In einem hochklassigen Finale gegen den Schweden Elias Ranefur musste sich Ovtcharov nach einer 3:1-Satzführung in einem dramatischen Entscheidungssatz nach vier abgewehrten und zwei nicht genutzten Matchbällen denkbar knapp mit 13:15 geschlagen geben. Ranefur feierte damit seinen ersten Einzeltitel bei einem WTT Contender.
Ovtcharov und sein acht Jahre jüngerer Finalgegner waren zuvor erst einmal aufeinandergetroffen – interessanterweise ebenfalls in Panagyurishte. Beim damaligen World-Tour-Turnier gewann der Deutsche 2017 zunächst das Achtelfinalduell mit Ranefur und anschließend auch den Titel. Es war einer von bislang insgesamt zwölf Einzelerfolgen Ovtcharovs bei Turnieren der World Tour und WTT Series. Neun Jahre später stand der ehemalige Weltranglistenerste beim Wiedersehen mit Ranefur vor einem erneuten Titelgewinn in Bulgarien. Nach starkem Beginn gewann Ovtcharov auch den zweiten Satz trotz eines 6:9-Rückstands und ging mit 2:0 in Führung. Ranefur verkürzte, doch mit einem 11:9 im vierten Durchgang stellte der Deutsche den Zwei-Sätze-Vorsprung wieder her.
Abschütteln ließ sich der kampfstarke Schwede jedoch nicht. Mit 11:5 und 11:9 erzwang er den Entscheidungssatz, in dem Ovtcharov nach einem 7:10-Rückstand zunächst drei Matchbälle abwehrte und anschließend selbst zweimal nur noch einen Punkt vom Turniersieg entfernt war. Doch beide Male glich Ranefur mit starken Rückschlägen aus entschied kurz darauf mit seinem insgesamt vierten Matchball das hochklassige Finale mit 15:13 für sich. Eine wirkliche Überraschung ist Ranefurs erster Contender-Triumph nicht. Mit konstant starken Leistungen etablierte sich der Rechtshänder in diesem Jahr hinter dem Olympiazweiten Truls Möregardh als Schwedens Nummer zwei. Für Schweden war es übrigens ein ganz besonderer Turniersonntag: Fast zeitgleich sicherte sich Möregardh beim WTT Champions in Macau ebenfalls den Titel.
Dimitrij Ovtcharov: „Es war ein gutes Turnier für mich“
Dimitrij Ovtcharov zog trotz der Niederlage eine positive Bilanz: „Es war ein Endspiel mit vielen unterschiedlichen Phasen. Leider wurde mir in einer wichtigen Phase Mitte des sechsten Satzes, der dann mit 9:11 wegging, ein Aufschlag abgezählt. Nach meinem Rückstand im Entscheidungssatz hätte ich bei meinen beiden Matchbällen sicher etwas besser spielen können. Aber nichtsdestotrotz war es insgesamt ein gutes Turnier für mich. Ich hätte sehr gerne gewonnen, aber Gratulation auch an Elias Ranefur. Er hat toll gespielt.“
Für den zweimaligen Olympiadritten und zweimaligen Europameister ist der zweite Platz in Panagyurishte eine weitere Bestätigung seiner guten Form der vergangenen Monate, in der er sich zurück in die Region der Top-20-Spieler vorarbeitete. Der gesundheitlich leicht angeschlagene World-Cup-Sieger von 2017 hatte auf dem Weg ins Finale reichlich Kräfte lassen müssen. Gegen den Franzosen Florian Bourrassaud sowie die Japaner Yuto Kizukuri und Ryuusei Kawakami benötigte er jeweils fünf Sätze. Erst im Halbfinale gegen den Belgier Cedric Nuytinck gelang ihm beim 3:1 ein Erfolg über eine kürzere Distanz.
WTT Star Contender Astana ab Dienstag mit neun DTTB-Assen
Nach dem knapp verpassten Turniersieg wartet auf Ovtcharov und acht weitere Deutsche in der kommenden Woche in Kasachstan mit dem WTT Star Contender Astana (15. bis 20. September) bereits die nächste Aufgabe. Am Austragungsort der Individual-Weltmeisterschaften 2027 zählen ab Donnerstag im Hauptfeld auch Dang Qiu, Patrick Franziska, Dimitrij Ovtcharov und Benedikt Duda hinter dem topgesetzten Europameister und Europe-Top-16-Sieger Alexis Lebrun aus Frankreich zum Kreis der Medaillenanwärter. Das Feld der Damen, in dem für Deutschland Nina Mittelham an den Start geht, wird angeführt von der Chinesin Wang Yidi.
Auch U21-Europameister Andre Bertelsmeier und Ricardo Walther bleibt aufgrund ihrer Weltranglisteneinstufung die zweitägige Qualifikation des mit 300.000 US-Dollar dotierten Turniers erspart. Dort kämpfen am Dienstag und Mittwoch Kay Stumper und Fanbo Meng um acht noch freie Plätze in der ersten Hauptrunde.
