Lokales FD 27.09.2026

Mit Lamas durch die Rhön: Gründer tauschen sich beim Wandern aus

Gersfeld (sk) – Ein Hauch von Exotik wehte am Wochenende über die Höhenzüge rund um den Simmelsberg. Das regionale Gründernetzwerk hatte geladen, doch statt steifer Anzüge, fader PowerPoint-Präsentationen und Visitenkartentausch im klimatisierten Tagungsraum setzten die Organisatoren diesmal auf Entschleunigung auf vier Pfoten. Die traditionelle Existenzgründer-Wanderung stand ganz im Zeichen des tierischen Netzwerkens.

Foto: Stefan Krug.

Die Geburtsstunde dieser ungewöhnlichen Tour schlug bereits im Jahr 2003. Seinerzeit zog die Karawane erstmals mit den südamerikanischen Paarhufern los, die damals wie heute vor allem die vielen mitgewanderten Kinder begeisterten. Johannes Nüdling, der mit den „RhönLamas“ das bundesweit erste professionelle Trekking-Unternehmen dieser Art im Vollerwerb betreibt, verpasste sich mit einem Augenzwinkern selbst den Titel „Gründer der Gründer“. Schließlich war er es, der das mittlerweile jährliche Event auf wechselnden Routen einst initiiert hatte.

Das Konzept zieht Kreise über die Landesgrenzen hinweg. Neben der IHK Fulda hatten diesmal auch die Handwerkskammer Kassel und die für die bayerische Nachbarrhön zuständige IHK Würzburg-Schweinfurt mobilisiert. Das Ergebnis war eine stattliche Kolonne: Weit über hundert Teilnehmer, darunter Dutzende Jungunternehmer aus den unterschiedlichsten Branchen, machten sich auf den Weg. Gemeinsam an einem Strang ziehen – das gilt in der Gründungsphase schließlich genauso wie beim Führen eines ausgewachsenen Lamas. Martin Räth von der IHK Fulda brachte es auf den Punkt: „An den Tieren führen lernen und gemeinsam einen Aufstieg machen. Wir wollen hier Netzwerken ermöglichen. Daraus ergibt sich vielleicht die eine oder andere neue Wirtschaftspartnerschaft.“

Auf der Strecke zeigte sich schnell die besondere Dynamik der tierischen Begleiter. Die gutmütigen Kamele wirkten wie ein natürlicher Katalysator. Wer ein Lama an der Leine führt, muss sich auf das Tier einlassen und schaltet automatisch einen Gang zurück. Diese Gelassenheit übertrug sich spürbar auf die gesamte Gruppe. Der Austausch über Businesspläne, bürokratische Hürden und erste Markterfolge floss völlig ungezwungen bergauf. Dass dieser Ansatz nachhaltig wirkt, bestätigte Dittmar Manns von der Handwerkskammer: Er sei sich sicher, dass sich aus den Begegnungen der vergangenen Jahre schon die eine oder andere handfeste Zusammenarbeit entwickelt habe. Stefan Möhringer, Vizepräsident der IHK Würzburg-Schweinfurt, lobte ebenfalls die Atmosphäre am Berg. Es entstehe eine ganz andere Offenheit, wenn man gemeinsam durch Natur und Landschaft laufe. Besonders erfreut zeigten sich die Veranstalter darüber, dass es hier gelingt, etablierte Bestandsunternehmer und Newcomer zusammenzubringen. Ein Austausch, der sich im normalen Geschäftsalltag aufgrund verschiedener Interessen oft schwierig gestaltet.

Nach dem knackigen Aufstieg ging es in der urigen Simmelsberghütte zum gemütlichen Teil über. Bei kühlen Getränken und deftiger Rhöner Brotzeit luden die Initiatoren zum offenen Erfahrungsaustausch. Es wurden fleißig Kontakte geknüpft, Kooperationen geschmiedet und neue Ideen gewälzt. Dass das Konzept der ungezwungenen Begegnung voll aufgegangen ist, bewies die ausgelassene Stimmung bis in die späten Nachmittagsstunden, in denen schließlich der gemeinsame Abstieg zurück zum Parkplatz angetreten wurde. Das Fazit der Gründerriege fiel durchweg positiv aus: Ein starkes regionales Netzwerk trägt Früchte – besonders dann, wenn man es sich abseits ausgetretener Pfade gemeinsam erarbeitet.

Gründernetzwerk wandert mit Lamas durch die Rhön. Fotos: Stefan Krug.