Gegen Aalen begann die SGB mit einer Fünferkette, Hans Nunoo Sarpei ließ sich gegen den Ball als dritter Innenverteidiger zwischen Milian Habermehl und Aaron Frey fallen und rückte im ersten Durchgang im eigenen Ballbesitz vor auf die Sechserposition – ähnlich ließ Jagatic schon bei seinem Debüt in Homburg spielen, dort startete Sarpei allerdings im defensiven Mittelfeld. Für den angeschlagenen Keanu Kraft begann außerdem der etatmäßige Linksverteidiger Sebastian Schmitt, für das Spiel gegen die Schwarz-weißen gerade rechtzeitig fit geworden, auf der ungewohnten Position hinten rechts – was allerdings nicht nur mit Krafts Ausfall zusammenhing: „Wir hatten einen Plan mit ihm als Linksfuß auf der rechten Seite“, erläuterte Jagatic, ohne zu weit ins Detail gehen zu wollen.
Der Barockstadt-Coach musste dennoch mit ansehen, wie Aalen in den ersten 45 Minuten das Spielgeschehen dominierte und zur Pause verdient mit 1:0 in Führung lag – was einerseits an der enormen Qualität der Gäste von der Schwäbischen Alb lag, andererseits aber auch darin begründet war, dass es die SGB dem neuen Tabellenzweiten phasenweise zu einfach machte. Vor dem 0:1 etwa spielte Keeper Jannik Horz den Ball genau in die Füße von Vico Meien, nur wenige Sekunden später musste der Barockstadt-Torwart zum ersten Mal hinter sich greifen. „Wir betreiben hohen Aufwand, holen uns die Bälle und haben dann eigentlich genug Platz, um in saubere Umschaltsituationen zu kommen. Stattdessen spielen wir dem Gegner aber den Ball in die Füße“, haderte Jagatic: „Dadurch haben wir Aalen auch ein Stück weit stark gemacht. Wir müssen auch in Drucksituationen sauber hinten raus spielen, daran müssen wir arbeiten.“
Besser habe Jagatic dagegen der Auftritt nach der Pause gefallen, vor allem der Dreierwechsel nach etwas mehr als einer Stunde zeigte Wirkung im bis dato größtenteils ungefährlichen Offensivspiel der SGB: Emmanuel Elekwa beispielsweise war nach seiner Hereinnahme ein Aktivposten im Spiel nach vorne und konnte nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung den ersten Tor-Abschluss der SGB verzeichnen. „Wir sind nach der Pause mutiger angelaufen, haben den Ball im Spiel nach vorne nicht so schnell wieder hergeschenkt und hatten für vielleicht 30 Minuten auch das Momentum auf unserer Seite“, betonte Jagatic: „Wenn wir die Fehler abstellen, bin ich wirklich guter Dinge. Man hat gesehen, dass die Jungs Fußball spielen können. Ich glaube, es ist wirklich nur eine Kopfsache. Wenn wir den Kopf frei kriegen und uns nicht immer wieder selbst in die Bredouille bringen, werden wir den Bock umstoßen.“
Für Aufregung bei Jagatic‘ Heimpremiere sorgte außerdem die Leistung des Unparteiischen Veron Besiri, der allgemein eine kleinliche Linie beim Verteilen von Gelben Karte zeigte – ganze zehn Verwarnungen verteilte der Schiedsrichter, in der Nachspielzeit musste darüber hinaus auch noch Moritz Reinhard mit Gelb-Rot vom Platz. „Mo hat beim ersten Foul schon direkt gelb kassiert. Gerade in der 94. Minute bin ich der Meinung, dass man im Ermessensspielraum darüber hinwegschauen kann“, ordnete der SGB-Coach die Szene ein und betonte: „Das war kein gelbwürdiges Foul.“ Neben Reinhard muss Jagatic am kommenden Wochenende in Heilbronn beim Spitzenreiter SGV Freiberg auch noch auf Kevin Hillmann verzichten, der gegen Aalen seine fünfte Gelbe Karte sah. „Das sind zwei Dinger, die uns auf jeden Fall weh tun“, konstatierte der 50-Jährige. Ali Gün laboriert außerdem noch mit Schmerzen am Knöchel und fehlte bereits gegen den VfR, zudem zog sich auch noch Milian Habermehl in der letzten Aktion des Spiels eine Blessur zu. „Wir hoffen, dass es bei beiden nichts Schlimmeres ist“, so Jagatic.
Neben dem munteren Kartenverteilen von Besiri wog eine Entscheidung des Unparteiischen für die SGB aber wesentlich schwerer: In der Entstehung vor dem 0:2 berührte Ex-SGB-Spieler Niklas Antlitz den Ball klar mit der Hand und verschaffte sich so einen Vorteil – wenig später klingelte es zum zweiten Mal im Kasten der Gastgeber. „Ich habe mir diese Szene mittlerweile acht oder neun Mal angeschaut“, ordnete Jagatic ein: „Das ist ein klares Handspiel, was eigentlich auch jeder andere so gesehen hat. Wenn es da beim 0:1 bleibt und wir vielleicht zum Ausgleich kommen, kann das Spiel komplett kippen.“ Dennoch betonte der Übungsleiter auch: „Am Schiedsrichter lag es definitiv nicht. Die Motivation war da, wir haben gesehen, es geht was. Wir arbeiten an uns und zeigen nicht mit dem Finger auf andere. Vielleicht ist genau jetzt der Moment gekommen, nochmal enger zusammenzurücken.“
