Der Bundespreis „Blauer Kompass“ wird vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) zusammen mit dem Umweltbundesamt (UBA) an herausragende Projekte zur Klimavorsorge und Anpassung an die Folgen des Klimawandels vergeben und ist die höchste staatliche Auszeichnung für Klimafolgenprojekte.
Das Frühalarmsystem warnt im gesamten Kreisgebiet vor Starkregen und damit einhergehenden Sturzfluten. Mehr als 180 mit dem Internet verbundene Sensoren an Gewässern, Kanälen und öffentlichen Gebäuden erfassen Pegelstände und Niederschlagsmengen in Echtzeit. Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz werden die Daten ausgewertet und mit Radardaten des Deutschen Wetterdienstes abgeglichen. Alle 23 Städte und Gemeinden des Landkreises sind an das System angebunden, das auch Bürgerinnen und Bürger per App, SMS oder Telefonanruf mit Vorwarnzeiten von bis zu 60 Minuten alarmiert. Bei einem Starkregenereignis im Mai 2024 konnte das Frühalarmsystem die örtlichen Feuerwehren erstmals „vor die Lage“ bringen, also ermöglichen, die Einsätze frühzeitig zu koordinieren.
„Mit dem Starkregenfrühalarmsystem und den rechtzeitigen Warnungen vor Starkregen und Sturzfluten wollen wir vor allem eins: Menschen schützen – ihr Hab und Gut und vor allem ihr Leben“, sagt Ramona Margarita Ruppert, Projektkoordinatorin beim Landkreis Fulda: „Die Auszeichnung mit dem Bundespreis ‚Blauer Kompass‘ freut uns und treibt uns an. Diesen Elan und das Preisgeld werden wir nutzen, um das System noch besser zu machen. Wir wollen noch früher warnen können und vor allem vulnerable Gruppen noch besser schützen.“
Ganz konkret soll das System um einen Digitalen Echtzeitzwilling ergänzt werden: Der vom Deutschen Wetterdienst gemeldete Niederschlag wird im Rahmen einer fiktiven Simulation genutzt, um visuell darzustellen, wie sich der prognostizierte Niederschlag im Landkreisgebiet konkret auswirkt. Neu ist dabei, dass Verrohrungen sowie weitere Parameter wie Bodenfeuchte, Landnutzung und Bodentyp miteinfließen und Wasserstände im Minutentakt live simuliert werden. Dadurch wird aus einer statischen 2D-Karte eine dynamische und stetig aktualisierte Starkregen-Hot-Spot-Karte im 3D-Format. Der interaktiven Karte kann beispielsweise entnommen werden, wie hoch das Wasser sowohl in Gewässerläufen als auch an Gebäuden steht.
Aktuell benennen die Kommunen für ihre Gebietsfläche Gefahrenpunkte, sogenannte Points of Danger. Das sind besonders von Starkregen betroffene Gebiete und schützenswerte Objekte (zum Beispiel Museen oder Pflegeeinrichtungen). Mithilfe des Digitalen Echtzeitzwillings besteht nun die Möglichkeit, diese Objekte, die überwiegend Teil der kritischen Infrastruktur sind, gezielt und noch frühzeitiger zu alarmieren und gegebenenfalls zu evakuieren.
Kreisbrandinspektor Adrian Vogler, appelliert an die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis: „Laden Sie sich die kostenfreie Starkregen-App herunter. Sie können die App ganz ohne Registrierung nutzen und sich im Ernstfall genau für Ihren Wohnort warnen lassen. Machen Sie von diesem kostenfreien Angebot Gebrauch.“
Die App und weitere Infos
Alle weiteren Informationen zum Starkregenfrühalarmsystem und die Links zum Download der App finden Sie auf der Webseite des Landkreises unter www.landkreis-fulda.de/starkregen. Die kostenfreie App finden Sie zudem in den jeweiligen Android- oder Apple-Stores zum Download.
