Die Grünen begründen ihre Anfrage mit der Verkehrssicherheit im Fuldaer Ortskern Edelzell. „Menschen sollten in Fulda auf allen Verkehrswegen sicher unterwegs sein können“, schreiben sie. Leider sei die Verkehrssicherheit an Straßen und Kreuzungen „oft noch ausbaufähig“. Auch kleinere Maßnahmen könnten bereits für spürbare Verbesserungen sorgen.
Die Edelzeller Kreuzung sei durch eine stark befahrene Durchfahrtsstraße geprägt, auf der unter anderem mehrere Buslinien verkehren. „Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen, weil Autos auf die sehr enge Kreuzung schnell zufahren können und das Abbiegen schwer einzusehen ist“, schreiben die Grünen in ihrer Anfrage. Die Kreuzung sei sehr unübersichtlich, zudem würden Pkw häufig „mit voller Beschleunigung auf die grünen Ampeln zu“ fahren.
Kritisch sehen die Grünen außerdem die Ampelschaltung. Die Grünphasen von abbiegenden Pkw und Fußgängern seien identisch. Die bislang getroffenen Maßnahmen hätten aus ihrer Sicht keine wirkliche Verbesserung gebracht. Als Beispiel nennen sie das Blinklicht an einem Fußgängerüberweg.
Die Stadt hat die Situation daraufhin genauer unter die Lupe genommen. Am 27. August beobachtete die Straßenverkehrsbehörde die Kreuzung zwischen 7.30 und 8 Uhr. Bis etwa 7.50 Uhr sei der Verkehr erhöht gewesen. Dabei habe es sich nahezu ausschließlich um Pkw gehandelt. Hinzu kamen ein Lastwagen, zwei Schulbusse sowie einige Radfahrer und Motorradfahrer und zwei Nutzer von E-Scootern.
Auch die Fußgänger wurden bei der Beobachtung erfasst. Vier Grundschulkinder überquerten die Kreuzung alleine, elf weitere wurden von Erwachsenen begleitet. Nach Angaben der Stadt sei die Sicht auf querende Fußgänger und auf die Fußgängersignale an allen vier Einmündungen gut gewesen.
Eine Einschränkung gibt es allerdings: Für Rechtsabbieger aus der Chattenstraße sei das Fußgängersignal aufgrund der baulichen Geometrie nur teilweise einsehbar. Aus diesem Grund sei bereits 2022 ein gelbes Blinklicht installiert beziehungsweise angeordnet worden, das auf querende Fußgänger aufmerksam machen soll. Gerade in verkehrsärmeren Zeiten könne es laut Stadt dennoch vorkommen, dass ein Fahrzeug bei Grün zügig nach rechts in Richtung Hohenlohestraße abbiegt.
Eine Gefährdung von Fußgängern habe die Verkehrsbehörde während ihrer Beobachtung allerdings nicht festgestellt. Auch die Querungszeiten seien ausreichend. Dass Fahrzeuge und Fußgänger teilweise gleichzeitig Grün haben, sei bei der bestehenden Ampelschaltung üblich und damit „normal“, erklärt die Stadt.
Zusätzlich wurde die Polizei nach dem Unfallgeschehen an der Kreuzung gefragt. In den vergangenen drei Jahren habe es dort vier Unfälle gegeben, in den vergangenen fünf Jahren insgesamt zehn. An keinem dieser Unfälle seien Fußgänger beteiligt gewesen. Die Kreuzung werde von der Polizei daher nicht als Unfallschwerpunkt eingestuft. Auch seien der Polizei keine weiteren gefährlichen Situationen mit Fußgängern bekannt.
Auf Grundlage der eigenen Beobachtung und der Rückmeldung der Polizei zieht die Stadt deshalb ein klares Fazit: „Aufgrund der Beobachtungen und der Aussage der Polizei besteht keine besondere Gefährdungslage für Fußgänger.“
Eine Änderung der Ampelschaltung, wie sie zur zusätzlichen Absicherung der Fußgänger möglich wäre, hält die Stadt deshalb ebenfalls nicht für erforderlich. Aufgrund der bestehenden Fahrbahnaufteilung gebe es keine Möglichkeit, die Fußgängerquerung über die Hohenlohestraße gemeinsam mit einem nicht konfliktbehafteten Verkehrsfluss zu schalten. Eine separate Fußgängerphase wäre grundsätzlich denkbar. In diesem Fall dürften während der Grünphase für die Fußgänger jedoch keine Fahrzeuge in den Kreuzungsbereich einfahren.
Das würde nach Einschätzung der Stadt die Umlaufzeit der Ampelanlage deutlich verlängern und damit insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten längere Wartezeiten und Rückstaus für den motorisierten Verkehr verursachen. „Aufgrund der Beobachtung der Verkehrsbehörde und den Feststellungen der Polizei besteht hier jedoch kein Bedarf, durch eine solche Maßnahme die Verkehrsqualität nachhaltig zu verschlechtern“, heißt es in der Antwort.
Ein weiterer Punkt der Anfrage betrifft die Geschwindigkeit der Fahrzeuge beim Abbiegen aus der Chattenstraße in die Hohenlohestraße. Die Stadt bestätigt, dass die bauliche Situation dazu beiträgt: Die Chattenstraße mündet in einem sehr flachen Winkel in die Hohenlohestraße. Eine rechtwinkligere Führung könnte dazu führen, dass Fahrzeuge langsamer abbiegen.
Eine solche bauliche Veränderung sei allerdings nicht möglich. Dafür müssten die bestehenden Einmündungen verändert werden, gleichzeitig würden die vorhandenen Gebäude eine Neugestaltung der Kreuzung begrenzen.
Damit bleibt die Einschätzung der Verkehrssituation unterschiedlich: Die Grünen sehen an der Edelzeller Kreuzung weiterhin Verbesserungsbedarf und verweisen auf die aus ihrer Sicht unübersichtliche Situation und das Verhalten der Autofahrer. Die Stadt verweist dagegen auf die Ergebnisse ihrer Beobachtung, das Unfallgeschehen und die Einschätzung der Polizei und sieht derzeit keine besondere Gefährdungslage für Fußgänger.
