Weil sich einer der Linienrichter Mitte des zweiten Durchgangs verletzte, wurde länger unterbrochen, weil Abhilfe geschaffen werden musste. Schließlich sprang mit Steffen Krah ein erfahrener Mann ein, der als Beobachter vor Ort war. Es folgte eine wilde Schlussphase – nach Darian Jungs 4:1 für den SV Steinbach schien alles entschieden, wenige Minuten später stand es plötzlich nur noch 4:3 aus SVS-Sicht und es wurden bange Minuten, bis die Gäste schließlich jubeln konnten und Bad Soden in der Spitzengruppe der Verbandsliga Nord hinter sich ließen.
Beide Trainer mussten sich nach dieser Nervenschlacht erstmal sammeln – und ungeachtet, ob Gewinner oder Verlierer, sahen beide das Positive: „Der Gegner war am Ende cleverer. Aber was ich den Jungs geben muss: Egal, wie der Spielstand war, wir haben wirklich alles versucht, nochmal Anschluss zu bekommen. Letztlich hat die Zeit nicht gereicht, um uns zu belohnen“, so Sodens Trainer Sead Mehic, der ein Spiel mit zwei guten Mannschaften, die „Fußball spielen wollen“, prognostiziert hatte. „Wir sind heute als Verlierer vom Platz gegangen, aber es ist gut zu sehen, dass die Jungs gegen Widerstände ankämpfen können“. Nicht nur die Unterbrechung und den Rückstand, sondern auch die Verletzung von Daniel Neil Molina in Hälfte eins sprach Mehic dabei an. Und er kam nicht umhin, am Ende Kapitän Lukas Ehlert hervorzuheben, der nach der Unterbrechung die Sprudelkicker nochmal heranbrache. „Aber es ist nicht nur seine Torgefahr: Ich will nicht wissen, wie viele Sprints er heute gemacht hat. Vor und zurück. So stelle ich mir einen Führungsspieler vor, da macht es auch Spaß, zuzugucken“.
Steinbachs Coach Petr Paliatka hatte ebenfalls Widerstände zu überwinden – schon vor Anpfiff: Bei Jannis Kehl ging es nicht, der die ganze Woche schon Fersenprobleme hat, und auch Nils Hartung (Knöchel) senkte vor Beginn den Daumen. Nur Michael Wiegand war für die Defensive noch da, weil auch Ziyat Kaval noch fehlte, und musste von Beginn an ran. Dazu beorderte der Trainer Leonard Auf der Landwehr in die Zentrale, wo der Offensivmann noch nie spielte.
„Wir haben es für die Zuschauer spannend gemacht“, lachte Paliatka – und scherzte natürlich: „Das war heute für alle Besucher ein sehr gutes Verbandsliga-Spiel mit zwei Teams, die Qualitäten haben. Wir sind am Ende die Glücklichen, aber es waren auch ein paar Dinge nicht so gut. Morgen fragt keiner mehr danach“. Irre war, dass die frühe Sodener Führung direkt von Steinbach zunichte gemacht wurde – Alex Reith und auf der Landwehr drehten die Partie binnen drei Minuten. „Das war wichtig“, analysieret Paliatka folgerichtig, während Sead Mehic haderte: „Das waren zwei individuelle Fehler, die so nicht passieren dürfen. Wir fühlten uns nach dem frühen Tor sicher“.
Steinbach legte noch vor der Halbzeitpause das 3:1 nach, ehe es in Hälfte zwei erstmal ohne Treffer weiterging. Bis die verletzungsbedingte Unterbrechung folgte. „Es war offen auf beiden Seiten. Am Ende kann das auch 6:6 ausgehen“, sagte Paliatka. Sein Joker Darian Jung, der das 4:1 besorgte, vergab hintenraus selbst noch zwei Konterchancen, und auch Bad Soden hatte vor dem vierten Gegentor die große Möglichkeit, den Anschluss herzustellen.
„Das war ein wildes Spiel“, musste sich Mehic erstmal sammeln: „Der Sieg für Steinbach geht in Ordnung, aber die Jungs müssen mitnehmen, zu was sie fähig sind. Wir haben am Ende nochmal richtig Tempo gemacht“. Paliatka wiederum schloss: „Die Anspannung war da, die Jungs hatten die ganze Woche auf das Spiel hingefiebert. Alle haben sich für die Mannschaft geopfert, auch die, die reingekommen sind, sind marschiert. Das macht mich zurzeit sehr stolz“.
Bad Soden: Ersöz; Nogueira, Shigeno, Mehic (58. Neiter), Ehlert, Nix, Vinojcic, Memeti (58. Fiorentino), Tanaka, Higginbottom (87. D’agostini), Neil Molina (36. Kovac).
Steinbach: Pino Puig; Reichmann, M. Wiegand, T. Wiegand, Stadler (90.+11 Jakupi), Hennighausen, Halimi (64. Jung), Yüksel, Auf der Landwehr (90. Riebold), Brähler, Reith.
Schiedsrichter: Makram Nakad (Remsfeld)
Tore: 1:0 Motoshi Tanaka (7.), 1:1 Alexander Reith (8.), 1:2 Leonard auf der Landwehr (10.), 1:3 Dennis Reichmann (43.), 1:4 Darian Jung (90.+4), 2:4 Lukas Ehlert (90.+6), 3:4 Lukas Ehlert (90.+10)
Zuschauer: 170
Besonderes Vorkommnis: 20 Minuten Unterbrechung Mitte der zweiten Hälfte wegen Verletzung eines Linienrichters
