Lokales FD 22.09.2026

Geschichte und Musik erleben - Ausstellung in HLSB Fulda eröffnet

Fulda (pm/gü) – Mit neuen Erkenntnissen zur lokalen Musikgeschichte, sowie mit Cembalo, Geige und Gesang wurde in einem feierlichen Rahmen dem Hofkapellmeister Giovanni Battista Pauli gedacht, der im 18. Jahrhundert in Fulda wirkte. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Bischöflichen Kirchenmusikinstitut in der Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek (HLSB) statt und war die Eröffnung einer Sonderausstellung, die bis zum 9. Oktober in der HLSB am Heinrich-von-Bibra-Platz zu sehen ist.

Von links: Ulrich Moormann, Vittorio Vanini und Harald Kraus beim Betrachten der Noten zu Bachs Musikalischem Opfer. Fotos: HLSB Fulda.

Harald Kraus bei seinem Vortrag

Bei seiner Begrüßung dankte Alexander Maul, Leiter der Abteilung Kulturerbe und Kulturgutschutz in der HLSB, allen Kolleg/-innen, die an der Planung und Durchführung der Veranstaltung sowie vor allem an der Umsetzung der Sonderausstellung „Sammlung und Transfer von musikalischem Wissen im barocken Fulda“ beteiligt waren. Sein besonderer Dank galt Ulrich Moormann, der als Regionalkantor die Idee zu dieser Kooperation hatte und maßgeblich die Ausstellung konzipierte.

Gastredner war der aus Fulda stammende Musikpädagoge Harald Kraus, der am Wirsberg-Gymnasium in Würzburg tätig ist. Er hat sich in der Vergangenheit mehrfach mit Pauli beschäftigt. So war es für ihn ein leichtes, das anwesende Publikum mit seiner unterhaltsamen Art zu fesseln und teils komplexe musikalische Zusammenhänge verständlich darzustellen. Kraus stellte hierbei die These auf, dass der gebürtig aus Rom stammende Giovanni Battista Pauli von Fürstabt Constantin von Buttlar um 1720 nach Fulda geholt wurde, da dieser anlässlich seiner Bestrebungen, Fulda in den Rang eines Bistums erheben zu lassen, in vielen Bereichen seine Hofhaltung ausbaute. So wurden ab dem Jahr 1720 systematisch Instrumente und Noten für Fulda angeschafft. Gleichwohl erfolgte die Erhebung zum Bistum erst 1752.

Harald Kraus konnte anhand entsprechender Rechnungen aufzeigen, dass Pauli mit einem Jahresgehalt von 250 Gulden eine stattliche Vergütung erhielt. Anhand zweier unlängst entdeckter Briefe wurde der Beginn der Hofmusik unter Constantin von Buttlar und Adolph von Dalberg aufgezeigt. Pauli hatte zeitlebens weiter gute Kontakte nach Italien und war mit wichtigen Personen seiner Zeit vernetzt. Einen zweiten Schwerpunkt des Vortrags bildete das „Musikalische Opfer“ von Johann Sebastian Bach. Einer der derzeit noch bekannten 18 Erstdrucke wurde in Fulda erworben und wird in der HLSB aufbewahrt. Pauli war es, der einen Teil dieser Drucke aus Fulda an Giovanni Battista Martini nach Bologna schickte, wo sie heute noch verwahrt werden: Ein bemerkenswerter Transfer eines musikalischen Meisterwerks aus Leipzig über Fulda nach Bologna und das noch zu Bachs Lebzeiten.

Für den musikalischen Rahmen sorgte am Cembalo Vittorio Vanini, der Regionalkantor des Bistums Fulda für Hanau. Harald Kraus musizierte selber Ausschnitte aus Paulis Kantate „Goder potremo“, das neben seiner Messe von 1728 einzige noch erhaltene Werk. Im Anschluss wurde die Ausstellung, in der auch der Erstdruck des „Musikalischen Opfers“ zu sehen ist, feierlich eröffnet. Neben Pauli, Martini und Bach werden in der Ausstellung auch die beiden in Fulda tätigen Johann Heinrich Fischer und Fructuosus Röder beleuchtet, die ebenfalls an der Rezeption des Protestanten Bach im katholischen Fulda eine Rolle spielten. Die Ausstellung ist noch bis zum 9. Oktober in der HLSB Fulda am Standort Heinrich-von-Bibra-Platz zu sehen.