Lokales FD 28.10.2026

Reli-Tag des Bistums Fulda im Zeichen des Friedens

Fulda (pm/jah) – Wie können Menschen trotz unterschiedlicher Erfahrungen und Überzeugungen Wege zu Frieden und Verständigung finden? Mit dieser Frage beschäftigten sich mehr als 100 Religionslehrerinnen und Religionslehrer beim Reli-Tag 2026 im Bonifatiushaus Fulda. Unter dem Titel „Konflikte, Gewalt, Krieg – Impulse für religiöse Bildung“ standen der israelisch-palästinensische Konflikt und die Frage im Mittelpunkt, wie sich schwierige gesellschaftliche Themen im Religionsunterricht aufgreifen lassen.

Beim Reli-Tag 2026 sprach Abt Nikodemus C. Schnabel OSB über Feindbilder, Menschlichkeit und Wege zum Frieden im Heiligen Land. Fotos: Bistum Fulda / Marzena Seidel

Jan Kremer (v. l., Dezernent Religionsunterricht) und Dr. Marco Bonacker (Abteilungsleiter Bildung/Kultur) führten durch das Programm des Reli-Tages 2026.

Neben den fachlichen Impulsen standen beim Reli-Tag 2026 auch der persönliche Austausch und die Begegnung im Mittelpunkt.

Referent war der Benediktiner Nikodemus C. Schnabel OSB, Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem und des Priorats Tabgha am See Gennesaret. In seinem Vortrag beleuchtete er die unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen im israelisch-palästinensischen Konflikt. Während für viele Israelis Sicherheit und die Geschichte der Verfolgung prägend seien, stünden für viele Palästinenser Freiheit und Selbstbestimmung im Mittelpunkt.

Den vermeintlichen Feind verstehen

Schnabel machte deutlich, wie wichtig es sei, das Leid beider Seiten wahrzunehmen, ohne es gegeneinander aufzurechnen. Ein zentraler Gedanke war die „Entfeindung“: den vermeintlichen Gegner wieder als Menschen mit unverlierbarer Würde anzuerkennen. Das bedeute nicht, Unrecht zu verharmlosen oder menschenverachtendes Verhalten hinzunehmen. Vielmehr gehe es darum, Handlungen klar zu benennen, ohne einem Menschen seine Menschlichkeit abzusprechen.

Anhand persönlicher Begegnungen zeigte Schnabel, dass selbst schwere Verlusterfahrungen und Traumata nicht zwangsläufig in Hass und Vergeltung münden müssen. Freundschaften zwischen Menschen aus Israel und Palästina könnten verdeutlichen, dass ein anderer Umgang miteinander möglich sei. Frieden beginne dort, wo Menschen bereit seien, die Perspektive des anderen ernst zu nehmen und trotz erlittenen Leids aufeinander zuzugehen.

Impulse für den Reli-Unterricht

Auch im Religionsunterricht stellen Krieg und Konflikte Lehrkräfte vor Herausforderungen. In den Klassen treffen unterschiedliche Hintergründe, familiäre Sichtweisen und Meinungen aufeinander. Umso wichtiger sei es, komplexe Themen differenziert zu besprechen, unterschiedliche Positionen auszuhalten und zugleich klare Grenzen gegenüber Hass und Entmenschlichung zu setzen.

In verschiedenen Workshops erhielten die Teilnehmenden Anregungen für die pädagogische Praxis. Die Angebote reichten von Improtheater und Bilderbuchkino über Kurzfilme und den Umgang mit Konflikten im Klassenzimmer bis hin zu theologischen und gesellschaftlichen Perspektiven auf Krieg und Frieden.

Hintergrund

Der Reli-Tag wird jährlich in Kooperation mit dem Deutschen Katechetenverein im Bistum Fulda veranstaltet. Er bietet Religionslehrkräften Fortbildung, Austausch und die Möglichkeit, gemeinsam Wege zu finden, schwierige gesellschaftliche Themen im Unterricht aufzugreifen.