Die Lesung, die von der Initiative „Leseland Hessen“ unterstützt wurde, bot nämlich reichlich Stoff für Nachfragen zur allgemeinen und politischen Lage im „Heiligen Land“. Sommerfeld, eine Enkelin des aus Chemnitz stammenden Juden Julius Sommerfeld, der 1940 im KZ Sachsenhausen umgebracht worden war, lebt seit einigen Jahren in der Heimatstadt ihres Großvaters. Ihr Roman spielt im Israel des Jahrs 2014. Dabei geht es nicht zuletzt um die extremen Spannungen zwischen den Israelis und ihren palästinensischen Nachbarn, auch um eine Welt, die von tief sitzenden Vorurteilen geprägt ist.
Im Buch schaut sie durch geschickt eingeblendete Brief-Fragmente zurück auf die Zeit vor und während der israelischen Staatsgründung – und damit auch auf die Wurzeln des bis heute währenden Konflikts. Dabei benennt sie auch Schuld, die die Kämpfer für die Gründung des jüdischen Staats auf sich geladen haben und fordert, diese zu benennen und zu bekennen – um ein Miteinander zu ermöglichen.
In der Diskussion ging Sommerfeld auch auf die aktuelle Lage ein und machte keinen Hehl aus ihrer negativen Einschätzung der Regierung Netanjahu. Insgesamt warf sie dem Staat Israel vor, durch eine einseitige Informationspolitik immer stärker auf Militarisierung und Eskalation zu setzen. Das falle auch und gerade in Deutschland auf fruchtbaren Boden. Gerade nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 sei dies – unter anderem mit Blick auf den Gaza-Krieg – verstärkt zu beobachten. Sommerfeld ordnete sowohl den Terroranschlag der Hamas als auch die darauf folgenden großflächigen Angriffe Israels auf den Gaza-Streifen als „Genozid“ ein. Ihre Idee von der Zukunft: Ein Land, in dem „from the river to the sea“, also vom Jordan bis zum Mittelmeer, israelische Juden, Drusen, Beduinen und Palästinenser selbstbestimmt und frei leben könnten und in dem jeder Mensch gleichberechtigt die Möglichkeit und das Recht habe, an der Gestaltung der Politik und der Zukunft mitzuwirken.
Für den Förderverein dankte Vorsitzender Hartmut Zimmermann nach einer intensiven Diskussionsrunde der engagierten Autorin für den spannenden Abend.
