Lokales FD 25.09.2026

Herzchirurgen aus aller Welt zu Gast am Klinikum – TCRAT Forum

Fulda (jah) – Fulda ist an diesem Wochenende Schauplatz eines internationalen Treffens der Herzchirurgie: Mehr als 110 Herzchirurginnen, Herzchirurgen und OP-Teams aus über 20 Ländern sind zum ersten „TCRAT Forum Fulda“ ans Klinikum gekommen. Im Mittelpunkt steht eine schonende Methode der Bypass-Chirurgie, die in Fulda seit 2019 eingesetzt wird – und inzwischen Mediziner aus aller Welt interessiert.

Von links: Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Prof. Dr. Hilmar Dröge, Priv.-Doz. Dr. Christian Sellin und Dr. Volodymyr Demianenko. Foto: Janosch Hensel

Bei der sogenannten TCRAT-Methode werden verengte Herzkranzgefäße versorgt, ohne das Brustbein wie bei einer klassischen Bypass-Operation vollständig zu durchtrennen. Stattdessen erfolgt der Zugang über einen kleineren Schnitt zwischen den Rippen an der linken Brustseite. Für Patienten kann das unter anderem eine kleinere Narbe und einen schonenderen Heilungsverlauf bedeuten. „Für den Heilungsverlauf ist das wahrscheinlich wesentlich besser. Und auch die Narbe ist nicht so groß“, erklärte Prof. Dr. Hilmar Dörge, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Klinikum Fulda. Auch der psychologische Aspekt könne eine Rolle spielen. „Für viele Menschen ist wahrscheinlich auch die Größe des Schnittes von Bedeutung.“

Das Klinikum Fulda hat die Methode 2019 als erstes Zentrum in Deutschland eingeführt. Seitdem wurde dort umfangreiche Erfahrung gesammelt. „Wir sind sehr stolz. Es ist in dieser Form das erste Meeting, was es weltweit zu diesem Thema gibt“, betonte Dörge mit Blick auf das erste TCRAT Forum. Mehr als 110 Fachleute aus über 20 Ländern sind dafür nach Fulda gekommen. Die internationale Aufmerksamkeit habe sich dabei zu einem großen Teil über soziale Medien entwickelt. „Das Interesse ist vor allem über die sozialen Medien entstanden. Die Methode hat sich dadurch international verbreitet, und viele der Teilnehmer haben bereits selbst zu diesem Thema publiziert“, so Dörge. Fulda nimmt innerhalb der internationalen TCRAT-Gemeinschaft eine besondere Stellung ein: Nach Angaben Dörges verfügt das Klinikum inzwischen über die weltweit größte Erfahrung mit dem Verfahren. „Wir haben fast 1300 Eingriffe mit dieser Methode durchgeführt“, berichtete der Klinikdirektor.

Operationen werden live übertragen

Das Forum dient nicht nur dem persönlichen Austausch. Die Teilnehmer bekommen auch unmittelbar Einblicke in die Anwendung der Methode. Dazu gehören Live-Operationen, bei denen die Mediziner den Eingriff über eine Übertragung verfolgen und gleichzeitig Erläuterungen des Operateurs erhalten.

„Der Ablauf der Operation ist an sich genau derselbe“, erklärte Dörge. Während des Eingriffs arbeitet der Operateur direkt am Patienten, zusätzlich wird das Operationsfeld über eine Kamera übertragen. Dadurch können die Teilnehmer die einzelnen Schritte verfolgen. Der Operateur kann zugleich erklären, was er gerade macht und warum bestimmte Schritte notwendig sind. Gerade diese unmittelbare Verbindung von Operation und Austausch ist aus Sicht Dörges ein wichtiger Bestandteil des Forums. Denn die TCRAT-Methode unterscheidet sich zwar beim Zugang von der klassischen Bypass-Chirurgie, die grundlegenden chirurgischen Techniken bleiben jedoch vergleichbar.

„Die Techniken sind gleich, die Grundtechniken, wie man die Gefäße miteinander verbindet“, erläuterte Dörge. Die besondere Herausforderung liege vielmehr darin, dass die Operation über einen deutlich kleineren Zugang erfolgt. Dadurch müsse der Operateur mit einer eingeschränkteren Sicht auf das Operationsgebiet zurechtkommen. Genau darüber tauschen sich die Fachleute in Fulda aus. „Dafür gibt es viele gute Tipps und Tricks und Kleinigkeiten, um die Exposition zu verbessern“, erklärte Dörge. Gerade solche Erfahrungen könnten für Ärzte hilfreich sein, die die Methode neu erlernen oder an ihrer Klinik etablieren möchten.

Interesse an Methode wächst

Dass TCRAT bislang nicht flächendeckend zum Standard gehört, hat nach Einschätzung Dörges auch mit den hohen Anforderungen zu tun. Die Methode sei anspruchsvoll und erfordere Erfahrung. Gleichzeitig beobachte er ein wachsendes Interesse aus anderen Kliniken. „Ich glaube, 40 oder 45 herzchirurgische Kliniken sind hier vertreten“, sagte Dörge mit Blick auf die Teilnehmer des Forums. Viele Häuser beschäftigten sich demnach bereits intensiv mit dem Verfahren. Das Ziel des Treffens geht deshalb über den reinen Erfahrungsaustausch hinaus. Unter dem Motto „Live cases · Share expertise · Launch your program“ sollen internationale Teams die Methode kennenlernen und anschließend möglichst selbst an ihren Kliniken etablieren können. 

Für Dörge ist die Entwicklung dabei noch lange nicht abgeschlossen. Er rechnet damit, dass die schonendere Operationsmethode künftig eine größere Rolle spielen wird. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in 20 Jahren noch viele Zentren gibt, die das nicht anbieten“, sagte der Klinikdirektor. Neben dem klassischen Bypass-Verfahren wird in Fulda zudem daran gearbeitet, die Methode mit weiteren herzchirurgischen Eingriffen zu kombinieren. Damit könnte sich das Spektrum der Operationen erweitern, die über den schonenderen Zugang möglich sind. Beim ersten TCRAT Forum in Fulda kommen damit nicht nur Experten aus aller Welt zusammen. Die Veranstaltung soll zugleich dazu beitragen, Erfahrungen weiterzugeben und die Methode international weiterzuentwickeln.

Herzchirurgen-Elite trifft sich am Klinikum Fulda. Fotos: Janosch Hensel