Vor gut drei Monaten war die Stadtbaurats-Wahl bereits Thema im Stadtschloss: Es gab eine geheime Abstimmung, nachdem die CDU beantragt hatte, die Wahl ohne öffentliche Ausschreibung durchzuführen. Es war eng – damals stimmten 30 von 57 Stadtverordnete dafür und 26 dagegen. Damit stand fest: Es gab weder einen Wahlvorbereitungsausschuss noch ein Ausschreibungsverfahren.
Kritik daran gab es unter anderem von der AfD, die bereits deutlich gemacht hatte, Schreiner nicht unterstützen zu wollen. Dennoch war es nur mehr oder weniger Formsache, dass der bisherige Amtsinhaber auch künftig das städtische Baudezernat führt. Wichtige und große Projekte stehen in den kommenden Jahren bevor – angefangen bei der Entwicklung des Goodyear-Areals.
Zu Beginn der Versammlung am Montagabend um 18 Uhr wählten die Stadtverordneten schließlich. Um 18.33 Uhr hatte jeder Wahlberechtigte seine Stimme abgegeben. Schnell stand das Ergebnis fest: 56 Wahlberechtigte waren anwesend, 40 davon stimmten für Schreiner. Damit kann er ab dem kommenden Jahr seine dritte Amtszeit beginnen.
Von der Deutlichkeit des Ergebnisses wirkte der Stadtbaurat zunächst etwas überrascht. Anschließend richtete er sich mit einer ausführlichen Rede an die Stadtverordneten. Dabei machte Schreiner deutlich, worauf er auch in den kommenden sechs Jahren besonderen Wert legen will: Stabilität, Transparenz und Fachlichkeit.
„Wir leben in einer anderen Zeit, die in ihren Auseinandersetzungen härter geworden ist. Das gilt auch für den politischen Raum“, betonte Schreiner. Häufig würden einzelne, sehr präsente und ablehnende Meinungen den Eindruck erwecken, sie stünden stellvertretend für eine größere Mehrheit. Gerade in einer solchen Situation sei Beständigkeit im politischen Handeln wichtig.
Dabei bedeute Beständigkeit für ihn keineswegs „ein lähmendes Verwalten“, betonte Schreiner. Vielmehr gehe es darum, langfristige Entwicklungen in den Blick zu nehmen, entsprechende Beschlüsse zu fassen und deren nachhaltige Umsetzung zu ermöglichen. „Dies führt im besten Sinne zu Stabilität, zu der ich seit zwölf Jahren beitragen darf und für die ich mich während der nächsten sechs Jahre weiter einsetzen werde.“
Ebenso wichtig sei für ihn Transparenz im kommunalpolitischen Diskurs. „Ich sage die Dinge, wie sie sind. Das ist aus meiner Sicht der einzige Weg, der zu Erfolg führen kann und langfristig verstanden wird“, sagte Schreiner. Grundlage seiner Entscheidungen bleibe dabei die Fachlichkeit.
„Jede gegenteilige Argumentation ist für mich in Ordnung“, betonte der Stadtbaurat. Es gebe jedoch keinen Grund, ihm zu unterstellen, andere als fachliche Grundlagen in seine Entscheidungen einzubeziehen. „Ideologien sind mir fremd, und ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass im Sinne unserer Stadt nur an der Sache orientiert gearbeitet wird.“
Für diesen Weg brauche es, so Schreiner, auch eine gewisse Geradlinigkeit. Dass ihm diese Eigenschaft zuvor von der Fraktionsvorsitzenden der CDU, Patricia Fehrmann, bescheinigt worden war, bezeichnete er als besondere Ehre. Er dankte ihr dafür, inmitten einer intensiven Debatte für einen gemeinsamen Weg eingestanden zu sein.
Schreiner dankte zudem denjenigen, die seine Wiederwahl unterstützt hatten – aber auch Stadtverordneten, die sich zumindest mit dem Gedanken einer Unterstützung beschäftigt hätten, letztlich jedoch an Fraktionsentscheidungen gebunden gewesen seien. Dafür habe er „größtes Verständnis“, sagte der Stadtbaurat. „Das gehört zu unserer Demokratie.“
Das Ergebnis von 40 Stimmen wertete Schreiner als deutliches Zeichen des Vertrauens. „Ob Sie nun für mich oder gegen mich gestimmt haben – ich werde weiter auf Basis von Fachlichkeit und Transparenz Beschlüsse vorbereiten. Jede gute Idee ist willkommen.“
Gleichzeitig kündigte der Stadtbaurat an, auch künftig „beharrlich und geradlinig“ auf die Umsetzung demokratisch gefasster Mehrheitsbeschlüsse zu dringen. Dabei wies er auch den Eindruck zurück, seine Wiederwahl aus persönlichen oder egoistischen Motiven angestrebt zu haben.
„Vor circa zwölf Jahren wurde ich gebeten, Verantwortung zu übernehmen. Seit dieser Zeit stelle ich mich in den Dienst der Gesellschaft“, hob Schreiner hervor. Daran werde sich auch in Zukunft nichts ändern – unabhängig von persönlichen Meinungen oder Motiven.
Deutlich wurde Schreiner auch mit Blick auf die Kritik an seiner Arbeit und den bisweilen erhobenen Vorwurf einer „arroganten Baupolitik“. „Es gibt bei dieser Arbeit keinen Platz für arrogante Baupolitik“, sagte er. Wer dennoch diesen Eindruck habe, sei eingeladen, direkt mit ihm ins Gespräch zu kommen: „Dann lade ich Sie herzlich ein, mit mir statt über mich zu reden.“
Zum Abschluss seiner Rede dankte Schreiner seinen Mitstreitern im Magistrat für die jahrelange und aus seiner Sicht sehr gute Zusammenarbeit. Sein Dank galt ebenso seinem Team im Baudezernat und beim Abwasserverband, mit denen er nun an der Entwicklung Fuldas mit gleichem Engagement weiterarbeiten könne.
Besonders emotional wurde es schließlich beim Dank an seine Freunde und seine Familie. Diese hätten ihm über die Jahre hinweg einen großen Rückhalt gegeben und seine häufige Abwesenheit mitgetragen. „Ich danke meiner wunderbaren Familie, die so vieles erduldet und mit mir erträgt“, sagte Schreiner.
Nach zwölf Jahren im Amt und der nun geglückten Wiederwahl blickt der Stadtbaurat damit auf die nächsten sechs Jahre. Gemeinsam mit den Stadtverordneten und seinem Team wolle er die anstehenden Entwicklungen in Fulda weiter vorantreiben – nach den Prinzipien, die er am Montagabend mehrfach betonte: fachlich, transparent und geradlinig.
Anschließend lud Schreiner die Anwesenden ein, nach Abschluss der Stadtverordnetenversammlung gemeinsam auf seine Wiederwahl und die kommenden sechs Jahre anzustoßen – im „Gaston“ im Konzeptkaufhaus Karl, dass erst im Juni seine Türen geöffnet hatte.
