Lokales HEF 17.09.2026

Goldener Haunetaler für Bachmann – Haunetal würdigt Ehrenamtliche

Neukirchen – Von Silas Messing – Sie fahren Essen auf Rädern, trainieren Kinder, engagieren sich in der Feuerwehr, Kirche, im Sportverein oder in den politischen Gremien: Beim zweiten Ehrenamtsfest der Marktgemeinde Haunetal standen am Donnerstagabend im Bürgerhaus Neukirchen diejenigen im Mittelpunkt, die sich für ihre Gemeinde und ihre Mitmenschen einsetzen. Neben mehreren Talkrunden und der Verabschiedung ausgeschiedener Mandatsträger gab es einen besonderen Höhepunkt: Erich Bachmann wurde mit dem Goldenen Haunetaler, der höchsten Auszeichnung der Gemeinde, geehrt. Für Unterhaltung sorgte zudem ein prominenter Gast: der ehemalige Eintracht-Frankfurt-Trainer Dragoslav Stepanović.

Dragoslav Stepanović und Timo Lübeck. Foto: Silas Messing.

„Heute sollen Sie alle im Mittelpunkt stehen: diejenigen, die sich ehrenamtlich für unsere Gemeinde, für unsere Gemeinschaft engagieren“, sagte Bürgermeister Timo Lübeck zur Begrüßung. Ehrenamtliche hätten nicht mehr Freizeit als andere, sondern oft nur „ein schwaches Nervenkostüm, wenn es um das Wort Nein geht“, zitierte Lübeck einen Spruch und sorgte damit für die ersten Lacher des Abends.

Hinter dem humorvollen Einstieg steckte für den Bürgermeister eine ernste Botschaft. „Nur wenn ein paar Menschen in einer Gemeinschaft bereit sind, mehr zu tun, als sie eigentlich tun müssten, dann wird aus einer Gesellschaft auch eine Gemeinschaft“, sagte Lübeck. Das Ehrenamt in Haunetal sei dabei so vielfältig wie die Gemeinde selbst – von den Ortsbeiräten über die Feuerwehr und Sportvereine bis zu Kirchenvorständen, Elternbeirat und Mehrgenerationenhaus.

Wie vielfältig dieses Engagement ist, wurde anschließend in einer Talkrunde deutlich. Moderatorin und Erste Beigeordnete Ulrike Klawonn sprach mit Karl-Günter Appel über Essen auf Rädern und den Bürgerbus, mit Birgit Binder über ihr Engagement im Kirchenvorstand und weiteren Bereichen, mit Jugendfeuerwehrfrau Jennifer Fuchs und Tobias Herbst aus dem Sportbereich.

Appel berichtete davon, wie viel ihm seine Tätigkeit zurückgibt. Besonders freue er sich, wenn die Menschen, die er bei Essen auf Rädern beliefert, ihm erzählen, dass ihnen das Essen geschmeckt habe. Manchmal entwickelten sich dabei auch persönliche Gespräche. „Ehrenamt persönlich ist für mich wie etwas Gutes jemandem anderen geben und dafür viel zurückzubekommen“, sagte er.

Auch für Binder steht die Gemeinschaft im Vordergrund. Durch ihr Engagement komme sie mit Menschen ins Gespräch, denen sie sonst vielleicht nie begegnen würde. Fuchs wiederum sprach über die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Feuerwehr. Besonders schön sei es, wenn man bei Übungsabenden und Aktionen merke, dass die Kinder wirklich Interesse zeigten. „Wir brauchen den Nachwuchs, das sind unsere Einsatzkräfte von morgen“, betonte sie.

Herbst, der sich unter anderem im Jugendfußball engagiert, nannte die jüngsten Fußballer als einen seiner schönsten Momente. „Wenn 50 Bambinis gleichzeitig bei den Sportfesten auf dem Sportplatz stehen und gegeneinander antreten“, zaubere ihm das ein Lächeln ins Gesicht. Dort gebe es noch Fußball „ohne Schwalbe, ohne Foul“.

Doch auch die Frage nach der Zukunft des Ehrenamts wurde diskutiert. Gerade jüngere Menschen wollten sich häufig eher projektbezogen engagieren und sich nicht sofort für mehrere Jahre binden. Binder plädierte deshalb dafür, niedrigschwellige Möglichkeiten zu schaffen und jungen Menschen früh Einblicke in Vereine und Organisationen zu geben. Fuchs sah vor allem die bereits Engagierten in der Verantwortung: Sie müssten Vorbilder für die nächste Generation sein und zeigen, dass sich gemeinsam etwas bewegen lasse.

Auch Lübeck warb dafür, einfach einmal auszuprobieren, sich einzubringen. „Es muss niemand Tag und Nacht fürs Ehrenamt arbeiten“, sagte er. Schon ein oder zwei Tage im Monat könnten einen Unterschied machen. Als Beispiel nannte er den Bürgerbus, für den die Gemeinde weitere Fahrer sucht. Wenn sich viele beteiligten, müsse der Einzelne entsprechend weniger übernehmen. „Wenn es auf vielen Schultern lastet, ist es für jeden weniger“, fasste Lübeck zusammen.

Im Mittelpunkt des Abends standen anschließend diejenigen, die sich in der vergangenen Legislaturperiode in den kommunalen Gremien engagiert hatten und nach der Kommunalwahl ausgeschieden sind. Bürgermeister Lübeck und der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Dr. Axel Schreiber, verabschiedeten Gemeindevertreter, Beigeordnete und Ortsvorsteher.

Lübeck fand für die Ausgeschiedenen jeweils persönliche Worte. Claudia Hofmann etwa habe sich erstmals in der Gemeindevertretung engagiert und darüber hinaus zahlreiche Tanzgruppen im Haunetal trainiert. Marc Blucha wurde insbesondere für sein Engagement beim FC Werder gewürdigt. Hans Glebe war von 2016 bis 2026 Mitglied der Gemeindevertretung und zuvor bereits im Ortsbeirat aktiv.

Bei Klaus Renschler hob Lübeck dessen Arbeit als Fraktionsvorsitzender hervor. Renschler sei ein „Aktenfresser“ gewesen, sagte der Bürgermeister augenzwinkernd. Wenn es umfangreiche Vorlagen gegeben habe, habe man sicher sein können, dass Renschler sie gelesen habe. Auch Lothar Herbst wurde für seine zehnjährige Tätigkeit als Beigeordneter gedankt.

Besonders lange hatten sich die ausgeschiedenen Ortsvorsteher engagiert. Tina Eisenbach war 15 Jahre Ortsvorsteherin in Müsenbach, Maren Kempf ebenfalls 15 Jahre in Mauers. Dirk Henkel hatte das Amt in Obergeis 15 Jahre inne und gehörte sogar 20 Jahre dem Ortsbeirat an. Michael Hofmann war zehn Jahre Ortsvorsteher in Schletzen-Roth und bleibt dem Ortsbeirat erhalten. Rainer Rest wurde ebenfalls für sein langjähriges Engagement als Ortsvorsteher gewürdigt.

Dann wurde es besonders feierlich. Mit dem Goldenen Haunetaler zeichnete die Gemeinde Erich Bachmann für jahrzehntelanges Engagement aus. Bachmann gehörte 33 Jahre dem Ortsbeirat an, war zehn Jahre Ortsvorsteher und 29 Jahre Mitglied der Gemeindevertretung. Darüber hinaus engagierte er sich unter anderem als Wehrführer und Vorsitzender des Feuerwehrvereins sowie im Kulturverein und beim Haune-Rock.

„Für all das wollen wir dir herzlich Danke sagen“, sagte Lübeck. Der Goldene Haunetaler sei die höchste Ehrenauszeichnung der Gemeinde und werde nur an wenige Menschen verliehen. Bachmanns Engagement habe auch den Zusammenhalt in seinem Ort maßgeblich geprägt.

Nach den Ehrungen gehörte die Bühne schließlich Dragoslav Stepanović. Der 78-Jährige blickte auf eine lange Karriere als Spieler und Trainer zurück. Als Spieler stand er unter anderem bei Roter Stern Belgrad, Eintracht Frankfurt, Vojvodina Novi Sad und Manchester City unter Vertrag. Als Trainer arbeitete er unter anderem bei Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen.

Natürlich durfte dabei sein berühmtester Satz nicht fehlen: „Lebbe geht weiter.“ Stepanović erinnerte daran, dass die Worte nach dem verlorenen Meisterschaftsfinale der Eintracht 1992 längst zu seinem Markenzeichen geworden sind. Entstanden seien sie allerdings nicht erst an jenem Abend. Der Satz stamme von seiner Mutter, erklärte Stepanović. Nach Rückschlägen müsse man weitermachen, nach vorne schauen und dürfe sich nicht dauerhaft mit dem beschäftigen, was passiert sei.

Auch seine eigene Karriere lieferte genügend Geschichten. So erzählte Stepanović von seinen Anfängen im Fußball, von seinen Eltern, die zunächst gegen eine Profikarriere waren, und von seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt. Mit seiner lockeren Art sorgte er dabei immer wieder für Lacher im Bürgerhaus.

Auch sein Engagement abseits des Profifußballs kam zur Sprache. Stepanović engagierte sich unter anderem im Behindertensport und in der Flüchtlingshilfe. Er berichtete davon, sechs Jahre lang Kinder mit geistiger Behinderung trainiert zu haben. Für ihn sei es selbstverständlich, dort zu helfen, wo Hilfe gebraucht werde.

So schloss sich an diesem Abend ein Kreis: Es ging um Fußball, bekannte Namen und Geschichten aus einer langen Karriere – vor allem aber um Menschen, die ihre Zeit für andere einsetzen. Das Ehrenamtsfest zeigte, dass Engagement in Haunetal viele Gesichter hat. Manche stehen dabei im Rampenlicht, andere arbeiten eher still im Hintergrund. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass aus einer Gemeinde eine Gemeinschaft wird.

2. Haunetaler Ehrenamtfest. Fotos: Silas Messing.