Seit 1999 lädt die Stadt Fulda mehrmals im Jahr Menschen ein, die über das Einbürgerungsverfahren die deutsche Staatsangehörigkeit erworben haben. Diesmal kamen die 98 Neubürgerinnen und Neubürger aus insgesamt 28 verschiedenen Nationen. Die größten Gruppen stammten aus der Türkei mit 13 Personen und Afghanistan mit zwölf Personen. Jeweils acht Menschen kamen ursprünglich aus Syrien und Russland.
Wingenfeld begrüßte die Gäste im Fürstensaal und betonte die besondere Bedeutung des Tages. Die deutsche Staatsbürgerschaft sei zwar mit einer Urkunde verbunden, „aber sie ist weit mehr“. Sie bedeute ein Bekenntnis zum Land und zur Stadt. Gleichzeitig sprach der Oberbürgermeister den neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern Anerkennung für den Weg aus, den sie hinter sich gebracht haben. Eine Einbürgerung sei keine Selbstverständlichkeit, der Weg dorthin verlange viel.
Dabei erinnerte Wingenfeld auch an die Geschichte Fuldas. Gerade der Fürstensaal mache deutlich, wie sehr sich die Stadt im Laufe der Jahrhunderte verändert habe. Fulda sei seit jeher von Menschen geprägt worden, die von außerhalb kamen und ihre Fähigkeiten, ihre Kultur und ihre Erfahrungen mitbrachten. Handwerker aus Italien, der Schweiz oder Frankreich hätten ebenso zur Entwicklung der Stadt beigetragen wie viele andere Menschen, die hier eine neue Heimat gefunden hätten.
Der Oberbürgermeister richtete seinen Blick aber auch auf die Gegenwart. Viele der neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger wüssten aus eigener Erfahrung, dass Freiheit, Demokratie und Gleichheit keine Selbstverständlichkeit seien. Gerade diese Erfahrungen seien wichtig für die Gesellschaft. „Ich möchte Sie dazu ermuntern, sich einzubringen“, machte Wingenfeld deutlich. Die deutsche Staatsbürgerschaft bedeute nicht nur Rechte, sondern auch Verantwortung.
Besonders hob er dabei das Wahlrecht hervor. Die Menschen sollten von ihrem Recht Gebrauch machen und sich aktiv am demokratischen Leben beteiligen. Darüber hinaus warb Wingenfeld für Engagement im Sport, in der Kultur, im Ehrenamt oder auch in politischen Parteien. „Bitte seien Sie nicht so zurückhaltend“, appellierte er. Demokratie lebe davon, dass Menschen mitmachten und Verantwortung übernähmen.
Auch Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann stellte das Wahlrecht in den Mittelpunkt ihrer Ansprache. Viele der Eingebürgerten seien bereits in Fulda geboren und aufgewachsen, andere seien zum Arbeiten oder Studieren in die Stadt gekommen. Eines verbinde sie jedoch alle: „Sie haben sich entschieden, hier in Fulda zu bleiben.“ Mit der Einbürgerung hätten sie bewusst Ja zu Deutschland, zur Gesellschaft und zu Fulda gesagt.
Dieser Schritt habe Mut, Geduld und Ausdauer erfordert, sagte Hartmann. Nun seien die neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger dazu aufgerufen, ihre Möglichkeiten zu nutzen. „Wir leben in einer Demokratie und dieses Wahlrecht ist eines der wichtigsten Bürgerrechte, die wir in unserem Land haben“, betonte die Stadtverordnetenvorsteherin. Demokratie lebe allerdings nicht allein von Wahlen, sondern vor allem vom Mitmachen im Alltag – in Schulen und Kindergärten, in der Nachbarschaft, im Ehrenamt und in Vereinen.
„Unsere Stadt lebt von der Vielfalt“, sagte Hartmann. Die Menschen gehörten mit ihren persönlichen Geschichten, Erfahrungen, Fähigkeiten und Ideen dazu. Gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehe nicht von selbst. Er wachse dort, wo Menschen sich mit Respekt begegneten, Verantwortung füreinander übernähmen und sich als Teil einer Gemeinschaft verstünden.
Neben den politischen und gesellschaftlichen Rechten spielte beim Empfang auch ein praktischer Aspekt eine Rolle. Hartmann wies auf die Möglichkeiten des neuen deutschen Personalausweises hin. Mit der Online-Ausweisfunktion könnten zahlreiche digitale Verwaltungsleistungen genutzt werden. Mitarbeiterinnen des Fuldaer Bürgerbüros standen den neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern vor Ort zur Verfügung, um über die Funktionen des Ausweises zu informieren und bei der Einrichtung der persönlichen PIN zu helfen.
Besonders persönlich wurde der Empfang durch den Erfahrungsbericht von Elena Martou. Die Mitarbeiterin der Stadt Fulda, die griechisch-albanische Wurzeln hat, sprach stellvertretend für die Eingebürgerten über ihren eigenen Weg. Sie sei vor mehreren Jahren nach Fulda gekommen, um zu studieren – zunächst mit dem Gedanken, dass die Stadt möglicherweise nur eine Station in ihrem Leben sein würde.
Doch aus dem geplanten Aufenthalt wurde mehr. Fulda wurde zu einem Ort, an dem sie studierte, arbeitete, Freundschaften aufbaute und sich engagierte. Es habe schöne, aber auch schwierige Momente gegeben. Am Ende sei für sie jedoch immer deutlicher geworden, dass sie hier angekommen sei und ihren Platz gefunden habe.
Für Martou sei die Einbürgerung deshalb ein besonderer und emotionaler Schritt. Sie habe in Fulda nicht nur einen Wohnort gefunden, sondern ein Stück Heimat. Ihre Geschichte stand damit stellvertretend für viele der 98 Menschen im Fürstensaal, die an diesem Donnerstag ihre Einbürgerungsurkunden entgegennahmen.
Am Ende blieb vor allem eine Botschaft, die sich durch alle Reden zog: Die neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sind nicht nur willkommen – sie gehören dazu. Mit ihrer Entscheidung für die deutsche Staatsangehörigkeit beginnt für sie ein neuer Abschnitt. Einer, der Rechte eröffnet, aber auch die Möglichkeit bietet, Fulda und die Gesellschaft aktiv mitzuge
