Auch der Austragungsort verlieh den Meisterschaften eine besondere Kulisse. Das Pferdesportzentrum Lammetal in Lamspringe gehört zur Lammetal GmbH, einer gemeinnützigen Lebenshilfe-Einrichtung. Das Konzept verbindet Pferdesport und pferdegestützte Therapie mit Pädagogik, Arbeitsangeboten und Inklusion. Für die Deutschen Jugendmeisterschaften war Lamspringe in diesem Jahr erstmals Gastgeber.

Fast wie ein Heimspiel fühlte sich Lamspringe unterdessen für die Molzbacher an. 45 Eltern, Freunde, Vereinsmitglieder und weitere Unterstützer hatten die Reise angetreten. Wenn Caljano in den Zirkel lief und die grünen Farben zu sehen waren, war der Anhang kaum zu überhören. Am Sonntag war auch der Erste Vorsitzende Michael Baier vor Ort. Für ihn sind die Resultate vor allem Ausdruck der Arbeit, die außerhalb der großen Wettkampfbühne geleistet wird. „Bei solchen Meisterschaften sehen wir eigentlich nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Baier. „Entscheidend ist, was Woche für Woche im Training passiert und wie viel Unterstützung hinter diesem Team steht. Genau das macht unser kleines Molzbach groß. Wir haben uns national ein Stück weit nach vorne gearbeitet und müssen uns in diesem Sport nicht mehr verstecken.“

Nach einer langen Saison folgt nun erst einmal eine Pause für die Voltigierer ebenso wie für Caljano. Nach den Herbstferien beginnt das reguläre Wintertraining wieder intensiver. Und der Blick nach vorn bietet genügend Anlass für neue Ziele. Ida Romeis und Aurelia Baier können noch zwei weitere Jahre in der Juniorenklasse starten. Auch das Juniorteam darf in seiner jetzigen Konstellation im Juniorenbereich zusammenbleiben.

Die Bronzemedaille und Platz elf bei der ersten Deutschen Jugendmeisterschaft einer Molzbacher Mannschaft markieren deshalb weniger einen Endpunkt als eine weitere Etappe.