Schon zur Begrüßung war die Atmosphäre familiär. „Wir freuen uns total, dass so viele Menschen heute gekommen sind, trotz des schönen Wetters, und heute mit uns feiern“, sagte die Vorsitzende Carolin Strobel. Gemeinsam mit Schriftführerin Nadine Romberger führte sie durch den Nachmittag. Ganz nach Kino35-Manier durfte dabei auch ein wenig improvisiert werden.
„Wir machen das wie am ganz normalen Kinofreitag“, sagte Strobel mit einem Augenzwinkern. Die Gäste sollten sich einfach einen Platz suchen, mit den Nachbarn ins Gespräch kommen und den Nachmittag genießen. Denn genau darum geht es dem Kino35 seit 15 Jahren: nicht nur Filme zu zeigen, sondern Menschen zusammenzubringen.
Auch Jürgen Peter vom Kulturamt der Stadt Fulda war zur Jubiläumsfeier gekommen. „Es ist schon ein besonderes Ereignis, wenn man auf 15 Jahre ehrenamtliche Arbeit zurückblicken kann“, sagte er. Gerade für die Kulturarbeit sei dieses Engagement „herausragend und wichtig“. Neue Ideen entstünden häufig dort, wo Menschen ihre Freizeit und Energie in kulturelle Projekte investierten. „Das kann nicht alles die öffentliche Kulturarbeit leisten“, betonte Peter.
Er erinnerte auch an die Anfänge des Kino35. 2011 entstand die Initiative zunächst in der Langebrückenstraße. Später musste das Kino seinen ursprünglichen Standort verlassen. Mit Unterstützung der Stadt Fulda wurden schließlich die Räume in der Ohmstraße gefunden, in denen das Kino35 bis heute zuhause ist.
Wie sehr sich das Kino seit seinen Anfängen entwickelt hat, zeigte eine Videobotschaft von Gründerin Stefanie Ranke. „Wir wollten nicht einfach nur ein weiteres Kino in Fulda eröffnen. Wir wollten eine andere Art von Kino“, erinnerte sie an die Gründung. Gezeigt werden sollten Filme, „die berühren, die zum Nachdenken anregen und manchmal einfach nur ein bisschen anders sind“.
Auch technisch hat sich in den vergangenen 15 Jahren einiges verändert. Zu Beginn liefen die Filme noch über alte TK35-Projektoren und Zelluloid, inzwischen ist längst digitale Technik eingezogen. Die Grundidee aber sei geblieben.
„Das Kino35 hat sich zu einem festen Bestandteil der Fuldaer Subkultur entwickelt“, sagte Ranke in ihrer Videobotschaft. Es sei ein Ort geworden, „an dem Menschen zusammenkommen, diskutieren, lachen und oft einfach nur im Dunkeln sitzen“.
Dabei waren die vergangenen 15 Jahre keineswegs immer einfach. Es habe „große Aufs und Abs und Krisen“ gegeben, erinnerte sie. Besonders im Gedächtnis geblieben sei eine Zeit, in der das Ordnungsamt einen Saal wegen eines einsturzgefährdeten Daches sperren musste. Es folgte eine Spendenaktion, die vom Publikum initiiert wurde. Drei Monate später konnte der Saal pünktlich zu Weihnachten wieder eröffnet werden. „Das war ein großartiges Weihnachtsgeschenk“, erinnerte Ranke sich.
Dass das Kino35 solche schwierigen Phasen überstanden hat, ist vor allem dem ehrenamtlichen Engagement zu verdanken. Rund 15 Aktive kümmern sich derzeit regelmäßig um Programm, Technik, Veranstaltungen und Organisation. Zum Jubiläum wurde deshalb auch all jenen gedankt, die den Verein über die Jahre unterstützt und mitgetragen haben.
„Das Kino war immer mehr als eine Leinwand und ein dunkler Raum. Es war ein gemeinsames Projekt“, hieß es in der Videobotschaft. Für Ranke sei der Kinofreitag über viele Jahre fester Bestandteil des eigenen Lebens gewesen: „Freitag war immer Kinotag.“
Auch heute ist das Programm des Kino35 deutlich größer als reine Filmvorführungen. Dokumentarfilme, Konzerte, Poetry Slams, Kinderkino und zahlreiche Kooperationen gehören zum Angebot. Rund 100 Veranstaltungen gab es allein im vergangenen Jahr. 2025 wurde das Kino zudem mit dem Hessischen Kinopreis für nicht-kommerzielle Kinos ausgezeichnet.
Zum 15. Geburtstag durfte natürlich ebenfalls ein abwechslungsreiches Programm nicht fehlen. Neben Kaffee, Kuchen, Getränken und einem gemeinsamen Buffet gab es ein Gästebuch, in dem Besucher kreative Grüße hinterlassen konnten. Eine kleine Infotafel informierte über den Verein und seine Arbeit. Außerdem waren ein Ton- und Musikworkshop sowie weitere musikalische Beiträge geplant.
„Ein Verein lebt von Mitgliedern und Aktiven“, betonte das Team und machte gleichzeitig deutlich, dass neue Unterstützer jederzeit willkommen sind. Am Ende des offiziellen Teils gehörte die Bühne noch einmal allen, die das Kino35 tragen. Mitglieder und Aktive wurden nach vorne gebeten – als sichtbares Zeichen dafür, dass 15 Jahre Kino35 nicht die Geschichte eines einzelnen Menschen sind, sondern die Geschichte vieler, die ihre Zeit, Ideen und Leidenschaft eingebracht haben.
Und so wurde im Kino35 am Sonntag nicht nur auf die vergangenen 15 Jahre angestoßen. Vor allem wurde deutlich, dass hinter dem Kino mehr steckt als Filme: ein ehrenamtlich getragener Ort für Begegnungen, Kultur und Gemeinschaft. Die nächsten 15 Jahre dürfen also kommen.
