Begleitet wurde der Auftakt vom Bläsercorps des Vereins unter der Leitung von Obfrau Heike Köhl. Die Jagdhornklänge gaben dem Abend einen festlichen Rahmen und standen zugleich für gelebtes jagdliches Brauchtum. „Das gehört dazu“, sagte der Vorsitzende des JGV Rhön-Vogelsberg, Dr. Rudolf Leinweber. Die Gründe für den Wunsch nach dem Jagdschein seien unterschiedlich. Manche kämen über die Familie oder Freunde zur Jagd, andere aus Interesse an Natur und Wild oder mit dem Wunsch, selbst Wildbret zu gewinnen.
Leinweber machte zugleich deutlich, dass mit dem Jagdschein eine besondere Verantwortung verbunden sei. „Es hat nichts mit Hobby zu tun, sondern ist Passion“, betonte er. Fußball oder Tennis könne man als Hobby betreiben, bei der Jagd gehe es dagegen auch um den tödlichen Schuss. „Das ist eine hohe Verantwortung, die Sie haben, und da geht man nicht leichtfertig mit um.“
Besonders wichtig sei dabei die Waidgerechtigkeit und der ethische Umgang mit Mensch und Tier. Als Grundsatz zitierte Leinweber den Jagdschriftsteller Oskar von Riesenthal: „Das ist des Jägers Ehrenschild, dass er beschützt und hegt sein Wild, waidmännisch jagt, wie sich's gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.“ Auch beim Deutschen Jagdverband werde über ethisches Verhalten in der Jägerschaft gesprochen. Leinweber formulierte seinen eigenen Anspruch deutlich: „Ethik ist nichts zum Verhandeln. Entweder man hat sie oder man hat sie nicht.“
Jagd bedeute für ihn zudem weit mehr als das Erlegen von Wild. „Jagen ist nicht immer Strecke machen“, sagte der Vereinsvorsitzende und verwies auf das Naturerlebnis. Ein Morgen auf dem Hochsitz, der Sonnenaufgang, die erwachende Natur und der Gesang der Vögel gehörten für ihn ebenso zur Jagd. Wer regelmäßig draußen unterwegs sei, lerne Tiere und Natur zunehmend in ihren unterschiedlichen Facetten kennen.
Zur Ausbildung gehört neben diesen Aspekten auch das jagdliche Handwerk. Bis April oder Mai kommenden Jahres beschäftigen sich die Teilnehmer an vier Tagen pro Woche unter anderem mit Jagdrecht, Wildtierkunde und jagdlichem Schießen. Der Auftakt ist damit gemacht – nun beginnt für die angehenden Jungjäger eine intensive Ausbildungszeit mit viel Lernstoff, praktischen Erfahrungen und hoffentlich auch zahlreichen besonderen Momenten in der Natur. Am Ende steht die Jägerprüfung und damit für die Teilnehmer der Schritt in einen neuen Lebensabschnitt.
