Die CDU-Fraktion hatte in einer Anfrage wissen wollen, wie sich die Besucherfrequenz während und nach dem Hessentag entwickelt hat, welche Erkenntnisse dazu vorliegen und wie die Stadt die Auswirkungen auf Handel, Gastronomie und Innenstadt bewertet. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld verwies zunächst auf die rund 1,1 Millionen Besucher, die das zehntägige Landesfest im Juni nach Fulda lockte. Die Besucherfrequenzen in der Innenstadt werden dabei unter anderem mit Lasersensoren an verschiedenen Punkten gemessen. Die Zahlen für die Hessentagszeit sind deutlich: In der Karlstraße stieg die Frequenz um rund 109 Prozent, in der Bahnhofstraße um etwa 160 Prozent. Besonders stark war der Effekt in der Friedrichstraße. Dort wurden rund 397 Prozent mehr Passanten registriert – also fast fünfmal so viele wie im Durchschnitt.
Friedrichstraße bleibt auch danach leicht im Plus
Spannender ist die Entwicklung nach dem Landesfest. Für den Zeitraum vom 22. Juni bis Ende August lagen die Besucherfrequenzen in Karlstraße und Bahnhofstraße laut Wingenfeld wieder ungefähr auf dem Durchschnitt. In der Friedrichstraße wurde dagegen weiterhin ein Plus von rund neun Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum registriert. Bei der Bewertung dieser Zahlen müsse allerdings berücksichtigt werden, dass es nach dem Hessentag zahlreiche sehr heiße Tage gegeben habe. Hohe Temperaturen beeinflussten sowohl die Zahl der Besucher als auch deren Bewegungsradius. Während des Hessentags selbst waren zudem die Übernachtungskapazitäten in Fulda und einem weiten Umkreis stark ausgelastet.
Wingenfeld sieht dennoch Anzeichen dafür, dass der Hessentag auch mittel- und langfristig neue Gäste nach Fulda bringen könnte. „Die zahlreichen positiven Rückmeldungen von Besuchern des Hessentags zeigen, dass viele Gäste beabsichtigen, Fulda erneut zu besuchen“, sagte der Oberbürgermeister. Aus den begeisterten Besuchern könne sich langfristig neues Gästepotenzial entwickeln. Dazu passen die Übernachtungszahlen. Im Juni wurden in Fulda 71.837 Übernachtungen registriert – 15 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Für das erste Halbjahr stehen insgesamt 331.321 Übernachtungen zu Buche, ein Plus von 2,7 Prozent. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 1,6 auf 1,7 Tage.
Positive Rückmeldungen aus Handel und Gastronomie
Auch aus den Betrieben der Innenstadt kommt nach Angaben des Magistrats insgesamt ein positives Signal. Viele Akteure hätten den Hessentag als Möglichkeit wahrgenommen, neue Besucher für Fulda zu gewinnen. Besonders positiv sei bewertet worden, dass die Hessentagsstraße direkt durch die Einkaufsstraßen führte. Auch die Konzertarena auf dem Domplatz habe dazu beigetragen, dass Besucher die Innenstadt kennenlernen konnten. Nach dem Hessentag berichteten viele Gewerbetreibende laut Stadt zudem von einer spürbaren Belebung der Umsätze und neuen Kundengruppen. Gleichzeitig war der Effekt während des Landesfestes nicht für alle Geschäfte gleichermaßen positiv. Einige Händler hätten zunächst weniger Kundschaft aus der Region verzeichnet, weil Einheimische ihre üblichen Wege während des Hessentags nicht gegangen seien. Teilweise habe sich anschließend ein Nachholeffekt eingestellt.
Dass ein voller Straßenraum allerdings nicht automatisch volle Kassen bedeutet, macht die Stadt ebenfalls deutlich. Die grundsätzlichen Probleme des innerstädtischen Handels seien durch den Hessentag nicht verschwunden. Dazu gehören die allgemeine Konsumzurückhaltung, gestiegene Kosten und der zunehmende Wettbewerb mit dem Onlinehandel. Hinzu kommen Nachfolgeprobleme, Investitions- und Sanierungsbedarf, ein verändertes Konsumverhalten sowie teilweise fehlendes Personal. „Sehr hohe Besucherfrequenzen auf der Straße gehen oft nicht mit steigenden Umsätzen einher“, lautet die Einschätzung aus dem Citymarketing. Die Innenstadt müsse deshalb mehr bieten als Einkaufsmöglichkeiten.
Innenstadt soll mehr sein als Einkaufsmeile
Genau darin sieht die Stadt eine wichtige Entwicklung für die Zukunft. Der Handel habe als allein dominierende Funktion der Innenstadt an Bedeutung verloren. Fulda könne allerdings auf eine Mischung aus Kultur, Veranstaltungen, Gastronomie und Freizeitangeboten setzen, die weiterhin viele Menschen in die Stadt ziehe. Wingenfeld verwies dabei auf den Veranstaltungskalender der vergangenen Monate. Der Musicalsommer mit dem neuen Musical „Der Schimmelreiter“ sei mit 68.500 Besuchern und einer Auslastung von 99 Prozent nahezu ausgebucht gewesen. Hinzu kamen unter anderem StadtLesen, das Genussfestival, das Stadtfest, das Weinfest im Schlosshof und die Konzertreihe „Kultur.Findet.Stadt.“ Als neuere Veranstaltungen nannte der Oberbürgermeister zudem das Straßenkunstfestival und das FuldaFestival für Kammermusik unter der Leitung von Clara Reinisch.
Auch 2027 soll die Reihe attraktiver Veranstaltungen fortgesetzt werden. Vom 26. bis 30. Mai wird Fulda Gastgeber des 17. Hessischen Landesturnfests sein. Zudem sind bereits fünf Konzerte auf dem Domplatz angekündigt und im Vorverkauf: Edguy, Simply Red, Roland Kaiser, Santiano und Michael Patrick Kelly. „Es ist wirklich sehr, sehr gut, dass sich diese Konzertreihe auf dem Domplatz etabliert hat“, sagte Wingenfeld. Die Konzerte seien ein konkreter Faktor, um Menschen nach Fulda einzuladen und ihnen zugleich die Innenstadt näherzubringen.
Hessentags-Kanäle sollen Touristen zurückholen
Die Stadt will dabei auch die Aufmerksamkeit nutzen, die während des Hessentags entstanden ist. Die verschiedenen Social-Media-Kanäle, über die das Landesfest beworben wurde, sollen künftig als Multiplikatoren für den Fulda-Tourismus dienen. Die dort erreichten Nutzer sollen auch nach dem Hessentag mit Veranstaltungen und Angeboten der Stadt angesprochen werden. Parallel soll die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt weiter gestärkt werden. Als Beispiele nennt die Stadt die saisonale Fußgängerzone in der Friedrichstraße, die Verlängerung der Außengastronomie und das Engagement der Stadtgärtnerei.
Für Wingenfeld ist die Entwicklung allerdings kein Selbstläufer. Die hohe Besucherzahl des Hessentags habe gezeigt, welches Potenzial Fulda besitzt. Dieses Potenzial dauerhaft zu nutzen, sei aber eine Aufgabe, die über einzelne Großveranstaltungen hinausgehe. „Es bedarf Geduld, es bedarf insbesondere der Akteure“, betonte der Oberbürgermeister. Der Hessentag hat damit zumindest eines eindrucksvoll gezeigt: Menschen lassen sich für Fulda begeistern. Die Herausforderung für die kommenden Jahre wird nun darin bestehen, aus den Millionen Besuchern des Landesfestes möglichst viele dauerhafte Gäste zu machen – und zugleich dafür zu sorgen, dass auch die Fuldaer Innenstadt selbst von ihrer hohen Anziehungskraft wirtschaftlich profitieren kann.
