Lokales FD 01.10.2026

Zukunft in Fulda – Tarifvertrag zur Sicherung von KGM-Standort

Fulda (pm/gü) – Das Fuldaer Traditionsunternehmen KGM Kugelfabrik, der Arbeitgeberverband Hessenmetall und die IG Metall als zuständige Gewerkschaft haben nach knapp zehnmonatigen Verhandlungen den angestrebten Tarifvertrag zur Sicherung von Standort und Beschäftigung geschlossen.

Symbolfoto: Pixabay.

Die wichtigsten Bestandteile der Vereinbarung sind ein Zukunftskonzept in Verbindung mit einem konkreten Investitionsplan zur Modernisierung von Maschinen und Prozessen, eine Ausweitung der Mitbestimmung des Betriebsrats bei der Umsetzung, die Garantie des Standorts und ein weitgehender Kündigungsausschluss für Gewerkschaftsmitglieder. Im Gegenzug verzichten die Beschäftigten auf einen Teil der variablen Leistungszulage sowie einige Sonderzahlungen („tarifliches Zusatzgeld“). Nachdem das Verhandlungsergebnis von den Gesellschaftern wie auch von einer überwältigenden Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder im Betrieb angenommen wurde, konnte er rückwirkend zu Beginn des vergangenen Monats in Kraft treten. Der Tarifvertrag soll eine Laufzeit von drei Jahren haben.

Lothar Mathes, Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der IG Metall-Verhandlungskommission erklärt: „Die Verhandlungen waren zäh und haben länger gedauert, als wir uns ursprünglich vorgestellt haben. Das lag zum einen an externen Schocks, zum Beispiel der Insolvenz eines Zulieferers, und zum anderen daran, dass beide Seiten wirklich intensiv um die Details der Vereinbarung gerungen haben. Umso zufriedener sind wir aber mit dem gefundenen Kompromiss. Wenn das Zukunftskonzept der Geschäftsführung trägt, haben wir den geeigneten tariflichen Rahmen für die Zukunft der Kugelfabrik in Fulda geschaffen.“

Matthias Richter, geschäftsführender Gesellschafter der KGM Kugelfabrik, kommentiert den Abschluss wie folgt: „Als Unternehmen mit hohem Automobilanteil hat es die Kugelfabrik am Standort Deutschland nicht leicht. Material, Energie, Löhne, Lohnnebenkosten: Alles stieg in den letzten Jahren mehr als in den Ländern, mit denen wir im Wettbewerb stehen. Als dann 2025 das Geschäft deutlich zurückging, wurde es eng für die KGM. Nun haben wir gemeinsam eine Lösung gefunden und können uns dank des aktuellen Tarifabschlusseses und zusätzlicher Mittel für Investitionen weiter für die Zukunft aufstellen. Der Weg ist noch lang, aber eine wichtige Hürde ist genommen. Herzlichen Dank an die Belegschaft für das Vertrauen und die teils schmerzhaften Zugeständnisse. Gemeinsam werden wir erfolgreich sein.“

Unterstützung bei der Sanierung erhält das Unternehmen auch vom Land Hessen, unter anderem in Form von günstigen Krediten und direkten Kontakten zur Wirtschaftsförderung des Landes Hessen. Dazu Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori: „Die Beschäftigten der Kugelfabrik haben in den vergangenen Monaten viel getragen und auch persönliche Einschnitte in Kauf genommen. Umso wichtiger ist, dass jetzt eine gemeinsame Perspektive für den Standort in Fulda steht. Der Tarifabschluss verbindet Beschäftigungssicherung mit konkreten Investitionen in die Zukunft des Unternehmens. Das ist ein wichtiges Signal für die Menschen im Betrieb und für den Industriestandort Osthessen. Wir unterstützen die Kugelfabrik dabei, ihre industrielle Substanz und gute Arbeitsplätze am Standort zu sichern und sich für die kommenden Jahre zukunftsfest aufzustellen.“

Der Geschäftsführer der IG Metall Hanau-Fulda, Matthias Ebenau, ergänzt: „Was die Verhandlungen bei der KGM von vielen anderen Fällen, mit denen wir als Gewerkschaft gerade konfrontiert sind, unterscheidet, ist die Verbundenheit von Gesellschafter und Geschäftsführung mit dem Standort Fulda. Während andere Unternehmen die Krise nutzen, um sich möglichst schnell und billig davonzustehlen, wurde hier von beiden Seiten mit Beharrlichkeit eine Lösung für den Verbleib in Osthessen gefunden. Das rechnen wir dem Unternehmen hoch an, ebenso wie wir uns beim Land Hessen für die Unterstützung bedanken.“