Am gesamten Nachmittag herrschte reges Treiben in der Fuldaer Innenstadt. An insgesamt 23 Ständen wurde den Besuchern der Interkulturellen Wochen, die vom 13. September bis zum 3. Oktober stattfinden, ein abwechslungsreiches Programm mit kulinarischen Spezialitäten aus aller Welt, Informationsständen der teilnehmenden Institutionen und kreativen Mitmachaktionen für Groß und Klein geboten. Die Bühne auf dem Universitätsplatz lockte zudem mit unterschiedlichen Musik- und Tanzdarbietungen.
Elena Martou, Leiterin der Geschäftsstelle des Ausländerbeirates, betonte, dass die Festveranstaltung äußerst wichtig für die Vernetzung der teilnehmenden Vereine sowie für das gemeinsame Zusammenleben überhaupt sei. Die Arbeit an den Ständen, die von langer Hand geplant wurde, führe den Menschen erst wirklich das Grundziel der Interkulturellen Wochen vor Augen „Vom Aufbau bis zum Abbau sieht man, wie sie miteinander in Kontakt kommen, sich selbst gegenseitig unterstützen und helfen – das ist eine gelebte Vielfalt, würde ich sagen“.
Auf der Bühne wurde dann Platz gemacht für die Überreichung der Förderbescheide an sechs ausgewählte Vereine. Bürgermeister Dag Wehner und Silvia Bicakci aus dem Fuldaer Ausländerbeirat richteten zunächst jeweils ein Grußwort an die Anwesenden. Für Wehner stellte das Motto der diesjährigen Interkulturellen Wochen, „Dafür!“, eine „klare Botschaft“ dar, um „miteinander ins Gespräch zu kommen, einander zuzuhören und Vielfalt als Bereicherung unserer Stadtgesellschaft anzusehen“. Er äußerte einen besonderen Dank an alle, die das abwechslungsreiche Programm auf die Beine gestellt haben und der laufenden Feier zum Erfolg verhelfen, seien es die Vereine, die ehrenamtlichen Helfer oder die Menschen, welche sich dazu ermuntern ließen, aufeinander zuzugehen und neue Beziehungen zu knüpfen. Bicakci hob die Diversität in Fulda hervor: Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprachen, Kulturen leben hier zusammen. „Viele sind schon seit Jahren oder sogar Jahrzehnten hier, arbeiten, haben Familien gegründet und sind ein fester Teil der Gesellschaft“. Zu erfolgreichen Integration könne jeder „durch Offenheit, Respekt, Sprache, Engagement und persönliche Begegnungen“ beitragen. Daher rief Bicakci dazu auf, „nicht nur auf unsere Unterschiede zu schauen, sondern auf das, was uns verbindet, denn Integration gelingt, wenn wir nicht nur nebeneinander, sondern miteinander leben“.
Daraufhin folgte die Übergabe der Förderbescheide. Zuerst wurde Welcome In! Fulda, vertreten durch Jochen Kohlert, aufgerufen. Dabei stellten Wehner und Kohlert das Projekt Arbeitsintegration 2.0 vor. Diese Initiative soll Migranten bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt unterstützen. Das Besondere sei, dass der Verein Menschen, die vor längerer Zeit in Deutschland eingewandert sind, schult, damit sie diejenigen, „die ganz neu hier sind, die noch kein Deutsch können, die das System noch nicht kennen, auf deren Muttersprache am Anfang begleiten können“. Dadurch sollen sie schneller eine Vorstellung von ihrem beruflichen Ziel entwickeln können. Vom Kreisjobcenter werden die Bemühungen des Vereins, wie Wehner anfügte, als „beispielgebend“ erachtet.
Der nächste Förderbescheid wurde von Anette Witzel für das Mütterzentrum e. V. entgegengenommen. Hervorgehoben wurde hierbei das am 22. Oktober anlaufende Projekt „Digitale Grundlagen für Frauen“, bei dem zugewanderte Frauen verschiedener Altersstufen in der Bedienung von Smartphones und der Verwendung von Apps unterwiesen werden. Dies soll ihnen den Einstieg in die digitale Welt und die Orientierung erleichtern. Anmeldungen für die vier Kurstage sind noch möglich.
Als drittes wurde Bebak Al-Dawdi auf die Bühne gebeten. Der für die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung im Diözesanverband Fulda tätige Regionalpromotor sprach eingehend über eine Veranstaltungsreihe anlässlich des Weltflüchtlingstages, die sowohl informative Beiträge als auch Stand-Up-Comedy über die Herausforderungen bei der Integration enthielt. Dadurch konnten ungefähr 200 Menschen erreicht werden, die eigene Beiträge geleistet und Diskussionen geführt haben. Al-Dawdi bedankte sich für die Unterstützung der Stadt Fulda und betonte, wie wichtig es für die Gesellschaft sei, „dass wir zusammenhalten und zusammenrücken“.
Der Verein Musik und Tanz Fulda, dessen Vorsitzender Bernhard Oswald als nächstes auf die Bühne kam, ist mit seinen Weltklänge Orchester bereits bei den Interkulturellen Wochen aufgetreten. In dem Orchester kommen, wie Oswald erklärte, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und mit unterschiedlichen musikalischen Hintergründen zusammen, und auch wenn es wegen Sprachbarrieren und ähnlichen manchmal gewisse Hürden gebe, mache es insgesamt großen Spaß, „sich mit Musik zu verständigen, auch wenn’s mit Sprache manchmal ein bisschen schwieriger ist“, und man gehe immer „gut gelaunt aus den Proben raus“. Mit der Unterstützung der Stadt Fulda soll das Orchester musikalisch weiterentwickelt werden.
Der nächste Förderbescheid ging an den Fuldaer Aleviten Kultur-Verein. Da die Vertreterin des Vereins nicht zugegen war, stellte stattdessen Bürgermeister Wehner das Projekt „Women’s Club“ vor. Dessen Ziel sei es, „Frauen einen Raum für Begegnung, Austausch und persönliche Entwicklung zu bieten“. Durch die Stärkung von Sprache, Selbstvertrauen und Alltagskompetenzen soll „zeitgleich die gesellschaftliche Teilhabe gefördert und nachhaltig ein Netzwerk von Frauen in unserer Stadt hier aufgebaut werden“.
Zuletzt wurden die Vertreterinnen von Rodnik e. V. auf die Bühne gebeten. Das vorgestellte Projekt „RODNIK-Jugend zeigt Fulda: Kreative Perspektiven auf Zusammenleben und Vielfalt“ soll im Rahmen unterschiedlicher Aktivitäten junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zusammenbringen. Rodnik bietet einen Raum zum Austausch und zur Festigung der eigenen, aber auch zum Kennenlernen der neuen Kultur. Dies komme derzeit insbesondere jungen Geflüchteten aus der Ukraine zugute.
Die vorgestellten Projekte zeigten laut Bürgermeister Wehner, „wie unterschiedlich Integration ist und wie unterschiedlich gesellschaftliche Teilhabe gestaltet werden kann“. Allen Vereinen gebühre ein herzlicher Dank für ihr Engagement. Die Stadt Fulda sei geprägt von „Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Erfahrungen, Traditionen und auch Perspektiven“. Entscheidend sei, dass „wir bei aller Verschiedenheit das Gemeinsame finden und miteinander im Gespräch bleiben“. Die Interkulturellen Wochen und die heutige Festveranstaltung gäben dafür einen „wichtigen Impuls“.
