Gute Stimmung herrschte bereits beim Get-together vor dem Hohhaus-Museum in Lauterbach. Nach und nach trafen die Gäste ein, darunter Erster Kreisbeigeordneter Patrick Krug sowie die ehemaligen Landräte Manfred Görig und Rudolf Marx. Auch die Vertreter der Partnerkreise waren angereist: Aus Schmalkalden-Meiningen kam Landrätin Peggy Greiser, aus Oberhavel Landrat Alexander Tönnies. Begleitet wurde er von Holger Mittelstädt, Dezernent für Bildung, Kultur und Sport, sowie Kreistagsvorsitzender Birgit Tornow-Wendland.
Das stilvolle Ambiente des Rokokosaals bildete anschließend den passenden Rahmen für den eigentlichen Festakt. Kreistagsvorsitzende Dr. Birgit Richtberg begrüßte die Gäste und bezeichnete die drei Partnerkreise als „drei wunderschöne Fleckchen Erde“ in Brandenburg, Thüringen und Hessen – einzigartig und doch mit Gemeinsamkeiten. Sie unterstrich die gegenseitige Sympathie und das Vertrauen, das in 35 Jahren gewachsen sei. Das sei ein Pfund in „schnellen und unsicheren Zeiten, in denen es kompliziert ist, weil wir manchmal nicht handeln können, weil es nicht in unserer Macht steht“.
In den Kommunen, so Richtberg, spiele sich die Wirklichkeit ab. Dort tue weh, „was oben ausgedacht wird“. Umso wichtiger sei es, Partner zu haben und gemeinsam Perspektiven zu entwickeln. „Wir tun gemeinsam unser Bestes, um Heimat zu schaffen“, sagte die Kreistagsvorsitzende. Dazu brauche es ein verlässliches Gegenüber wie die Partnerkreise. „Lassen Sie uns diese Partnerschaft feiern aus demokratischer Überzeugung zum Nutzen aller Menschen, die hier leben“, lautete ihr Appell.
Landrat Dr. Jens Mischak blickte anschließend auf die Anfänge der Partnerschaften zurück. Diese entstanden zunächst auf Arbeitsebene, denn Mitarbeiter aus der Vogelsberger Kreisverwaltung halfen kurz nach der Wiedervereinigung dabei, Verwaltungsstrukturen in den neuen Bundesländern aufzubauen. „Das war ein gewaltiger Auftrag, aber auch eine große Chance“, sagte der Landrat. „Die Einheit war damals nicht ein Datum im Kalender, sie musste erst wachsen.“ Die Partnerschaften hätten schließlich ausgedrückt, „dass wir zusammenstehen, dass wir eine Einheit schaffen, die nicht von oben verordnet wird. Wir wollten voneinander lernen und ein Stück weit die Zukunft gemeinsam gestalten.“
Die große Chance von damals sei zweifelsohne ergriffen worden. Beim Jubiläum sprach Mischak von einer „Partnerschaft, die von vielen Menschen getragen wurde und wird“ und von einer „lebendigen Freundschaft“, die er selbst erleben konnte – für ihn „etwas ganz Wertvolles“. Vielleicht, so überlegte der Landrat, „ist eine solche Partnerschaft heute noch viel wichtiger als früher – und zwar als ein starkes Zeichen gegen die gesellschaftliche Spaltung“.
Die Partnerschaft hat dabei auch ganz praktische Seiten. Im Jugendbereich gibt es beispielsweise bereits seit 1996 gemeinsame Freizeiten mit Oberhavel. „Über Jahrzehnte haben wir über die Jugendförderung Menschen zusammengebracht“, blickte Mischak auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Bis heute profitieren auch die Verwaltungen von der gut funktionierenden Verbindung. „Die Herausforderungen sind groß“, sagte der Landrat und nannte beispielhaft die Digitalisierung und den Fachkräftemangel. „Diese Fragen muss niemand alleine lösen, da kann man sich austauschen und gemeinsam nach Lösungen suchen.“ Er sei überzeugt: „Dieser offene Austausch kommt den Menschen zugute, die hier leben.“ Die Einheit, so schloss Mischak, „entsteht dort, wo Menschen sich begegnen. Lassen Sie uns unsere Partnerschaft gemeinsam leben!“
Auch Peggy Greiser blickte auf die Anfänge der Partnerschaft zurück. Der Vogelsbergkreis habe den Thüringer Partnerlandkreis maßgeblich unterstützt, als dort viel umgesetzt werden musste. Verwaltungsmitarbeiter gaben ihr Wissen weiter und halfen dabei, die Strukturen in Schmalkalden aufzubauen. „Das war gelebte deutsche Einheit“, bilanzierte die Landrätin mit Blick auf eine Zeit, „in der wir erst lernen mussten, ein gemeinsames Deutschland zu werden“.
Greiser spannte den Bogen zur Gegenwart – zu einer Zeit, in der plötzlich wieder stärker darüber gesprochen werde, was die Menschen trenne. Viele lebten mit dem Gefühl, dass „die da oben“ sie nicht verstehen. „Diese Spaltung nutzen einige geschickter aus als alle anderen“, mahnte Greiser und rief dazu auf, gegenzusteuern. Schließlich sei in Gefahr, „was über Jahre gewachsen ist“. Für die Landrätin ist die kommunale Partnerschaft „die einzige Antwort auf den Versuch der Spaltung, wie wir ihn heute erleben“. Dass aus dienstlichen längst auch persönliche Kontakte geworden seien, sei für sie ein weiterer Wert der Verbindung zum Vogelsbergkreis.
Gemeinsam wolle man daran arbeiten, „dass unsere Kreise Orte sind, in denen Menschen gerne leben“, sagte Greiser. Gemeinsam wolle man Projekte und Themen voranbringen. „Die deutsche Einheit muss immer wieder mit Leben gefüllt werden – wie unsere Partnerschaft“, zeigte sie sich überzeugt. Mit dem Vogelsberg wolle Schmalkalden-Meiningen „das nächste Kapitel der Geschichte gemeinsam schreiben“.
Schließlich warf auch Alexander Tönnies, Landrat aus Oberhavel, den Blick zurück. „Wir haben so viel Unterstützung bekommen vom Vogelsbergkreis in den Anfangszeiten, davon wird heute noch geschwärmt bei uns in der Verwaltung“, erzählte er. Die Fachleute, die nach Brandenburg kamen, um Verwaltungsabläufe zu erklären, legten den Grundstein für eine Partnerschaft, „die gelebt wird und aus der längst Freundschaften entstanden sind“, sagte Tönnies.
Menschen und Vereine aus Hessen und Brandenburg kämen zusammen. „Es ist Leistung der Partnerschaft, dass Menschen über Jahrzehnte verbunden sind“, unterstrich der Landrat und erinnerte an die vielen Begegnungen auf den unterschiedlichsten Ebenen – unter anderem an den regelmäßigen Azubi-Austausch zwischen den beiden Verwaltungen. „Ich wünsche mir, dass unsere Partnerschaft so jung und dynamisch bleibt“, sagte Tönnies, „dass Sie sie in die nächste Generation weitertragen.“
Formal ist die Voraussetzung dafür jedenfalls gegeben: Zum Ende des Festaktes wurden – ganz wie es sich gehört – die entsprechenden Jubiläumsurkunden unterzeichnet.
