Den absoluten Höhepunkt des Jubiläums bildete am Sonntagnachmittag der traditionelle Festzug durch die volle Innenstadt. Als Moderator an der Strecke fungierte in bewährter Manier Andreas Heß, der die Zuschauer auf den traditionsreichsten Moment des Festsonntags einstimmte. Heß betonte in seiner Ansprache, dass ein solcher Festzug Geschichten von Vereinen, Generationen, Freundschaften und Heimat erzähle. Zugleich rief er dazu auf, stolz auf die 50-jährige Geschichte, die Wirte und die ehrenamtlichen Helfer zu sein: „Tradition bedeutet nicht, dass alles immer so bleiben muss, wie es einmal war. Tradition bedeutet, dass wir wissen, wo wir herkommen – und dass wir das Gute aus unserer Geschichte mit in die Zukunft nehmen.“ Trotz wechselhaften Wetters säumten tausende begeisterte Zuschauer die Straßen, als sich ein farbenfroher Lindwurm aus stolzen 39 Gruppen den Weg bahnte. Angeführt wurde das Spektakel von einem Traktor von Oliver Werner, in dessen Frontlader – auch als Premiere – Heß Platz nahm, um den Beginn von oben zu kommentieren. Es folgte der Gewerbe- und Verkehrsverein Tann, bei dem sich die Ehrengäste einreihten. Der Verein, der als Ausrichter auch für Märkte wie den Maimarkt, den Allerheiligenmarkt und das Format „Handgemacht“ verantwortlich zeichnet, nutzte den Auftritt für einen Appell an die Gäste, den lokalen Betrieben und der Gastronomie auch künftig treu zu bleiben.
Im weiteren Verlauf des Zuges sorgten die Gesangsformationen „Goldkehlchen“ und „Magic Voices“ ebenso wie die Musiker des MusikCorps Tann und die „Rhöner Dudler“ mit klangvollen Stücken für beste Laune. Neben den Ortsvorstehern im Festwagen präsentierte sich die Trachtengruppe Tann, während mehrere Kirmesgruppen sowie Jenny Faber mit ihren Tieren die Blicke auf sich zogen. Auch die Jugend der JSG Rhön, der Ski-Club des SV Tann und der heimische Rhönklub setzten farbenfrohe Akzente. Eine Premiere im Zug feierten die Metzgerei Strauß, die Eberhardschule Tann sowie die „Redneck Bow Hunters“. Mit dabei waren auch der offene Lauftreff Tann und der Reitverein Hundsbach. Lautstarke Höhepunkte waren die Kirmesgesellschaften aus Habel und Günthers sowie die Volkstanzgruppe „Die Nässetaler“ und die Trachtengruppe Stepferhausen, gefolgt von den Schützenvereinen aus Tann und Habel. Den zünftigen Abschluss bildeten die Fußgruppe Tann aus Niederbayern, die Freiwillige Feuerwehr, das DRK samt Reiterstaffel sowie eine imposante Parade aus Oldtimer-Bulldogs. Es gab auch einen Ausblick auf das kommende Jahr: Die Kirmespaare 2027 präsentierten sich. Ploatz Finn Witzel sagte: „Die Truppe steht, die Vorfreude steigt und wir sind sowas von bereit.“
Dank an Helfer und Freude über Förderung
Nach dem langen Festzug – Bürgermeister Matthias Gelbe meinte zu Andreas Heß, dieser sei der Thomas Gottschalk der Rhön und würde die Zeit immer etwas überziehen – ließen es die Ehrengäste bei kurzen Redebeiträgen. Matthias Gelbe dankte den vielen ehrenamtlichen Helfern, ohne die ein solches Fest mit Tausenden Besuchern nicht möglich wäre. Ganz besonders begrüßte er die Gruppe aus dem Markt Tann in Niederbayern mit dem dortigen Bürgermeister Wolfgang Schmid an der Spitze. Diese war in mehrtägiger Anreise mit dem Fahrrad gekommen. Zur Freude von Gelbe in Begleitung eines Busses, in dem einige Fässer Bier und ein Spanferkel Platz gefunden hatten. Gelbe war entsprechend begeistert: „Ihr seid verrückt. Wunderbar, dass ihr da seid.“ Landrat Bernd Woide schloss sich dem Dank an das Ehrenamt an und war zuversichtlich für die nächsten 50 Jahre: „Wenn das Fest weiter so viel Esprit hat, ist man für die nächsten Jahrzehnte auf der richtigen Seite.“ Auch im Namen von Michael Ruhl (Staatssekretär im Hessischen Heimatministerium), dem örtlichen Landtagsabgeordneten Sebastian Müller und dem örtlichen Bundestagsabgeordneten Michael Brand (alle CDU) brachte Woide Fördermittelzusagen in Höhe von 900.000 Euro für die örtliche Entwicklung von Tann mit. Ruhl, Brand und Müller schlossen sich dem Dank an die Ehrenamtlichen an.
Fassanstich mit einem Schlag
Im Anschluss an den Vorbeimarsch folgte der Fassanstich durch Bürgermeister Gelbe. Für die Zuschauer eher unspektakulär mit nur einem einzigen Schlag. Bei grauem Himmel mit zeitweise leichtem Nieselregen lud der Marktplatz bei bester Stimmung, kulinarischen Angeboten der Wirte und anregenden Gesprächen zum Verweilen und gemeinsamen Feiern bis in den Abend hinein ein. Auf rund 3000 Quadratmetern verwandelte sich die historische Innenstadt in eine bunte Erlebnismeile. Bürgermeister Matthias Gelbe zog eine durchweg positive Bilanz des Festsonntags: „Es geht mir wirklich das Herz auf, wenn ich sehe, wie gut das neue Konzept angenommen wird. Wir haben hier anspruchsvolle Kulinarik, hervorragende Musik und gleichzeitig die Tradition unseres Wirtefestes. Genau diese Verbindung macht Tann an diesem Wochenende zu einem besonderen Ort.“
Ein absoluter Anziehungspunkt war das lebendige Museumsdorf, das vom Gewerbeverein und der Trachtengruppe Tann gemeinschaftlich organisiert wurde. Unter der Regie von Otto Adelmann tauchten die Besucher tief in die Geschichte und das Brauchtum der Heimat ein. Gezeigt wurden historische Handwerkstechniken wie das Korbflechten, das traditionelle Rechenmachen sowie Vorführungen an der Spinnstube und der Schnibbelbank. Zu festen Uhrzeiten konnten die Gäste zudem das Weben hautnah miterleben, während auf dem Gelände Schafe und Federvieh für eine authentische ländliche Kulisse sorgten. Ein parallel veranstaltetes Gewinnspiel kam vollends dem guten Zweck – dem Kinder- und Jugendhospiz „Kleine Helden“ – zugute. Auch kulinarisch ließ das Museumsdorf keine Wünsche offen und verwöhnte die Gäste mit Zwiebelsploatz direkt aus dem Backhaus sowie traditioneller Blutwurst, Bratkartoffeln und „Gro Melich“ zum Probieren.
