Lokales FD 12.10.2026

Silberstreif am Horizont – Konow stellt Herbst-Konjunkturbericht vor

Fulda (sg/pm) – „Die Stimmung in der osthessischen Wirtschaft hat sich im Vergleich zu den Vormonaten etwas aufgehellt, von einem flächendeckenden Aufschwung ist sie jedoch noch weit entfernt. Die konjunkturelle Schwächephase hält seit 2022 an, was sich weiterhin dämpfend auf Beschäftigung, Investitionen und damit auch auf zukünftiges Wachstum auswirkt“, kommentiert Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Fulda, die aktuellen Ergebnisse der Herbst-Konjunkturumfrage 2026.

Michael Konow stellte die Ergebnisse der Herbst-Konjunkturumfrage vor. Fotos: Sabrina Gram.

Die derzeitige Geschäftslage wird von 65,6 Prozent der Unternehmen als befriedigend bezeichnet. Im Mai lag dieser Wert bei 56,2 Prozent. Von einer schlechten Lage sprechen 17,7 Prozent. Der Anteil der Unternehmen mi einer guten aktuellen Geschäftslage liegt bei 16,7 Prozent. Die Erwartungen sind per Saldo weiterhin negativ: Eine schlechtere Lage erwarten 17,9 Prozent der Firmen (Mai: 26,4 Prozent). 71,6 Prozent der Unternehmen gehen von einer konstanten Geschäftslage aus; im Mai waren 67,9 Prozent dieser Ansicht. 10,5 Prozent der Unternehmen erwarten eine eher günstigere zukünftige Geschäftslage (Mai: 5,7 Prozent). Die Bewertung der derzeitigen und die Einschätzung der zukünftigen Geschäftslage ergibt, dass sich der Geschäftsklimaindex mit 95,7 Punkten (Mai: 86,4 Punkte) zwar deutlich verbessert hat, aber weiterhin im rezessiven Bereich verharrt. Damit liegt er im vierten Jahr unter der 100-Punkte-Grenze.

Auch bei den Industriebetrieben ist die aktuelle Lage per Saldo weiterhin negativ. Sie hat sich gegenüber Mai jedoch leicht verbessert. Von einer schlechten aktuellen Geschäftslage sprechen 29,7 Prozent der befragten Unternehmen, 18,9 Prozent berichten von einer guten Situation. 19,4 Prozent der Industriebetriebe gehen in den kommenden Monaten von einer eher ungünstigeren, 16,7 Prozent der befragten Unternehmen von einer eher günstigeren Geschäftslage aus. Insgesamt ist der Geschäftsklimaindex der Industrie von 81,9 auf 93,1 Punkte gestiegen. Im Handel hat sich der Geschäftsklimaindex von 72 auf 95,5 Punkte verbessert.

 

Zurückhaltung bei Investitionen und Beschäftigung

Die Investitionsbereitschaft liegt per Saldo über die Mehrzahl der Branchen hinweg im negativen Bereich: 36,5 Prozent der befragten Unternehmen haben ihre Investitionsabsichten reduziert. Von steigenden Investitionen gehen 20,8 Prozent der Betriebe aus. Hauptmotive für Investitionen sind Ersatzbedarf (66,7 Prozent), Rationalisierung (33,3 Prozent), Produktinnovationen (26,7 Prozent), Kapazitätsausweitung (18,9 Prozent) und Umweltschutz (13,3 Prozent). Die Zahl der Firmen, die von einem Beschäftigungsabbau ausgehen (17,7 Prozent), liegt über der der Betriebe, die zusätzliche Beschäftigung planen (13,5 Prozent). In der Industrie zeichnet sich ein düstereres Bild: 27 Prozent der befragten Unternehmen erwarten sinkende und 16,2 Prozent der befragten Unternehmen steigende Beschäftigtenzahlen in den kommenden zwölf Monaten. 

Bei 42,7 Prozent der befragten Unternehmen können offene Stellen aufgrund von unpassenden Arbeitskräften nicht besetzt werden, während 30,2 Prozent angeben, in dieser Hinsicht keine Probleme zu haben, und 27,1 Prozent, derzeit keinen Personalbedarf zu haben. Auf die Frage, für welches Qualifikationsniveau Unternehmen erfolglos Arbeitskräfte suchen, antworten über die Hälfte (52,6 Prozent) mit dualer Ausbildung; ebenfalls gebraucht werden Menschen mit Fachwirt-, Meister- oder anderen Weiterbildungsabschlüssen (42,1 Prozent). Dementsprechend sei eine höhere Qualifizierung bei der Arbeitssuche das A und O, sagt Konow: „Das ist eigentlich der Appell: ‚Leute, macht was, dann werdet ihr auch gefunden‘“.

Bei der Befragung erkundigte sich die IHK zum ersten Mal danach, wie die Unternehmen den Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt einschätzen. Viele der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass der Qualifizierungs- und Weiterbildungsbedarf steigen (53,1 Prozent) und die Tätigkeitsprofile sich ändern werden (47,9 Prozent). 38,5 Prozent schätzen, dass der Personalbestand eher sinken wird, während nur 5,2 Prozent von einer Steigung sprechen. 15,6 Prozent geben zu bedenken, dass KI-Fachkräfte schwer zu gewinnen seien.

In der derzeitigen Wirtschaftslage rechnen 29 Prozent der befragten außenwirtschaftlich tätigen Unternehmen mit steigenden Exporten, 42 Prozent mitgleichbleibendem Volumen und 29 Prozent mit sinkenden Exporten, womit sich die Exporterwartungen wieder deutlich verbessert haben. Die Unternehmen müssten allerdings ein scharfes Auge auf die Situation in den USA, in China und im Nahen und Mittleren Osten haben, die sich jeden Tag ändern könne. Konow sprach deshalb von einer „interessanten, aber etwas offenen Lage“. 

 

Hochrisikoumfeld hält an

Als größte Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung werden steigende Energie- und Rohstoffpreise (66,3 Prozent), sich verschlechternde wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (64,2 Prozent), eine schwindende Inlandsnachfrage (62,1 Prozent), höhere Arbeitskosten (61,1 Prozent) sowie der Fachkräftemangel (44,2 Prozent) von den Betrieben gesehen. „Was wir sehen: Energie- und Rohstoffpreise in einer nach wie vor fossilbasierten Wirtschaft sind ein großes Thema und könnten natürlich auch Auswirkungen haben auf weitere Themen, insbesondere Inlandsnachfrage und Arbeitskosten“, erklärte Konow. 

 

Arbeitsmarkt flexibilisieren, Sozialsysteme reformieren

„Auch wenn die Zahlen wieder in die richtige Richtung weisen, bleibt die Aufwärtsbewegung auf einem schmalen Fundament. Die Umfrage zeigt auch, dass die Unternehmen tiefgreifende Reformen des Arbeitsmarktes und der sozialen Sicherungssysteme fordern. Überall dort, wo der Staat entlasten und flexibilisieren kann, sollte er es auch tun. Denn die Risiken, auf die wir nur wenig Einfluss haben, insbesondere die Energie- und Rohstoffpreise, bleiben sehr hoch“, fasst Konow die aktuellen konjunkturellen Zahlen der IHK-Umfrage zusammen.