Lokales FD 25.09.2026

Künftige Hitzewellen - Stadt setzt auf Trinkwasser und Schatten

Fulda (sim) – Hohe Temperaturen belasten nicht nur den Kreislauf, sondern auch Einsatzkräfte und besonders gefährdete Menschen. Welche Auswirkungen die Hitzeperioden 2026 in Fulda hatten und wie die Stadt auf die zunehmenden Temperaturen reagiert, erläutert Stadtbaurat Schreiner in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Stadtverordnetenfraktion.

Als Teil der Hitzeaktionsplans waren im Jahr 2025 Trinkwasserspender in Fulda installiert worden. Archivfoto: Görlich Media.

Für die Feuerwehr bedeuteten die sommerlichen Hitzeperioden eine zusätzliche körperliche und organisatorische Belastung. Vor allem lang andauernde Vegetationsbrände seien wegen der hohen Temperaturen, der Sonneneinstrahlung und der körperlich anspruchsvollen Arbeiten eine Herausforderung. „Die klassische Feuerwehrschutzkleidung ist insbesondere für den Innenangriff bei Gebäudebränden ausgelegt und kann bei länger dauernden Tätigkeiten im offenen Gelände eine zusätzliche thermische Belastung darstellen“, erklärt Schreiner. Gleichzeitig müsse auch bei längeren Einsätzen sichergestellt werden, dass ausreichend Kräfte und Einsatzmittel für weitere Notfälle im Stadtgebiet und den Stadtteilen zur Verfügung stehen. „Eine vorausschauende Einsatzplanung und regelmäßige Ablösungen sind daher besonders wichtig“, heißt es in der Antwort.

 

Mehr Wasser und Schutz für Einsatzkräfte

Die Feuerwehr Fulda habe auf die besonderen Anforderungen während der Hitzeperioden mit verschiedenen Maßnahmen reagiert. Körperlich belastende Tätigkeiten im Innendienst wurden soweit möglich reduziert und Bereitschaftszeiten an Einsatz- und Witterungsbedingungen angepasst. Im Innendienst konnte zudem leichtere Dienstkleidung getragen werden. Bei Einsätzen blieb die notwendige persönliche Schutzausrüstung jedoch vorgeschrieben. Für Einsätze bei hohen Temperaturen und insbesondere bei Vegetationsbränden stehe leichtere Schutzkleidung zur Verfügung. Zudem wurden die Trinkwasservorräte deutlich aufgestockt und auf die Einsatzfahrzeuge verteilt. „Ergänzend wurden Sonnenschutzmittel, Kopfbedeckungen und mobile Pavillons beschafft und in den Einsatzdienst integriert“, erklärt Schreiner. Gerade bei mehrstündigen Einsätzen auf offenen Flächen ohne natürliche Schattenbereiche sollten die Maßnahmen die Versorgung und Regeneration der Feuerwehrleute verbessern.

 

Hitzeaktionsplan berücksichtigt verschiedene Personengruppen

Auch für besonders gefährdete Menschen wurden verschiedene Maßnahmen des städtischen Hitzeaktionsplans umgesetzt. Bei städtischen Freizeiten wird das Personal zu den Verhaltensregeln bei Hitze geschult, Wasser kostenlos bereitgestellt und den Eltern im Vorfeld eine Packliste mit Sonnencreme, Kopfbedeckung und Getränken geschickt. In den Kinder- und Jugendtreffs steht ebenfalls kostenloses Wasser zur Verfügung. Für die Kindertageseinrichtungen wird zudem ein allgemeiner Hitzeschutzplan entwickelt. Die Fachkräfte achten darauf, dass die Kinder ausreichend trinken, und sensibilisieren die Eltern dafür, ihre Kinder vor Überhitzung zu schützen. Sonnenhüte und Sonnenschutzmittel können in den Einrichtungen deponiert werden. Auch Wohnungslose werden im Hitzeaktionsplan berücksichtigt. Die Obdachlosenhilfe und die Stadtteiltreffs dienen als Anlaufstellen für kostenloses Trinkwasser und Schutz vor starker Sonneneinstrahlung. In den Stadtteiltreffs im Nordend, Südend und Ostend sind die Verantwortlichen und Ehrenamtlichen für das Thema Hitzeschutz sensibilisiert und haben besonders gefährdete Personengruppen im Blick. Auch zum Landesfest, bei dem es zum Ende sehr heiß wurde, wurde auf die Situation reagiert. „Beispielsweise wurden im Rahmen des Hessentages zusätzliche Trinkspender aufgestellt, kostenloses Wasser verteilt und über die digitalen Bildschirme auf die Hitzewarnstufen und entsprechenden Verhaltensregeln hingewiesen“, schreibt Schreiner.

 

Keine flächendeckende Klimatisierung kommunaler Gebäude vorgesehen

Auch bei anstehenden Bauprojekten wird der Umgang mit hohen Temperaturen berücksichtigt. Städtische Gebäude werden nach modernen und gesetzlichen Wärmedämmstandards saniert, modernisiert und neu gebaut – das gilt für Kälte und Hitze. Zum Einsatz kommen unter anderem hochdämmende Fenster, außenliegender Sonnenschutz mit automatischer Steuerung sowie manuelle oder maschinelle Lüftungsmöglichkeiten. Eine flächendeckende Klimatisierung der kommunalen Gebäude ist allerdings nicht vorgesehen. „Ein flächendeckender Einsatz von Kühlung oder Klimatisierung ist bei den kommunalen Gebäuden nicht gesetzlich / normativ oder intern vorgeschrieben“, erklärt Schreiner. Zudem sei eine solche Lösung mit erheblichem finanziellem Aufwand verbunden und kurzfristig nicht umsetzbar. Teilweise existieren bereits Kühlsysteme, in einzelnen Gebäuden wurden während des Sommers auch kurzfristig Anlagen in besonders schwer abkühlbaren Räumen installiert. Der Einsatz dezentraler Kühlung werde dabei mit der Fachkraft für Sicherheit und Arbeitsschutz abgestimmt. Als Gründe nennt Schreiner unter anderem mögliche gesundheitliche Auswirkungen durch Zugerscheinungen sowie die zusätzliche Abgabe von Wärme an die Umgebung.

 

Mehr Bäume für kühlere Flächen

Statt ausschließlich auf technische Kühlung zu setzen, setzt die Stadt auch auf Verschattung und mehr Grün. Besonders bei Kitas werden Sonnensegel, Sonnenschirme und Markisen für die Außenanlagen eingeplant. Auch bei der Gestaltung der Außenflächen sollen Pflanzpläne für mehr Verschattung und Kühlung sorgen. „Der Ansatz ist, die Bestandsbäume möglichst zu erhalten und in eine Umgestaltung zu integrieren“, erklärt Schreiner. Durch Nachpflanzungen und die Erweiterung bestehender Gehölzstrukturen solle der Grünflächenanteil dauerhaft vergrößert werden. Als Beispiel nennt die Stadt die Grundschule Lehnerz. Dort wurde der rund 120 Jahre alte Lindenbestand im Zuge der Schulhofsanierung erhalten und die Standorte der Bäume aufgewertet. Auch auf Kita-Freiflächen wurde in den vergangenen Jahren mit zusätzlichen Sonnenschirmen für mehr Schatten gesorgt.

Wo es möglich ist, sollen zudem Gründächer zu einem besseren Wassermanagement und Mikroklima beitragen. Bei städtischen Gebäuden wird außerdem der Einsatz von Photovoltaikanlagen geprüft. Bei Neubauten wie der Wirgarten-/Cuno-Raabe-Schule kommen auch geothermische Anlagen mit Bauteilkühlung zum Einsatz. Weitere Maßnahmen sollen mit dem derzeit erarbeiteten Klimaanpassungskonzept folgen. Darin werden zusätzliche Möglichkeiten aufgeführt, „die dem zusätzlichen Hitzeschutz der Bevölkerung sowie vulnerablen Gruppen dienen sollen“, heißt es in der Antwort der Stadt.