Lokales FD 25.09.2026

Evangelische Pfarrerin Jana Koch-Zeißig geht „dankbar und neugierig“

Fulda (pf) – Es war ein bunter und emotionaler Abschied an der Christuskirche Fulda: Am Freitag durfte sich Pfarrerin Jana Koch-Zeißig über viele liebe Worte und die Anwesenheit zahlreicher Weggefährten freuen. Sie wird fortan im Referat Gemeindeentwicklung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) in Kassel tätig sein – doch ganz aus Fulda werden ihr Name und ihre kreativen Ideen nicht verschwinden.

Von links: Dekan Dr. Thorsten Waap, Uta Born aus dem Kirchenvorstand, Jana Koch-Zeißig und Dr. Rüdiger Jungbluth aus dem EKKW-Referat Gemeindeentwicklung, für das Koch-Zeißig künftig arbeiten wird. Foto: Pascal Fischer

Die ganze Christuskirchengemeinde war gekommen, um sie zu verabschieden: Jana Koch-Zeißig hatte zehn Jahre lang in Fulda gewirkt, gestaltet und Gottesdienste gefeiert. Nun stand sie am Freitag im Mittelpunkt der großen Feier auf der Kirchwiese, wo Musik und gute Wünsche den passenden Rahmen bildeten.

„Still und förmlich – das wäre kein Abschied in Janas Format“, schmunzelte Uta Born, Vorsitzende des Kirchenvorstands der evangelischen Christuskirche Fulda. Stattdessen schauten viele Weggefährten zurück auf die gemeinsame Zeit. Philipp Sommerlath aus dem Kirchenvorstand führte durch den Abend und ließ viele Menschen zu Wort kommen. Er selbst betonte vorweg: „Es war eine bewegte Zeit mit dir, Jana. Du warst nah an den Menschen, offen für neue Begegnungen und hast kleine und große Projekte umgesetzt“.

Zur Sprache kam unter anderem die Corona-Zeit, als Koch-Zeißig „einen Vogel hatte“: Sie entwickelte damals die Idee, gute Nachrichten zu sammeln, die in den Medien Mangelware waren. Als Botschafter dafür hatte sie ein Rotkehlchen ausgesucht, das im Altarraum hin und an das im Laufe der Zeit über 250 gute Nachrichten der Kirchengemeinde angebracht worden waren. Aus Abstand ist damals Nähe geworden – nichts zu tun, sei für die Pfarrerin keine Option gewesen. Heute ist der Vogel im Vonderau-Museum zu sehen.

Auch der Ostergarten war für die Redner ein tolles Beispiel für das kreative Wirken von Jana Koch-Zeißig in Fulda, ebenso das Lucia-Fest, das die schwedische Weihnachtstradition nach Fulda brachte. Karin Gerlich berichtete von den Anfängen und davon, wie ein Schriftzug auf einem T-Shirt die Idee hervorrief: „Die Premiere war dann sehr überraschend – die Kirche war randvoll“. Seitdem sei ein Lucia-Chor entstanden, und aus einem Versuch wurde ein jährlicher Treffpunkt am 13. Dezember.

Ebenso habe die Gemeinde feste Termine wie die Taufaktion oder den Liebessegen Koch-Zeißig zu verdanken. Und Pfarrer Jörg Scheer brachte es auf den Punkt: „Jana – dir scheinen die Ideen nicht auszugehen“. Er knüpfte daran an, als er vom Pop-up-Biergarten in Kooperation mit dem Rädchen berichtete. Hunger, Durst und Segen wurden auf unkonventionelle Art vereint, doch die Kirche blieb in Ort der Begegnung. „Es war wie ein kleiner Central Park hier in Fulda“, lachte Scheer. Auch das Yoga im Park oder der mobile Wasserspielplatz hätten die Kirchwiese immer wieder belebt.

Die gute Nachricht für alle Anhänger der Kirchengemeinde: Mit einer Viertelstelle wird Jana Koch-Zeißig erhalten bleiben und das Servicebüro „herzlich evangelisch“ koordinieren. Damit würde für innovative Gottesdienstformate auch weiterhin gesorgt sein, freuten sich die Verantwortlichen. Und Koch-Zeißig bleibe eine „wunderbare Kollegin“, die sie auch bisher war, ließ Verwaltungsassistentin Sandra Keil an die Gemeinde ausrichten.

Auf einen „Tee mit Gott – so nennt die Pfarrerin ihre Sonntagsgedanken in der FZ, die sie auch weiterhin schreiben werde – nahm Koch-Zeißig die Besucher dann in ihrer Dankesrede einmal mit. Und sie berichtete Gott dabei rückblickend auf zehn Jahre in Fulda: „Ich denke an ein wunderbares Team, die hauptamtlichen Kollegen, viele Ehrenamtliche. Ich denke an Menschen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben und mich in ihre Türen haben treten ließen“. Die vielen Projekte, so Koch-Zeißig, waren nur die Namen – „aber gefüllt wurden sie durch die Menschen“. Herausforderungen gehörten dazu, doch auch wenn manches anders lief als geplant, gehe sie mit einem weinenden und einem lachenden Auge nach Kassel. „Die Tasse wird weiterhin gut gefüllt“, sagte sie: „Ich muss nur noch lernen, nicht ungefragt den Teebeutel auszusuchen“. Koch-Zeißig kündigte an, dass manches Bewährtes in der Kirchengemeinde bleiben, anderes aber auch neu werde. Und das sei gut so. „Bereit bin ich noch nicht ganz“, sagte sie zu Gott am Tisch bei einer Tasse Tee: „Aber ich bin sehr dankbar für das, was sehr, und sehr neugierig auf das, was kommt“.

Anschließend lud Uta Born die Kirchengemeinde dazu ein, Ideen und Anregungen niederzuschreiben und an einer Staffelei anzubringen. Bei guten Gesprächen, Musik und Verpflegung klang der Abschied, der kein kompletter Abschied von Ehefrau und Mutter Jana Koch-Zeißig war, bei bestem Wetter im Schatten der Christuskirche aus.