Lokales FD 10.09.2026

Padua Schule erweitert - Strauß erhält Ferdinand-Braun-Medaille

Fulda - Von Silas Messing – Ein neues Schulgebäude, doppelt so viele Plätze und eine besondere Ehrung: Die Antonius von Padua Schule in Fulda hat am Mittwoch ihren Erweiterungsbau offiziell eingeweiht. Mehr als 500 Gäste feierten gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Eltern und zahlreichen Unterstützern die Erweiterung der inklusiven Schule. Im Mittelpunkt stand dabei auch Steffen Strauß, der für sein Engagement die Ferdinand-Braun-Medaille der Stadt Fulda erhielt.

Foto: Silas Messing.

Mit dem Erweiterungsbau wächst die Antonius von Padua Schule deutlich. Die Grundstufe kann künftig statt bisher 60 insgesamt 120 Schülerinnen und Schüler aufnehmen. Auch die Hauptstufe profitiert von den zusätzlichen Räumen. Sie kann künftig ebenfalls in offenen Lernumgebungen arbeiten und selbstorganisiert lernen. Insgesamt bietet die Schule perspektivisch Platz für mehr als 200 Schülerinnen und Schüler.

„Wir feiern heute weit mehr als die Verdopplung der Schule“, sagte Schulleiterin Lysann Elze-Gischel bei der Einweihung. Die Antonius von Padua Schule stehe vor allem für Bildung, Inklusion und die Entwicklung starker Persönlichkeiten. Für Elze-Gischel gehören Bildung und Inklusion unmittelbar zusammen. Es gehe darum, mit der Welt in Verbindung zu stehen, sich mit seiner Umgebung auseinanderzusetzen und einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Schülerinnen und Schüler sollten die Schule als Menschen verlassen, die eine eigene Meinung vertreten könnten und gleichzeitig Rücksicht auf andere nähmen. „Das macht die Antonius von Padua Schule aus“, sagte die Schulleiterin.

Dabei blickte sie auch auf die Geschichte von Antonius zurück. Bereits Maria Rang habe vor mehr als 125 Jahren erkannt, wie wichtig Bildung für alle Menschen sei. 1905 gründete sie eine Schule für Kinder mit geistigen Beeinträchtigungen – zu einer Zeit, als es für diese Kinder noch keine Schulpflicht gab. „Das war mutig und revolutionär“, sagte Elze-Gischel. Vor zwölf Jahren sei dann das Konzept der Schule grundlegend weiterentwickelt worden. Mit Hanno Henkel sei die Idee einer Schule entstanden, in der unterschiedlichste Kinder gemeinsam lernen können. Nicht verschiedene Schulformen für verschiedene Menschen, sondern ein gemeinsamer Lernort für alle. „Bildung für alle ist vor allen Dingen eine inklusive Schule, in der unterschiedlichste Kinder von- und miteinander lernen können“, betonte Elze-Gischel.

Der Erweiterungsbau ist dabei genau auf dieses Konzept ausgerichtet. Das bestehende Gebäude wurde praktisch spiegelverkehrt erweitert. Im neuen Gebäudeteil findet die Grundstufe ihren Platz, während die älteren Schülerinnen und Schüler die frei gewordenen Räume nutzen können. Zudem wurde eine neue Mensa geschaffen. Auch diese sei ein wichtiger Schritt, erklärte Elze-Gischel. Schülerinnen und Schüler sollen dort Selbstständigkeit lernen und selbst entscheiden können. „Ich werde nicht bedient im Leben, sondern ich kann selber entscheiden“, sagte sie mit einem Schmunzeln.

Die Bauzeit des neuen Gebäudes betrug lediglich 15 Monate. Für Andreas Staubach vom Architekturbüro Staubach + Partner war das eine besondere Leistung aller Beteiligten. Der Bauantrag sei im Oktober 2024 eingereicht worden, sechs Monate später habe bereits die Baugenehmigung vorgelegen. Das Grundstück wurde zudem im Zuge eines Tauschs mit der Stadt Fulda erweitert. Statt ursprünglich rund 4300 Quadratmetern stehen nun rund 7150 Quadratmeter zur Verfügung. „Wir sind stolz, mit dieser ganzen Mannschaft diesen Bau in 15 Monaten realisieren zu können“, sagte Staubach. Besonders erfreulich sei zudem, dass die Kosten des Projekts sogar leicht unterschritten worden seien. „Das kann man bei einem Bauprojekt heutzutage durchaus mal sagen“, erklärte der Architekt.

Der Neubau soll aber nicht nur modern sein, sondern auch langfristig Bestand haben. Photovoltaikanlagen und der Anschluss an das Fernwärmenetz gehören ebenso zum Konzept wie die Verwendung langlebiger Materialien. „Unser Architektur- und Design-Motto ist emotionale Klarheit“, erklärte Staubach. Ein Gebäude müsse auch nach Jahrzehnten noch Bestand haben und gleichzeitig auf die Menschen wirken.

Auch Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld würdigte bei der Einweihung die Entwicklung der Antonius von Padua Schule. Für ihn sei der Tag ein besonderer für die gesamte Stadtgemeinschaft. „Es ist ein ganz großer und wunderbarer Tag“, sagte Wingenfeld. Die Geschichte der Schule zeige, was möglich sei, wenn Menschen Ideen hätten und bereit seien, Verantwortung zu übernehmen. Bereits Maria Rangen habe gegen den damaligen Zeitgeist gehandelt und Kindern neue Chancen ermöglicht.

Auch das heutige Konzept der Schule sei nicht von Anfang an unumstritten gewesen. Vor mehr als zehn Jahren hätten sich viele Menschen gefragt, ob eine solche Schule funktionieren könne und ob Eltern das Vertrauen in das Konzept hätten. „Es war nicht von Anfang an so, dass alle überzeugt waren“, sagte Wingenfeld. Heute sei die Nachfrage nach der Schule jedoch groß. Die Erweiterung sei deshalb ein wichtiger Schritt für Fulda.

Eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Antonius von Padua Schule spielt seit vielen Jahren die Familie Strauß. Sie ermöglichte bereits den ersten Neubau und übernahm auch die Finanzierung des jetzigen Erweiterungsbaus. Für dieses außergewöhnliche Engagement wurde Steffen Strauß während der Feier mit der Ferdinand-Braun-Medaille der Stadt Fulda ausgezeichnet. Die Ehrung gehört zu den höchsten Auszeichnungen der Stadt. Seit 1970 wurden lediglich 37 Persönlichkeiten mit der Medaille geehrt. Aktuell gibt es nur wenige lebende Träger der Auszeichnung.

„Wir verleihen diese Medaille für seinen außerordentlichen Einsatz für Menschen mit Behinderung, für Bildung, Teilhabe und soziale Innovation in unserer Stadt“, sagte Wingenfeld. Steffen Strauß nahm die Auszeichnung sichtlich bewegt entgegen. Die Verbindung seiner Familie zu Antonius reiche bereits mehrere Generationen zurück. Schon seine Urgroßmutter Lena habe Kontakt zu Antonius gehabt. Über Gerlinde und Norbert Strauß habe sich diese Verbindung bis heute fortgesetzt. Vor rund elf Jahren sei die Familie beim ersten Besuch von der Schule und ihrer besonderen Atmosphäre beeindruckt gewesen. „Entscheidend ist am Ende immer, wie es den Menschen geht und wie wir miteinander umgehen“, betonte Strauß.

Gerade in einer Zeit rasanter technologischer Entwicklungen und neuer Herausforderungen wie Künstlicher Intelligenz bleibe das Menschenbild entscheidend. Dieses werde sowohl bei Strauß als auch bei Antonius gelebt. Das Motto der Erweiterung „Gemeinsam sind wir doppelt klasse“ habe dabei gleich mehrere Bedeutungen. Natürlich stehe es für die doppelte Kapazität der Schule. Gleichzeitig symbolisiere es die enge Verbindung zwischen Partnern und Familien. Vor allem aber gehe es darum, dass Kinder gemeinsam lernen und voneinander profitieren.

Ein weiterer besonderer Gast der Feier war Edgar Itt. Der ehemalige Weltklasse-Hürdenläufer und Olympiamedaillengewinner sprach mit den Schülerinnen und Schülern über Hürden, Barrieren und persönliche Entwicklung. „Hürden erkennen, Barrieren überwinden und Menschen nicht begrenzen“, lautete die Botschaft seiner Rede. Itt brachte dafür sogar eine echte Hürde mit. Er erklärte den Kindern, dass es beim Hürdenlauf nicht darum gehe, möglichst hoch zu springen. Vielmehr müsse man lernen, die Hürde zu überwinden und trotzdem weiterzulaufen. „Hürden sind nicht nur Hindernisse, sondern Herausforderungen“, sagte Itt.

Diese Botschaft passe auch zur Antonius von Padua Schule. Anders zu sein dürfe keine Grenze darstellen. Vielmehr müsse es selbstverständlich sein, dass Menschen unterschiedlich seien und trotzdem gemeinsam leben und lernen könnten. Itt sprach auch über seine eigene Kindheit. Als einziges schwarzes Kind in einer kleinen Gemeinde sei er immer wieder mit Ausgrenzung konfrontiert gewesen. Entscheidend sei gewesen, dass sein Großvater sein sportliches Potenzial erkannt und gefördert habe. „Manchmal braucht es Menschen, die dein Potenzial erkennen“, sagte Itt.

 

Genau dafür stehe auch die Antonius von Padua Schule: Fähigkeiten und Talente zu erkennen und Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, sich individuell zu entwickeln. Zu den Gästen der Einweihung gehörte außerdem Younes Ebnoutalib, Profi von Eintracht Frankfurt.

Am Ende der Feier wurde es noch einmal emotional. Mit einem großen Banner wurde das neue Gebäude offiziell enthüllt. Unter dem Motto „Gemeinsam sind wir doppelt klasse“ feierten Schülerinnen und Schüler, Gäste und Unterstützer den nächsten Meilenstein in der Geschichte der Antonius von Padua Schule.

Schulleiterin Elze-Gischel brachte die Philosophie der Schule zum Abschluss noch einmal auf einen besonderen Punkt. Drehe man das Logo der Schule um, erinnere es an ein Herz. „Hier geht es um Herzensbildung“, sagte sie. Und genau dafür soll die Antonius von Padua Schule auch mit ihrem neuen Gebäude stehen: für Bildung, Vielfalt und ein gemeinsames Miteinander – und dafür, dass jedes Kind seinen eigenen Platz im Leben finden kann.

Zahlreiche Fotos folgen.