100 Kilometer nordwestlich von Warschau musste MT-Cheftrainer Roberto Garcia Parrondo gegen den polnischen Vizemeister auf zwei seiner etatmäßigen Rückraumspieler verzichten: Dani Dujshebaev und Dainis Kristopans waren beide nicht mit dem Team nach Plock gereist.
Die MT somit ohne Linkshänder im Rückraum, aber mit Forsell Schefvert, Luca Sigrist und Reynir Thor Stefansson. Johannes Golla begann am Kreis und Florian Drosten und Dimitri Ignatow auf den Außen sowie Nebojsa Simic im Tor.
Bei ihrer Auswärtspremiere machte die MT in dieser lautstarken und ungemütlichen Orlen Arena von Beginn an ein richtig gutes Spiel. Gleich zu Beginn war es Sigrist, der vor über 3600 Zuschauern zwei Mal sehenswert gegen Mirko Alilovic einnetzte. Doch der polnische Vizemeister setzte ebenfalls seine Treffer und kam durch den dänischen Rechtsaußen Frederik Bjerre früh zu zwei Siebenmetertoren.
Mit viel Leidenschaft und konsequenter Abwehrarbeit biss sich die MT in die Begegnung. Golla markierte mit all seiner Erfahrung den 5:5-Ausgleich (8. Minute). Nur Minuten später markierte Drosten, nach langem Pass von Simic, die erste MT-Führung beim 6:5, die Golla nach einer Viertelstunde sogar auf 9:7 ausbaute.
Mann der ersten Hälfte war aber der junge Stefansson. Der agile Isländer suchte im Angriff ständig die Zweikämpfe und tanzte seine Gegenspieler gleich mehrmals aus. Dank seiner Treffer zum 11:10 und 12:11 behauptete die MT die Führung.
Das sah schon richtig gut aus, was das MT-Team in den schwarzen Trikots da auf die Platte brachte. Und auch wenn nicht jeder Pass ankam, im Angriff hatte Parrondo seine Mannschaft im spanischen Trainerduell sehr gut auf den Gegner eingestellt. Nach einer Parade von Simic fand Aaron Mensing seinen Kreisläufer Ruben Marchan, der für die MT erneut die Zwei-Tore-Führung herstellte (23.), die Melsungen auch mit in die Pause nahm.
Das erste Spiel dieser Gruppenphase hatte Plock in Nantes verloren, dementsprechend motiviert kamen die Gastgeber aus der Kabine und schickten sich an, die Partie zu drehen. Mit ihrer zweikampfbetonten Deckung ließen die Polen nur drei MT-Tore in den ersten 15 Minuten nach Wiederanpfiff zu, glichen selbst aus und gingen beim 20:18 wieder mit zwei Toren in Front.
Melsungen blieb weiter auf Augenhöhe mit den Gastgebern. Nach dem 20:20 durch Adrian Sipos war dank einer aufopferungsvollen Abwehrleistung wieder alles drin. Dann zündete auch Simic: Nach einer Glanztat bediente er Ignatow im Tempogegenstoß, der zur erneuten Melsunger Führung beim 22:21 traf.
Die Schlussphase blieb heiß und die MT schaffte es weiter vorzulegen. Erst Drosten per Siebenmeter zum 23:21, dann Ignatow mit dem 24:22. Die MT hatte den polnischen Vizemeister am Rande der Niederlage, doch dieser berappelte sich noch einmal in der Abwehr.
In der Crunchtime stand das Spiel Spitz auf Knopf. Stefansson und Mensing scheiterten aus der Distanz an Alilovic, der nun immer mehr zum Faktor für Plock wurde. Unter dem Jubel der Fans fiel der 24:24-Ausgleich. Dann kochten die Emotionen hoch. Nach Videobeweis flog Golla mit Zeitstrafe von der Platte. Die MT musste die letzten Minuten in Unterzahl bestreiten. Kosorotov nutzte die Überzahl und warf die Polen mit 25:24 in Front.
Doch die MT steckte nicht auf. Parrondo nahm die Auszeit, um mit wenigen Sekunden auf der Uhr noch den Ausgleich zu erzwingen. Doch gegen die zweikampfstarke Defensive der Hausherren gab es kein Durchkommen. Stefansson wurde bei seinem Wurfversuch rüde gefoult. Der direkt ausgeführte Freiwurf von Mensing landete in der Mauer. Aus. Keine Punkte für die MT, die aber ein sehenswertes Spiel gezeigt hatte und sich mit erhobenem Haupt aus Plock verabschieden durfte.
