„Ich kenne den Verein seit Jahren, hier schlummert Potenzial“, machte er klar. Es sei keine Frage für ihn gewesen, nachdem er sich mit seiner Frau abgestimmt hatte, die den 50-jährigen Familienmensch unterstütze. Und in den Gesprächen mit der SG Barockstadt sei deutlich geworden, dass für beide Seiten klar sei: „Nichts steht über dem Verein“.
In den vergangenen Tagen sei alles ganz schnell gegangen: Christian Geisendörfer aus dem SGB-Sportvorstand erklärte, dass der Club nach dem „verheerenden Auftritt“ beim 1:5 in Mannheim zum Handeln gezwungen gewesen sei. Dieses Spiel sei „unwürdig“ dem Verein gewesen, doch die Schuld lag nicht nur bei Ex-Trainer Daniyel Cimen: „Am Ende waren es acht sieglose Spiele, und wir wollten einen Impuls setzen – auch für die Köpfe“. Der Mannschaft sei mit dem Trainerwechsel ein Alibi genommen, nun soll am Samstag beim FC 08 Homburg ein positives Ergebnis her. Gleichzeitig dankte Geisendörfer noch Ex-Coach Cimen und auch Co-Trainer Yasin Kocatepe, der den Übergang diese Woche leitete und direkt den Draht zum neuen Coach suchte. „Er ist ein super loyaler Vertreter – die Woche hat gezeigt, dass Yasin die SG Barockstadt im Herzen trägt“, so Geisendörfer.
Durch das eine oder andere Trainingslager in Leipzig sei der Kontakt schon vor Jahren mit Jagatic zustande gekommen. Besonders mit Volker Bagus war der 50-jährige Ex-Trainer von Chemie Leipzig in gutem Austausch und überzeugte die SGB mit seinem Profil: „Er hat bei Chemie unter ähnlichen Bedingungen, ohne Vollprofitum, gute Arbeit geleistet. Er ist fordernd, akribisch und ein absoluter Fußballfachmann, und ein loyaler Typ“, so Geisendörfer.
So unkompliziert die Gespräche mit dem Verein waren, so unkompliziert will es Jagatic in Fulda angehen: „Manchmal ist weniger mehr“, zitierte er einen ehemaligen Bundesliga-Coach, mit dem er bekannt sei. Am Mittwoch hatte er das erste Training geleitet und stellte fest: „Natürlich war die Mannschaft enttäuscht und hatte es sich anders vorgestellt. Aber die Jungs haben eine enorme Intelligenz, eine hohe Mentalität. Es ist menschlich dass der Kopf irgendwann mal zumacht“, kam er auf die Ergebniskrise zu sprechen und brach noch eine Lanze für seinen Vorgänger: „Es waren wirklich viele 50:50-Spiele. Geht gegen Freiburg ein Ball nicht gegen den Innenpfosten, würde ich vielleicht nicht hier sitzen“. Er nehme das Team aber lernwillig und aufnahmewillig wahr.
Rund um den Verein spüre Jagatic eine „positive Energie, die ich aufnehmen und verbreiten will“. Er sei ein Trainertyp, der „von allem etwas“ habe, wenngleich ein Coach heutzutage auch psychologische Fähigkeiten bräuchte. „Du musst viel mit den Spielern reden, einen klaren Plan verfolgen“. Er möchte seine Stärken einbringen, gleichzeitig aber die Arbeit auf alle Schultern verteilen und nicht im Mittelpunkt stehen: „Ich bringe meine Qualitäten gerne ein. Aber jeder soll das tun, ich werde niemanden seiner Stärken berauben“. Er lege Wert auf kurze Wege zu den Verantwortlichen, Kritikfähigkeit von allen, und offene, respektvolle Umgangsweise: Er möchte, dass Dinge gleich angesprochen und nicht ruhen gelassen werden. Und – das brachte er deutlich rüber – „ich bin überzeugt, dass die Mannschaft 100 Prozent geben wird, und noch ein paar Schritte mehr geht als bisher. Wir werden unsere Ziele erreichen, aber es braucht Zeit“. Ganz nach dem Motto: „Am Ende ist die Ente fett“.
Der neue Trainer kam mit guter Laune in Fulda an, berichtete unter anderem von der guten Currywurst, die er im Stadion schon probiert hätte, und hat einen klaren Weg eingeschlagen, auf den er die Mannschaft fortan mitnimmt: „Es geht am Ende um den Sport, nicht um persönliche Befindlichkeiten. Auf der Welt gibt es genug schlimme Dinge. Ich will, dass jeder ein Lächeln im Gesicht hat. Mit einem kleinen Lächeln blickte er auch in die Runde der Pressevertreter, nach rechts zu Christian Geisendörfer und nach links zu Teammanager Maxi Hainer, und schmunzelte, dass die SGB nicht der Lieblingsgegner der Regionalliga-Konkurrenz sein müsse: „Es war immer eklig, gegen uns zu spielen – jetzt darf ich ja ‚uns‘ sagen. Es war immer eine Wucht, aber die Mannschaft konnte auch Fußball spielen. Wenn wir in ein paar Monaten hier sitzen, eklig sind und andere uns nicht mögen, würde ich das schon irgendwie geil finden“.
