Die Worte Bensingers, die dieser bei der Einweihung des alten jüdischen Friedhofs in Fulda am 8. Juni gesprochen hatte, hebt Bischof Dr. Michael Gerber als bleibende Botschaft dieses Ortes hervor. Die unbedingte Würde des Menschen gründe in der Heiligkeit jeder Person als Geschöpf Gottes. Sie könne auch in extremen Situationen bis zur Unkenntlichkeit verdeckt, niemals aber ausgelöscht werden.
Ihre Unantastbarkeit sei deshalb nicht nur eine Forderung, sondern eine grundlegende Feststellung, schreibt der Bischof. Gerber verbindet damit den Wunsch, dass diese Würde für jeden Menschen jederzeit gegeben und geschützt sei.
Gottes Beistand
Als besonderen Moment der Friedhofseinweihung beschreibt der Bischof ein Gebet am großen Gedenkstein nach dem offiziellen Festakt. Eine Frau habe dort Psalm 23 auf Hebräisch gebetet. Besonders die Worte „Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Bedränger“ seien ihm dabei nahegegangen.
Darin komme für ihn eine doppelte Realität zum Ausdruck: Bedrängnis und die Erfahrung, von Gott gestärkt und genährt zu werden, könnten zugleich gegenwärtig sein. Für das neue Jahr wünscht Gerber den jüdischen Gemeinden, dass sie auch in Zeiten von Bedrängnis diese Erfahrung von Gottes Beistand machen können.
Jüdisches Neujahrsfest
„Rosch ha-Schana“ bedeutet auf Hebräisch „Kopf des Jahres“ und signalisiert damit den Anfang des neuen jüdischen Jahres. Der jüdische Kalender folgt der Mondbewegung um die Erde (zum Vergleich: Das weltliche Jahr in Deutschland richtet sich nach der Umkreisung der Erde um die Sonne). Mit „Rosch ha-Schana“ beginnen die „ehrfurchtsvollen Tage“. Diese enden mit dem Versöhnungsfest „Jom Kippur“ zehn Tage später.
