Lokales FD 02.09.2026

Habersack und Buß im U1: Wenn Rhöner Humor auf ernste Töne trifft

Fulda - Silas Messing – Zwei Männer, zwei Welten – und trotzdem erstaunlich viele Gemeinsamkeiten: Wenn Franz Habersack und Stadtpfarrer Stefan Buß auf einer Bühne sitzen, wird gelacht. Viel gelacht. Am Mittwochabend im U1 vom Konzepthaus Karl ging es aber nicht nur um Rhöner Mundart, Fastnacht und schräge Geschichten, sondern auch um Familie, Glaube, persönliche Krisen und die Frage, warum Humor gerade in schwierigen Zeiten so wichtig ist. Das Publikum dankte es den beiden mit viel Applaus – die Veranstaltung war bestens besucht.

Von links: Moderator Shaggy Schwarz, Stadtpfarrer Stefan Buß und Michael Bleuel alias Franz Habersack. Foto: Silas Messing

Schon der Einstieg passte zum ungewöhnlichen Abend. Moderator Shaggy Schwarz begrüßte das Publikum und seine Gäste, die zunächst nicht ganz gewöhnlich auf die Bühne kamen: über den Lastenaufzug. „Das ist heute mein erstes selbst organisiertes Kulturevent hier unten“, sagte Schwarz sichtlich stolz. Und nervös sei er ausnahmsweise auch gewesen. „Ich bin richtig glücklich und stolz, dass das heute so gut besucht ist.“

Für Schwarz ist das U1 mehr als nur eine neue Veranstaltungsfläche. Nach einer schwierigen persönlichen Phase wolle er sich wieder stärker auf Dinge konzentrieren, die ihm Freude bereiten. „Ich muss mich auf Sachen fokussieren, die mir Spaß machen“, sagte er. Das Improvisationstheater habe ihm dabei selbst geholfen. Fehler nicht überzubewerten, Situationen anzunehmen und einfach weiterzumachen – diese Haltung gibt er inzwischen auch in Kursen und Projekten an andere weiter.

Dann gehörte die Bühne Habersack und Buß. Hinter Franz Habersack steckt der Kabarettist und Autor Michael Bleuel. Mit Strohhut und Rhöner Dialekt wird er zu seiner Bühnenfigur – und genau diese Figur ist längst Kult. „Wenn ich den Hut aufhabe, bin ich der Habersack“, erklärte Bleuel. Ohne Hut spreche dagegen Michael Bleuel.

Entstanden ist Habersack nicht am Reißbrett, sondern eher nebenbei. Aus ersten Auftritten entwickelte sich eine Figur, die immer größer wurde. „Niemals“ hätte er damals gedacht, dass daraus einmal so viel entstehen würde. Heute gibt es unter anderem mehrere Kriminalromane rund um die Figur. Eine weitere Lesung im U1 ist bereits geplant.

Seine Inspiration findet Bleuel vor allem in seiner Heimat. Die Rhön und ihre Menschen liefern ihm genügend Stoff. Er beobachtet, hört zu und übersetzt Eigenheiten in Geschichten. Dabei darf es ruhig auch einmal derber werden. Habersack sagt Dinge, die Bleuel selbst vermutlich nicht in dieser Form sagen würde. Genau darin liegt ein Teil des Reizes der Figur.

Auch Stefan Buß kennt die Bühne seit Jahrzehnten. Der Stadtpfarrer von Fulda war als Kind zunächst eher schüchtern. „Ich war ein schüchterner Mensch“, erzählte er. Das Theater habe ihm geholfen, diese Schüchternheit abzulegen und eine innere Freiheit zu entwickeln. Bereits als Kind stand er auf der Bühne.

Dass ausgerechnet ein katholischer Priester einmal regelmäßig bei Fastnachtsveranstaltungen auftritt, war dabei keineswegs selbstverständlich. Buß kam zunächst eher zufällig mit der Fastnacht in Berührung. Inzwischen gehört sie für ihn fest dazu. Besonders reizvoll sei die Möglichkeit, ernste Themen mit Humor zu verbinden.

„Für das Negative sorgen die anderen schon“, sagte Buß mit einem Lächeln. Die Gesellschaft sei häufig eine „Jammergesellschaft“, da könne ein gemeinsames Lachen guttun. Gleichzeitig müsse Humor mehr sein als reine Ablenkung. Am besten sei ein Lachen, „das die Leute auch ein bisschen zum Nachdenken bringt“.

Wie ernst es hinter der humorvollen Fassade manchmal werden kann, zeigte Buß auch mit persönlichen Geschichten. Besonders bewegend sprach er über seinen Vater, den er in dessen letzten Lebensjahren begleitet hatte. Die Familie sei für ihn ein wichtiger Halt. „Familie ist die große Festung“, sagte auch Bleuel über seine eigene Familie.

Und dann war da wieder der Humor. Denn obwohl Habersack und Buß auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten, verbindet sie einiges: Beide waren früher eher zurückhaltend, beide fanden über das Theater einen Weg auf die Bühne, beide sind eng mit ihrer Heimat verbunden und beide haben eine besondere Beziehung zur Fastnacht.

Das Publikum durfte sich schließlich selbst davon überzeugen. Die beiden tauschten ihre Texte: Buß las einen Text von Habersack, während Habersack sich an einem Fastnachtsimpuls von Buß versuchte. Spätestens da war klar, dass die Kombination funktioniert. Es wurde gelacht, geklatscht und aufmerksam zugehört.

Auch ein kleines Quiz durfte nicht fehlen. Und nach der Pause gehörte die Bühne schließlich ganz Franz Habersack, der noch einmal in seine Rolle schlüpfte.

Für Shaggy Schwarz soll es derweil nicht bei diesem einen Abend bleiben. Im U1 sind weitere Veranstaltungen geplant – vom Improvisationstheater über Kinderangebote bis hin zu Kulturveranstaltungen. „Ich möchte Dinge hier machen, die es sonst so vielleicht nicht gibt“, erklärte Schwarz.

Der Mittwochabend hat jedenfalls gezeigt, dass das Konzept funktioniert: Ein voller Saal, zwei völlig unterschiedliche Bühnenmenschen und ein Abend, der zwischen lautem Lachen und leisen, ernsten Momenten wechselte. Oder, ganz einfach gesagt: Habersack und Buß – das passt erstaunlich gut zusammen. Aus diesem Grund ist auch bereits eine Wiederholung der Veranstaltung geplant: Am 11. März 2027 kommen Habersack und Buß wieder zusammen - natürlich wieder im U1. Die gesamten Einnahmen der Veranstaltung werden darüber hinaus an das Projekt “Gambia” gespendet.

Premierenveranstaltung im U1 mit Stefan Buß und Franz Habersack. Fotos: Silas Messing