„Es geht weiter. Einen Tag heißt es Wunden lecken, und dann geht’s weiter“, macht der Trainer deutlich. Die Niederlage in Freiberg sei zwar bitter gewesen, die Höhe des Ergebnisses aus seiner Sicht jedoch nicht gerechtfertigt. Nun gelte es, die positiven Ansätze mitzunehmen und die nächsten Schritte zu machen. Auch bei den Dingen, die im ersten Spiel gegen den VfR Aalen noch nicht funktioniert hätten, habe die Mannschaft Fortschritte gemacht. „Wir waren im ersten Spiel gegen Aalen gut in der Defensive, aber mit wenig aggressivem Anlaufen. Das haben wir jetzt hinbekommen.“
Doch gute Ansätze allein bringen keine Punkte. Was der Barockstadt aktuell fehlt, ist die Konsequenz vor dem Tor. „Jetzt hat das Finishing gefehlt. Das müssen wir uns erarbeiten und uns dann mit Mut, Elan und einer gewissen Stabilität belohnen“, erklärt Jagatic. Seine Mannschaft müsse sich wieder in Situationen bringen, in denen sie zum Abschluss kommen könne – und diese Möglichkeiten dann auch nutzen. Gerade die Partie in Freiberg habe gezeigt, wie weit Leistung und Ergebnis auseinanderliegen können. Die SGB hielt phasenweise gut dagegen, stand am Ende aber erneut ohne Zählbares da.
Hinzu kommt der Ausfall von Keanu Kraft, der aufgrund seiner fünften Gelben Karte im nächsten Spiel gesperrt ist. Im vergangenen Spiel habe er starke Leistungen gezeigt. Für Jagatic ist das zugleich ein Hinweis darauf, welches Potenzial in seinem Team steckt. Jetzt dürfe die Mannschaft nicht nachlassen, sondern müsse weiterarbeiten. Er wisse, worauf er sich eingelassen habe, glaube aber daran, dass die Aufgabe zu bewältigen sei.
Dabei nimmt Jagatic innerhalb der Mannschaft durchaus Veränderungen wahr. Im Umfeld und bei den Spielern bewege sich etwas, die Mannschaft suche nach Lösungen und stelle Fragen. „Man hat das Gefühl, das Verkopfte löst sich“, beschreibt der Trainer seine Eindrücke. Er selbst sei voller Tatendrang und wolle die Mannschaft auf ihrem Weg weiter voranbringen.
Denn auch im Kopf entscheidet sich derzeit viel. Wenn sich die Barockstadt für ihren Aufwand belohnt, könnte das der Mannschaft neues Selbstvertrauen geben. „Wenn wir in die Phase reinkommen und uns belohnen, dann werden wir in ein anderes Verständnis kommen“, sagt Jagatic. Noch müsse sich das Team aus einer Situation lösen, in der die eigenen Leistungen nicht ausreichend in Erfolgserlebnisse münden. Der Trainer will deshalb Vertrauen vermitteln, weiß aber zugleich, dass die Zeit knapp ist.
„Wir müssen uns einem positiven Druck aussetzen. Jeder weiß, um was es geht“, betont Jagatic. Die Spieler wüssten, was sie leisten könnten und müssten. Jetzt gehe es darum, es auch umzusetzen. Dabei dürfe der Druck nicht in Angst umschlagen. Wer aus Sorge vor Fehlern keine mutigen Entscheidungen mehr treffe, mache es sich selbst schwer. Jagatic will seine Mannschaft deshalb dazu bringen, weiter nach vorne zu spielen und Chancen zu suchen, statt sich von der Situation bremsen zu lassen. „Was haben wir zu verlieren?“, fragt er. Entscheidend sei, dass die Spieler trotz der angespannten Lage an ihre Fähigkeiten glaubten und mutig blieben.
Ein wichtiger Baustein soll dabei der Konkurrenzkampf sein. Jagatic möchte auf jeder Position einen intensiven Wettbewerb, der die Trainingsleistungen steigert und dafür sorgt, dass niemand seinen Platz als selbstverständlich betrachtet. „Es ist kein Selbstläufer, sodass jeder 100 Prozent gibt“, sagt der Trainer. Besonders im Tor sieht er die SGB gut aufgestellt: Drei gute Torhüter und einen Torwarttrainer, der die Spieler antreibe, gebe es. Dieses Prinzip gelte allerdings für die gesamte Mannschaft. „Am Wochenende werden dann die besten Elf auflaufen.“
Neben der sportlichen Entwicklung muss sich Jagatic auch abseits des Platzes noch in Fulda einleben. Viel Zeit, die Stadt kennenzulernen, habe er bislang nicht gehabt. „Ich bin noch nicht dazu gekommen, durch Fulda zu schauen. Jetzt ist die Arbeit erst einmal wichtiger“, sagt er. Inzwischen sei er vor Ort untergekommen und müsse nicht mehr pendeln. Sein Fokus liege vollständig auf der SG Barockstadt. Wenn die Mannschaft irgendwann wieder in ruhigere Gewässer komme, werde vielleicht auch Zeit bleiben, Fulda näher kennenzulernen.
Zunächst aber zählt allein der Fußball. Jagatic sieht seine Mannschaft auf einem Weg, der in die richtige Richtung führt. Jetzt muss die SG Barockstadt zeigen, dass sie die Fortschritte auch in Punkte ummünzen kann. Denn bei aller Zuversicht weiß der Trainer, dass die Zeit drängt.
