Der VfR Aalen hatte die ersten 45 Minuten beim Heim-Debüt von SGB-Trainer Miroslav Jagatic absolut dominiert: Der Chefcoach hatte schon im Vorfeld vor „brutaler Rotation“ des Aufsteigers gewarnt, der wie alles andere als ein Aufsteiger aussah und in der Blitztabelle mit dem Führungstor sogar auf Platz eins kletterte: Jannik Horz missglückte ein Abschlag ins Zentrum, Meien machte das Spiel direkt schnell, Ex-SGB-Stürmer Niklas Antlitz leitete weiter auf Dean Melo und der traf eiskalt zum 0:1 nach einer knappen Viertelstunde. Während Aalen mit Ballsicherheit glänzte und auch fast jeden zweiten und dritten Ball holte, war Fulda viel zu passiv, obwohl Jagatic gegen den Ball ein 5-3-2 aufs Feld schickte, mit Hans Nunoo Sarpei als drittem Innenverteidiger. Für Gäste-Anhänger und auch neutrale Zuschauer war der Aalener Fußball wunderbar anzusehen, erst zur Pause hin konnte die SGB die Spielfreude der Gäste etwas bremsen und lief weiter vorne an. Aus einem Fehler des VfR heraus entstand dann der erste echte Abschluss in Minute 44, den Nicolas Wähling aber knapp über den Kasten setzte.
Bis dahin sah der SGB-Coach eine stabile Defensive, aber sein Team nach vorne „zu passiv“: „Wenn wir mit 0:0 in die Pause gehen, kann alles passieren. Aber wir haben den Ball zu einfach hergeschenkt und wurden eiskalt vom Gegner bestraft“.
Eine Reaktion auf die schwache erste Hälfte blieb nach dem Seitenwechsel erstmal aus, stattdessen konterte sich Aalen zehn Minuten später zum 0:2 – hier war aber womöglich ein Handspiel in der Entstehung dabei, das der Schiri nicht abpfiff. Die SGB in Aufruhr, Melo wurde auf die Reise geschickt und legte quer auf Gianluca Gaudino: Der dreimalige Schweizer Meister mit den Young Boys Bern, Deutscher Meister mit dem FC Bayern 2015 und Sohn von Maurizio Gaudino brauchte bei dieser leichten Aufgabe aber kaum seine Erfahrung aus einem Champions League Spiel an der Seite von Thomas Müller, Franck Ribery und Co., denn er musste nur einschieben (55.).
Erst ein Dreifach-Wechsel von Jagatic nach einer Stunde zeigte dann Wirkung – und es wurde auch höchste Zeit. Aalen zog sich etwas weiter zurück, vor allem Emmanuel Elekwa machte ordentlich Betrieb für die Fuldaer im Angriff und hatte auch den ersten Tor-Abschluss nach Doppelpass mit Dittmann (65.). Auch Diamant Lokaj versuchte es mal aus der Distanz, und zumindest keimte nochmal Hoffnung für die Fuldaer Fans auf.
Die SGB blieb bis zum Ende am Drücker und spielte nun Fußball – doch es fehlten die ganz klaren Gelegenheiten. Nochmal stand der Schiri im Mittelpunkt, als Kevin Hillmann im Strafraum zu Fall kam, aber keinen Elfmeter bekam (79.). Die Gelb-Rote Karte gegen Moritz Reinhard in der Nachspielzeit kam dann noch hinzu und war umso bitterer, er fehlt nun in Heilbronn und fiel der Gelb-lastigen Linie des Unparteiischen zum Opfer.
„Wir werden keine Ausreden im Vorfeld suchen, sondern die Dinge sachlich, aber auch knallhart analysieren“, sagte Jagatic nach Spielende mit Blick auf die Alternativen, die in der Offensive wegbrechen, da auch Ali Gün verletzt fehlte. Aber er blieb kämpferisch: „Am Ende wird die Ente fett. Wir werden unser Ziel erreichen, und die Spieler können in die Bresche springen, die auf ihre Chance warten“. Die zweite Hälfte gefiel dem Trainer dann auch im Offensivspiel gut, darauf soll aufgebaut werden: „Defensiv wird das klappen, da bin ich sicher. Und im Spiel nach vorne wollen wir das Gute von heute mit in die nächsten Wochen nehmen“.
SG Barockstadt: Horz – Schmitt (61. Kraft), Habermehl, Sarpei, Frey, Hillmann – Ivankovic (61. Lokaj), Pomnitz, Wähling (61. Elekwa) – Reinhard, Dittmann.
VfR Aalen: Otto; Maksimovic (70. Selitaj), Döringer (62. Barth), Kahriman, Antlitz (62. Kleinschrodt), Geyer, Odabas, Melo, Grözinger (85. Schaupp), Meien (62. Onos), Gaudino.
Schiedsrichter: Veron Besiri (Trier)
Tore: 0:1 Dean Melo (14.), 0:2 Gianluca Gaudino (55.)
Zuschauer: 1040
Gelb-Rote Karte: Moritz Reinhard (Barockstadt, 90.+2)
