Die Ausstellung des Vereins Kunst und Justiz gibt einen Einblick in das vielseitige Schaffen Lochtes. Neben Fotografien und Infrarotaufnahmen sind vor allem digitale Collagen zu sehen, in denen der Künstler mit Perspektiven, Motiven und Erwartungen spielt. Vertraute Szenen werden verfremdet, historische Anmutungen treffen auf moderne Elemente. Dabei geht es nicht allein um ungewöhnliche Bildwelten, sondern auch um Themen wie Identität, Erinnerung, Vergänglichkeit und gesellschaftliche Konventionen.
Für den Verein Kunst und Justiz ist die Schau zugleich eine Premiere. Christine Schwarz, Direktorin des Arbeitsgerichts Fulda und Vorsitzende des Vereins, eröffnete die Ausstellung und hob insbesondere die digitale Kunst als neue Facette des bisherigen Ausstellungsprogramms hervor. Zwar habe es bereits Fotoausstellungen und digitale Fotografien gegeben, Lochtes Arbeiten eröffneten jedoch eine andere Bandbreite an technischen Möglichkeiten und künstlerischen Ausdrucksformen. Schwarz beschrieb Lochte dabei als eine Art Regisseur und Choreograf, der digitale Elemente gezielt zusammenführe und die KI als Werkzeug nutze.
Lochte stammt ursprünglich aus Wiesbaden und lebt heute in Tann in der Rhön. Nach vielen Jahren im IT-Bereich und seiner Selbstständigkeit im Multimedia- und Webdesign widmet er sich seit 2019 verstärkt der digitalen Kunst und Fotografie. Seine technischen Kenntnisse und sein Gespür für Bildkomposition, Perspektive und Licht prägen seine Arbeiten. Christine Schwarz beschrieb ihn bei der Eröffnung als eine Art Regisseur, der digitale Elemente gezielt zusammenfügt und die KI als Werkzeug für seine eigene Bildsprache nutzt.
KI ist Werkzeug, nicht alleiniger Künstler
Im Gespräch mit der Osthessen-Zeitung erklärt Lochte, dass keines der ausgestellten Bilder vollständig von einer künstlichen Intelligenz erstellt worden sei. Vielmehr kombiniere er unterschiedliche Techniken. „Ich schaffe diese Umgebung“, sagt er mit Blick auf eine seiner Arbeiten. Mithilfe einer Software könne er fotorealistische 3D-Welten erschaffen – vom Boden über den Himmel bis hin zu Wolken, Wetter und Sonnenstand. Anschließend lasse er sich einzelne Elemente von einer KI erstellen und füge sie in die Szene ein.
Auch Schatten, Licht und weitere Details bearbeite er selbst oder mit anderen Programmen wie Photoshop. „Aber es sind alles Montagen, Collagen, kein komplettes KI-Bild“, betont Lochte. Die KI liefere also einzelne Bestandteile, während die eigentliche Bildkomposition weiterhin seine Aufgabe bleibe. Das sei durchaus zeitaufwendig. Manchmal mache die KI auch Fehler – etwa, wenn Figuren plötzlich zu viele Finger oder Beine hätten.
Hinter den Bildern steckt dabei meist eine konkrete Idee. Lochte beschreibt seine Kunst als surrealistisch und verweist auf Künstler wie Salvador Dalí, die ihn beeinflusst hätten. Seine Werke sollen durchaus kritisch sein, dabei aber nicht mit dem Holzhammer daherkommen. „Es soll kritisch, aber schön sein“, erklärt er. Er wolle Kritik üben, „aber nicht auf eine unschöne Art“, sondern eher subtil und mit einem Augenzwinkern.
Wie das aussehen kann, zeigt unter anderem die Serie „Shadows of Beauty“. Sie entstand aus Lochtes persönlicher Abneigung gegen Frauen, die elegante Kleider mit Turnschuhen kombinieren. Aus diesem Gedanken entwickelte er Bildideen, in denen Schönheit, Mode und Ästhetik auf ungewöhnliche Weise miteinander in Beziehung gesetzt werden. Auch die Serie „Games“ greift Beobachtungen und Eigenheiten auf, die Lochte beschäftigen.
Die Ausstellung vereint unterschiedliche Werkgruppen. Neben digitalen Collagen sind Infrarotfotografien zu sehen, die Landschaften und Architektur in ein ungewohntes Licht tauchen. Gerade bei den Aufnahmen aus Fulda verändert sich die vertraute Umgebung: Grün erscheint weiß, Landschaften wirken beinahe wie verschneit. Hinzu kommen experimentelle Fotografien mit Mehrfachbelichtungen sowie digitale Malerei und dreidimensionale Elemente.
Schwarz hob bei der Eröffnung auch die humorvollen und gesellschaftskritischen Seiten der Arbeiten hervor. In Serien wie „Wrong Time“ und „Wrong Place“ spielt Lochte mit der Vorstellung, zur falschen Zeit oder am falschen Ort zu sein. Andere Werke hinterfragen Rollenbilder, Verhaltensmuster und vermeintliche Selbstverständlichkeiten. Dabei können die Motive durchaus irritieren – und gerade dadurch dazu anregen, genauer hinzusehen.
„Ein kleiner Meilenstein“ für den Künstler
Für Kurt Lochte selbst ist die Ausstellung im Arbeits- und Sozialgericht Fulda ein wichtiger Schritt. „Ich freue mich, dass ich meine Bilder einem breiteren Publikum zeigen kann“, sagt er. Dass die Werke über mehrere Monate hinweg zu sehen sind, sei besonders reizvoll. „Das ist ein kleiner Meilenstein für mich hier.“
Es sei zwar nicht seine bislang größte Ausstellung, aber eine wichtige für sein künstlerisches Portfolio. Seine Arbeiten seien inzwischen auch auf der internationalen Kunstplattform Artmajeur zu finden. Dort könne er verfolgen, welche Motive besonders häufig aufgerufen würden. Ein Bild aus der Reihe „Evolution“, das Rotkäppchen-Motiv, werde derzeit besonders oft betrachtet.
Die Vernissage wurde von Christine Schwarz eröffnet. Begleitworte sprachen Dr. Karl B. Ziegler und der Künstler selbst. Im Anschluss hatten die Besucher Gelegenheit, mit Lochte ins Gespräch zu kommen und mehr über die Entstehung der Werke zu erfahren. Die Ausstellung „Kurt Lochte – Fotografie und digitale Kunst“ ist bis zum 28. Februar 2027 im Arbeits- und Sozialgericht Fulda, Am Hopfengarten 3, zu sehen. Geöffnet ist sie montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr sowie freitags von 9 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei.
