Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts besaß Künzell keine eigene Pfarrei. Die Gemeinde gehörte zum riesigen Pfarrverband der Wehrkirche auf dem Florenberg. Die Gläubigen aus Künzell, Bachrain, Dirlos und Keulos mussten jahrhundertelang über die alten, steilen Kirch- und Prozessionswege hinauf auf den 382 Meter hohen Florenberg steigen, um die Sakramente zu empfangen. Hierfür nutzten die Gläubigen den sogenannten „Pfaffenweg“. Auch bei Überfällen von befeindeten Gruppen, wenn die Wehrtürme wie beispielsweise der „Dicker Turm“ Alarm schlugen, nutzen die Pfarrer diesen Weg zur Flucht. In den Fuldaer Geschichtsblättern (Zeitschrift des Fuldaer Geschichtsvereins) wurde im Jubiläumsheft in 1972 über diese Wege berichtet. Anhand von farbigen Zeichnungen aus dem Jahr 1658 (*) konnte man die Pfaffenwege erkennen.
(*) aus Stadtarchiv XVI B 1, Hut-Streitigkeiten in den Stadtfeldern nach Edelzell, 1609 – 1668 (vgl. 1969, S. 109)
