Im Mai 2026 veröffentlichte Papst Leo XIV. die Enzyklika, welche eine weltweite Resonanz erzeugt habe und den Menschen in den Mittelpunkt stelle. Bischof Dr. Heiner Wilmer (Münster), Vorsitzender der Bischofskonferenz erklärte, dass der Papst als moralische Weltautorität klar machen würde, dass die Menschheit an einem Scheideweg steht, wenn sie Menschen nicht mehr ernst nimmt. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz (Paderborn), Vorsitzender der deutschen Kommission Justitia et Pax, sagte zu den Dokumenten: „Die Soziallehre ist kein abgeschlossenes Lehrbuch. Sie ist ein Auftrag zur politischen und gesellschaftlichen Urteilsbildung“.
„Die Würde des Menschen ist größer als jede Rechenleistung“, sagte Wilmer. Der Mensch besitze Würde – unabhängig von Leistung, Herkunft, Alter, Gesundheit oder digitaler Verwertbarkeit. Weshalb der Maßstab wichtig ist, was dem Menschen dient. „Eine menschenwürdigende Digitalisierung darf die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Globalem Norden und Süden, nicht vertiefen. Sie muss dem Gemeinwohl dienen und gerade denjenigen zugutekommen, die sonst übersehen werden“, so Wilmer.
Auch Bentz fokussierte sich auf die Menschenrechte: „Wenn Menschen lediglich als Datenpunkte, Arbeitskräfte oder Ressourcen betrachtet werden, wird die technische Effizienz zum Maßstab und die menschliche Würde zum nachgeordneten Faktor“. Bentz nannte wichtige Punkte neben der Frage, was KI technisch kann: „Entscheidend ist, wer über diese Technologie verfügt, wer von ihr profitiert, wer ihre Folgen trägt und wer über ihre Anwendung entscheidet“.
Gleichzeitig beleuchtete Wilmer auch das Potenzial der Künstlichen Intelligenz, das als hilfreiches Werkzeug genutzt werden könnte. Die KI sei jedoch nicht neutral, aufgrund der Interessen, wirtschaftlichen Macht und politischen Entscheidungen sowie Vorurteile derjenigen, die sie entwickeln, finanzieren und einsetzen. Eine zentrale Frage sei: „Dient sie dem Menschen – oder wird der Mensch ihr angepasst?“. Wilmer nannte auch Fragen für den Einzelnen, die er sich bezüglich der KI-Nutzung stellen kann: „Habe ich mehr Zeit für den Menschen oder mehr Zeit für die Maschine? Wem gilt meine Ausgeschlafenheit? Wem gilt mein Gehör?“.
Ein Aspekt sei laut Bentz auch die friedensethische Perspektive, die unter anderem Punkte wie die autonomen Waffensysteme und technologisch beschleunigten Kriegsführung einschloss. „Wenn KI-Entscheidungen über Leben und Tod beschleunigt, Verantwortlichkeiten verschleiert und die Schwelle zur Gewalt senkt, ist das eine zentrale friedensethische Herausforderung“, sagte Bentz.
Kardinal Reinhard Marx (München und Freising) sprach insbesondere die Medienarbeit an, die durch KI erleichtert werden könnte, Recherchen vereinfache und Zusammenhänge aufdecke. Daneben könnten auch negative Auswirkungen entstehen: „KI kann zu einem negativen Verstärker werden, der Desinformationen schneller und ungefilterter verbreitet, der manipulative Geschichten leichter erzählt“, so Marx.
Wichtig sei deshalb das Erkennen der Logiken der Medien und eine Allgemeinbildung. Die Kirchen dürften nicht nachlassen, in Medienbildung zu investieren. Papst Leo XIV. hätte dazu geschrieben: „Investieren wir in die Bildung, die bei uns selbst beginnt. Wir alle müssen uns dazu erziehen, in der digitalen Welt menschlich zu bleiben“.
Auch aufgrund der Kontrolle und Beeinflussung durch große Tech-Konzerne und der Verflechtung mit der Politik, zählte Marx einige Fragen auf: „Wie ist in diesem Kontext freie Meinungsbildung möglich? Wie kann sich Medienvielfalt unter diesen Bedingungen in einer Demokratie entfalten?“.
Der Papst sagte laut Marx: „Die Bedrohung der KI macht mich nicht so verrückt, dass ich nicht mehr schlafen kann“ – jedoch seien die nächsten Jahre entscheidend. Darin würde sich nach Marx folgende, für ihn sehr wichtige Frage zeigen: „Finden wir dienliche Lösungen, finden wir weltweite Selbstverpflichtung und Regeln, die dazu führen, dass dieses wunderbare, großartige Instrument nicht den Menschen kleiner macht, schädigt, und Polarisierung erhöht?“.
Wilmer glaubt, dass KI die Religion nicht ersetzen, sondern verändern werde: „Wir brauchen nicht weniger Religion, wir brauchen eine veränderte Religion, dass unser Denken, Handeln und Hoffen die Menschheit menschlicher macht und Licht für die Welt ist“.
Künstliche Intelligenz sei laut Marx wiederum gestaltbar, wenngleich er angab: „Es braucht jedoch Rahmenbedingungen und eine klare Wertorientierung für einen Einsatz, ebenso müssen Gerechtigkeits- und Chancenaspekte eine Rolle spielen. Eine rein ökonomisch und von Machtstreben getriebene Entwicklung fördert den Zusammenhalt der einen Menschheitsfamilie sicher nicht“.
