Lokales HEF 14.10.2026

Rewe übernimmt 38 tegut-Märkte – Schlüchtern geht leer aus

Bonn (pm/jah) – Das Bundeskartellamt hat die geplante Übernahme von 38 tegut-Lebensmittelmärkten durch REWE unter Nebenbestimmungen freigegeben. REWE hat sich verpflichtet, für einen Zeitraum von vier Jahren auf den Erwerb von zwei weiteren tegut-Standorten in Marburg und Schlüchtern zu verzichten. Damit werden die wettbewerblichen Bedenken des Bundeskartellamtes in insgesamt drei lokalen Markträumen ausgeräumt beziehungsweise auf ein fusionskontrollrechtlich hinzunehmendes Maß reduziert.

Symbolfoto: Christine Görlich

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, betont: „Wir haben auch die geplante Übernahme von tegut-Märkten durch REWE eingehend geprüft. Ohne die Zusagen hätte der Zusammenschluss in drei regionalen Märkten zu einer erheblichen Behinderung des wirksamen Wettbewerbs geführt. REWE hat sich nun verpflichtet, auf den Erwerb von zwei Standorten für vier Jahre zu verzichten. Damit verhindern wir, dass sich die Wettbewerbsbedingungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher in den betroffenen Regionen erheblich verschlechtern. Der weit überwiegende Teil des Vorhabens kann zugleich freigegeben werden.“

Ursprünglich hatte REWE den Erwerb von 40 tegut-Lebensmittelmärkten sowie zwei Immobilien angemeldet. Das Bundeskartellamt hat das Vorhaben seit April 2026 geprüft und den Beteiligten Ende August seine vorläufige wettbewerbliche Bewertung übermittelt. Die Übernahme der beiden Immobilien wurde ebenfalls freigegeben.

Bei der Prüfung von Zusammenschlüssen im Lebensmitteleinzelhandel untersucht das Bundeskartellamt sowohl die Auswirkungen auf den Wettbewerb um die Kundinnen und Kunden als auch auf die Hersteller und Lieferanten. Für Verbraucherinnen und Verbraucher findet der Wettbewerb zwischen Lebensmittelhändlern vor allem vor Ort statt. Entscheidend sind deshalb die konkreten Einkaufs- und Ausweichmöglichkeiten in den jeweiligen Einzugsgebieten.

Die Ermittlungen haben ergeben, dass die ursprünglich geplante Übernahme in drei lokalen Markträumen in Hessen – Schlüchtern, Marburg-Ketzerbach und Marburg-City – eine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs erwarten ließ. REWE hat sich deshalb verpflichtet, die tegut-Märkte in Marburg-Ketzerbach und Schlüchtern für vier Jahre nicht zu erwerben. Das Erwerbsverbot gilt für die gesamte REWE-Gruppe und umfasst auch den Abschluss von Anschlussmietverträgen für die betroffenen Standorte. Durch den Verzicht auf den Standort Marburg-Ketzerbach werden aufgrund der Überschneidung der Einzugsgebiete zugleich die wettbewerblichen Bedenken im Marktraum Marburg-City ausgeräumt bzw. auf ein fusionskontrollrechtlich hinzunehmendes Maß reduziert.

Auch die Auswirkungen auf die Beschaffungsmärkte, auf denen die Lebensmittelhändler den Herstellern und Lieferanten gegenüberstehen, wurden eingehend geprüft. Dabei konnte das Bundeskartellamt weitgehend auf die umfangreichen Ermittlungen aus dem parallel geführten Zusammenschlussverfahren EDEKA/tegut zurückgreifen. REWE gehört auch bei der Beschaffung von Lebensmitteln zu den führenden Unternehmen und ist insbesondere für viele Hersteller von Markenprodukten ein unverzichtbarer Abnehmer.

Der mit der Übernahme verbundene Zuwachs des Anteils von REWE am bundesweiten Beschaffungsvolumen liegt deutlich unter 0,2 Prozentpunkten und fällt damit noch geringer aus als im Verfahren EDEKA/tegut. Eine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs auf den Beschaffungsmärkten ist deshalb nicht zu erwarten. Die Veräußerin hat zudem glaubhaft versichert, dass REWE weder im Rahmen des Erwerbsprozesses noch nach dem Vollzug Zugriff auf die Beschaffungskonditionen von tegut und insbesondere der Einkaufskooperation RTG erhält.

Über den konkreten Zusammenschluss hinaus bestätigen die Ermittlungen die hohe Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Auf die vier führenden Handelsunternehmen EDEKA, REWE, Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) sowie ALDI entfallen inzwischen mehr als 90 Prozent des bundesweiten Umsatzes.

Andreas Mundt sagt: „Die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel ist mit 90 Prozent des Umsatzes für vier Unternehmen sehr hoch. Unsere Ermittlungen zeigen aber auch, dass zwischen den großen Handelsunternehmen Wettbewerb stattfindet, die Übernahme wird hieran nichts ändern. Und Tatsache ist: Die hohe Konzentration allein reicht kartellrechtlich nicht aus, um einen Zusammenschluss zu untersagen. Entscheidend ist, ob sich durch die konkrete Übernahme die Wettbewerbsverhältnisse erheblich verschlechtern.“

Die tegut-Gruppe betrieb zuletzt rund 300 Lebensmittelmärkte sowie weitere automatisierte Kleinflächenmärkte. Im März 2026 hatte die bisherige Eigentümerin, die Schweizer Genossenschaft Migros Zürich, angekündigt, sich aus dem deutschen Markt zurückzuziehen und tegut zu veräußern. Im Zuge dieses Verkaufsprozesses hat das Bundeskartellamt zunächst die Übernahme von 36 tegut-Standorten durch Tante Enso und anschließend die Übernahme von 178 Märkten sowie weiteren Unternehmensteilen durch EDEKA freigegeben. Mit der heutigen Entscheidung kommt die Freigabe von 38 Standorten für REWE hinzu.

Über die Zukunft weiterer tegut-Standorte sowie der vom Erwerb durch EDEKA und REWE ausgenommenen Märkte entscheiden die beteiligten Unternehmen. Die Entscheidungen des Bundeskartellamtes legen nicht fest, ob und von wem diese Standorte künftig betrieben werden.

Eine Liste der 38 zur Übernahme durch REWE freigegebenen Märkte sowie der beiden vom Erwerb ausgenommenen Standorte ist dieser Pressemitteilung als Anlage beigefügt.

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Gegen den Beschluss kann Beschwerde eingelegt werden, über die das Oberlandesgericht Düsseldorf entscheiden würde.

Liste der 38 freigegebenen tegut-Standorte

1. Bad Brückenau, Gänsrain 1, 97769

2. Bad Hersfeld, Heinrich-von-Stephan-Str. 4, 36251

3. Bad Kissingen-Garitz, Riedgraben 4–6, 97688

4. Baunatal-Altenritte, Altenbaunaer Str. 14–18, 34225

5. Bebra, Lindenallee 1–3, 36179

6. Bensheim, Heidelberger Str. 100, 64625

7. Coburg, Karchestr. 12, 96450

8. Dipperz, Gewerbepark 5, 36160

9. Edertal-Giflitz, Am Kornhaus 2, 34549

10. Eibelstadt, Würzburger Str. 45, 97246

11. Eichenzell, Rhönhof 28, 36124

12. Eppstein, Valterweg 1, 65817

13. Erfurt, Eichendorffstr. 27, 99096

14. Eschwege, Bahnhofstr. 25–27, 37269

15. Fritzlar, Am Hospital 3, 34560

16. Fulda, Maberzeller Str. 45, 36041

17. Göttingen, An der Lutter 22, 37075

18. Haimbach, Merkurstr. 16–20, 36041

19. Karlstadt, Bodelschwinghstr. 1, 97753

20. Kassel, Elisabeth-Selbert-Str. 40, 34253

21. Kassel, Leipziger Str. 128, 34123

22. Kassel, Ludwig-Erhard-Str. 11, 34131

23. Kassel, Wilhelmshöher Allee 253, 34131

24. Kassel, Wolfhager Str. 278, 34128

25. Kassel, Zum Hirtenkamp 1, 34128

26. Laufach, Hauptstr. 34, 63846

27. Lauterbach, An der Leimenkaute 3, 36341

28. Mainhausen, Erwin-Grimm-Ring 1, 63533

29. Marburg, Marburger Str. 100, 35043

30. Marburg, Universitätsstr. 8, 35037

31. Margetshöchheim, Erlabrunner Str. 36, 97276

32. Petersberg, Josef-Damian-Schmitt-Str. 1a, 36100

33. Schwarzach am Main, Zur Abtei 1, 97359

34. Schweinfurt, Gretel-Baumbach-Str. 8, 97424

35. Vellmar, Rathausplatz 8–11, 34246

36. Witzenhausen, An der Bohlenbrücke, 37213

37. Wolfhagen, Schützeberger Str. 91, 34466

38. Würzburg, Schleifweg 9, 97084